Bienen-Lyrik 


Gedicht eines Imkers

Wenn ich zu meinem Stande geh’
Und tausend Bienen um mich seh’
Und hör’ das allvertraute Summen,
Dann müssen Gram und Leid verstummen.

Dann denk ich nicht an Gut und Geld,
Nicht an den Hader in der Welt,
Nicht an den Lärm in allen Gassen,
Nicht an der Feinde grimmes Hassen.

Noch an der Freunde Neid und Spott!
Dann dank’ ich still nur meinem Gott,
Daß er allhier auf dieser Erden
Dies Heim des Friedens mir ließ werden!

Kehr’ ich vom Bienenhaus zurück
Ist aufgehellt der trübe Blick.
Denn, was mir grau und schwer erschienen
Das gab ich meinen lieben Bienen.

Die trugen’s in die Luft hinaus,
Gleich allem Schmutz aus ihrem Haus
Und was sie mir dafür gegeben,
Ist neue Kraft zu neuem Leben!


Bienenhaus-Spruch I

Gott schütze dieses Bienenhaus
samt all den lieben Bienen
sie fliegen emsig ein und aus
und tragen viel vom "Süss" nach Haus.

Drum Imker sei auch du besorgt
dass sie nicht leiden Kält' und Not
dann hast du deine Freude dran
was so ein Bienlein leisten kann.


Bienenhaus-Spruch II

Wenn bitter sich die Menschen streiten
mit Grösse wie mit Kleinigkeiten,
da weich ihm am liebsten aus
und flüchte dich ins Bienenhaus.

Hör ich das friedliche Gesumm,
vergess ich Schelten und Gebrumm,
und aller Krieg und Krach auf Erde
kann mir sogleich gestohlen werden!


Der neugierige Imker

Er guckt um vier schon am Morgen,
und spät am Abend guckt er noch:
guckt mit Vergnügen, guckt mit Sorgen,
guckt in die Gassen, guckt ins Loch.
Er guckt, wenn scharf die Stürme gehen.
Er guckt nach Überfluß und Not.
Er guxkt, wenn lau die Lüfte wehen.
Er guckt die armen Tierchen tot.

Franz Tobisch (1965-1934)


"Eros, von einer Biene gestochen,
als er an einer Rose gerochen

Lief weinend in Venus‘Arme:
liebe Mutter, ich sterbe, erbarme,

Eine fliegende Schlange biss
 mich schmerzhaft in die Wange."

 

Anakreon, 6 Jh. v.Chr.


So tun die Honigbienen, Kreaturen
Die durch die Regel der Natur uns lehren
Zur Ordnung fügen ein bevölkert Reich -
Sie haben einen König und Beamte.

 

Shakespeare, König Heinrich der Fünfte


Sie legen Tränentau der Narzisse
Und Klebstoff der Rinde
Für die Waben als ersten Grund
Und von oben dann bauen
Zähes Wachs sie daran.

 

Vergil, aus "Georgica", 20 v. Chr.


Ein Blümchen vom Boden hervor,
war früh gesprosset im lieblichen Flor,
da kam ein Bienchen und naschte fein -
die müssen wohl beide füreinander sein!

J. W. von Goethe


Ein Rätsel

Süß ist was ich schaffe,
stechend meine Waffe,
meine Höschen gelb wie Gold -
allen Blumen bin ich hold.

An die Bienen

Wollt ihr wissen, holde Bienen, 
Die ihr süße Beute liebt, 
Wo es mehr, als hier im Grünen, 
Honigreiche Blumen gibt? 
Statt die tausend auszunippen,
Die euch Florens Milde beut, 
Saugt aus Amaryllis' Lippen 
Aller tausend Süßigkeit. 

Florens schöne Kinder rötet 
Nur der Frühlingssonne Licht; 
Amaryllis' Blumen tötet 
Auch der strenge Winter nicht. 
Kurze Labung nur gewähret, 
Was die Tochter Florens beut; 
Aber kein Genuß verzehret Amaryllis' Süßigkeit. 

Eins, nur eins sei euch geklaget! 
Eh ihr auf dies Purpurrot 
Eure seidnen Flügel waget, 
Hört, ihr Lieben, was euch droht! 
Ach, ein heißer Kuß hat neulich 
Die Gefahr mir kund gemacht. 
Nehmt die Flügel, 
warn' ich treulich, 
Ja vor dieser Glut in acht!

Gottfried August Bürger (1747-1794)

Literatur-Tipps

Schlaue Sprüche


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