Die Honigbienen und ihre Verwandten
Imkerphilatelie - Teil 2

Die Bienen gehören zusammen mit den Wespen und Ameisen zur Insektenordnung der Hautflügler (Hymenoptera) mit weltweit über 150.000 Arten. In sechs Familien - Seidenbienen, Sandbienen, Furchenbienen, Hosenbienen, Mauerbienen und Echte Bienen - zusammengefasst sind es über 20.000 Arten von Bienen, von denen über 550 Arten in Mitteleuropa vorkommen. Alle Bienenarten ernähren sich und ihre Brut mit Nektar und Pollen. Die Familie der Echten Bienen unterteilt sich in die Unterfamilien der Pelzbienen, Holzbienen und Honigbienenverwandten, letztere in die Gattungsgruppen der Prachtbienen, Hummeln, Stachellosen Bienen und Eigentlichen Honigbienen. Während das Hummelnest eher als Familie denn als Staat bezeichnet werden kann, so erreichen die Stachellosen Bienen, die Meliponen und Trigonen, ansehnliche Kolonien. Diese Bienen haben keinen entwickelten Stachelapparat, sie sind aber keineswegs harmlos: statt stechen, beißen sie. Stachellose Bienen leben in tropischen Gebieten. Da keine Winterruhe eingeschaltet werden muss, können ihre Kolonien längere Zeit überdauern. Einzelne Arten werden als Honigbienen gehegt; die Ernten sind nicht groß.

Von den eigentlichen Bienen gibt es nur vier Arten, die alle sozial leben: die Riesenhonigbiene (Apis dorsata), die Zwerghonigbiene (A. florea), die Indische Biene (A. indica, auch als A. cerana bezeichnet) und die Honigbiene (A. mellifica). Alle bauen aus Wachs hängende Waben mit beidseitig sechseckigen Zellen. Nur die Indische Biene und die Honigbiene können in künstlichen Wohnungen für Honig und Wachs genutzt werden.

Die Arbeiterinnen der Riesenhonigbienen haben etwa die Größe unserer Hornisse, und ihre Stiche sind ähnlich gefürchtet. Sie bauen eine einzige freihängende Wabe an der Unterseite von Felsvorsprüngen oder Vordächern, hauptsächlich aber in dicke Astgabeln hoher Bäume. Schwarmtrieb und Wanderlust sind stark entwickelt: ist das Nahrungsangebot an einem Ort vorbei, verlässt die ganze Kolonie ihre Wabe.

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Apis dorata

Die Zwerghonigbienen sind fast so klein wie geflügelte Ameisen. Zwei ziegelrote Hinterleibssegmente und silberweiße Filzbinden geben ihnen ein zierliches Aussehen. Drohnen und Königinnen sind allerdings auffallend groß. Die Arbeiterinnen bauen ihre Nester ebenfalls an Ästen, aber nicht in Astgabeln, sondern als Wulst um den Ast herum, wo sich die einzige vertikal hängende Wabe anschließt. Auch die Zwerghonigbiene ist wanderlustig, so dass sie ebenso wenig als «Haustier» genutzt werden kann wie die Riesenhonigbiene.

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Apis florea

Die Indische Biene hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet. Es gibt von ihr mehrere Rassen, die sich in Farbe und Körpergröße unterscheiden. Eine besondere Rasse findet sich in Japan. Alle Rassen sind etwas kleiner als unsere Honigbiene, aber ihr am ähnlichsten. Ihr Brutnest besteht bereits aus mehreren Waben, doch sind deren Zellen kleiner als die unserer Honigbiene. Der Ertrag ist dementsprechend geringer. Die Völker sind sehr schwarmfreudig.  Die Heimat all dieser drei tropischen Arten ist Indien.

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Apis cerana 

Die Honigbiene (Apis mellifica) war ursprünglich in ganz Europa, in Vorderasien und Afrika heimisch. Sie hat aber längst alle Erdteile erobert. Linne gab der Honigbiene den Namen Apis mellifera, «die Honig eintragende», er änderte später auf A. mellifica, «die Honig machende». Der frühere Name, der heute noch mitunter gebraucht wird, ist unglücklich gewählt, weil die Biene keinen Honig einträgt, sondern Rohstoffe, der erst im Stock durch Fermentation und Wasserentzug zu Honig wird. Die Mellifica zerfällt in zahlreiche Unterarten und Rassen, die schwer voneinander abzugrenzen und in ihrem taxonomischen Wert zu erfassen sind. Apis mellifica capensis ist im südlichsten Afrika heimisch. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass aus unbefruchteten Eiern nicht nur Drohnen, sondern auch befruchtungsfähige Weibchen hervorgehen können.

Apis mellifica adonsonii bewohnt ganz Zentral- und größtenteils auch Südafrika und die Insel Madagaskar. Ihre Rassen sind in Bezug auf Größe, Farbe und Verhaltensweise sehr vielgestaltig und vermögen mit unseren europäischen Bienenrassen zu bastardieren. Es können sich daraus sehr brut- und stechlustige Völker ergeben. Solche Adonsonii-Bastarde sind in Südamerika stellenweise zur Landplage geworden. Diese Killerbienen oder «Mörderbienen» gehen auf den Genetiker Warwick E. Kerr zurück. 1956 importierte er für Zuchtversuche 47 afrikanische Adonsonii-Königinnen, von denen 1957 versehentlich 26 entwichen. Diese kreuzten sich mit den angesiedelten europäischen Bienen. Die meisten nachfolgenden Generationen behielten ihre aggressiven «afrikanischen» Eigenschaften, stachen Menschen und Tiere zu Tode, wenn sie im Schwärm auftraten. Die neue Honigbiene, namens Apis mellifica scutellata hat nun ganz Süd- und Zentralamerika «überrannt» und findet auf ihrem Weg nach Norden immer neue Verbreitungsgebiete, 1989 Mexiko, 1990 Texas. Die sogenannte Afrikanisierung durch Verdrängung der europäischen Honigbiene erfolgt heute durch genetisch reine, verwilderte afrikanische Völker; Kreuzungen spielen nur noch eine ganz untergeordnete Rolle.

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Apis mellifica adonsonii

Apis mellifica meda ist mit zahlreichen Rassen im Vorderen Orient beheimatet. Die Rasse Cypria ist zu Zuchtzwecken nach Deutschland eingeführt, die Rasse Syrica schon mehrfach in Europa eingeschleppt worden. Apis mellifica mellifica umfasst die europäischen Bienenrassen. Die Abgrenzung der Unterarten und Rassen ist in erster Linie geographisch bedingt. In den Grenzgebieten haben sie sich von alters her verbastardiert. Diese Bastarde sind fruchtbar, oft sogar übertrieben brutlustig.

Aus "Insektenkurier", Heft 32 
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

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