Bienenzucht und Bienenhaltung
Imkerphilatelie - Teil 4

Biene ist nicht gleich Biene. Es gibt große Unterschiede in Stechlust, Schwarmlust, Fleiß, Findigkeit, Sitz auf den Waben, Wetterfestigkeit, Anfälligkeit für Krankheiten. Neben gutem Trachtangebot sind die Eigenschaften der Biene die wichtigsten Grundlagen. Mellifica, Carnica, Ligustica und Caucasiaca sind die einzigen Rassen, die eine wirtschaftliche Bedeutung in der Bienenzucht besitzen. Durch die Bienenzüchter sind sie über alle Erdteile verbreitet worden und liefern in vielen Ländern das Ausgangsmaterial für Züchtungsarbeiten. Ohne Zweifel sind bisher Stämme der Rasse Carnica am meisten züchterisch bearbeitet worden: Carnica-Königinnen sind in Österreich ein wichtiger «Ausfuhrartikel» geworden.

 
Caucasiaca 

Bienenzucht ist wichtiger denn je. Auch wenn die Biene keinen Honig brächte, müsste man Bienen der Blütenbestäubung wegen halten, auf Staatskosten, um Nahrungsmittel wie Obst, Früchte, Gemüse sicherzustellen. Bienenhaltung gehörte deshalb früher fast zu jedem Landwirtschaftsbetrieb. Natur und Mensch züchten nicht nach den gleichen Grundsätzen. Der Natur geht es ums Überleben, dem Menschen um möglichst viel abschöpfbaren Überschuss. Im Fall Biene hat die Natur jedoch in der Carnica-Rasse Eigenschaften ausgelesen und erhalten, mit denen der Imker arbeiten kann. Zu einem guten Bienenvolk mit fleißigen Arbeiterinnen gehört eine gute Königin: gutes Erbe, gute Aufzucht, gute Paarung, sicheres Zusetzen. Eine gut aufgezogene Königin mit guter Erbanlage muss auch gut begattet werden. Dazu gehört eine gute Auswahl der Drohnen aus einem leistungsstarken Großmuttervolk. 100 Königinnen verbrauchen zur Paarung annähernd 1.000 Drohnen.

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Arbeiterin
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Königin
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Drohne

Die Zuchtauslese ist dominierend für eine zeitgemäße erfolgversprechende Bienenwirtschaft. Selektionsziel ist eine gesunde und den Umweltbedingungen gut zurechtkommende Biene. Für in lang angelegtes Zuchtprogramm ist ein fundiertes Wissen über Genetik erforderlich, das über die Mendelnchen Vererbungsregeln weit hinausgeht. Züchten heißt schließlich nicht nur vermehren, sondern verbessern bzw. Ausscheiden der Minusvarianten.

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Johann Dzierzon - ein polnischer Bienenforscher

Weiselzucht heißt Königinnenvermehrung. Der Züchter macht einen «Kunstgriff», in dem ein Pflegevolk (ohne Königin) beispielsweise ein Dutzend Arbeiterinnen-Eier (im Zuchtrahmen) aus züchterisch wertvollen Völkern zu Königinnen heranzieht. Imker nützen dann die hohe Leistungskraft junger Königinnen und füllen Lücken im Bestand, die durch Weisellosigkeit und Drohnenbrütigkeit entstanden sind. Die Weiselzucht gehört zu den wichtigsten betriebswirtschaftlichen Maßnahmen am Bienenstand; durch sie wird der Imker vom Bienenhalter zum Bienenzüchter. Eine kontrollierte natürliche Paarung lässt sich nur erzielen, wenn man mit Jungköniginnen und den ausgewählten Drohnen isolierte Plätze aufsucht (Belegstellen) oder ein großes Überangebot erwünschter Drohnen vorhanden ist. Belegstellen-gepaart heißt aber nicht «Reinzucht». Linienbelegstellen sind solche, die mindestens 6 km vom nächsten Bienenstand entfernt sind. Königin und Drohnen lassen sich nicht in eine Kiste sperren zur Paarung, sie vereinigen sich nur im freien Luftraum. Im selben Gebiet kann man deshalb nicht zwei Rassen nebeneinander züchten. Wenn Imker auf eine andere Rasse umstellen wollen, muss das im ganzen Gebiet geschehen wie z.B. in Israel, wo seit dem Zweiten Weltkrieg die stechlustige Palästinensische Biene durch die importierte Biene ersetzt wurde. Tausende von Völkern wurden umgeweiselt.

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Gregor Mendel widmete
sich auch der Bienenzucht

In den Heidegebieten im norddeutschen Raum wurde einstmals die dunkle Heidebiene, die Korbbiene gehalten, weil sie hier bodenständig gewachsen war. Mit der Umstellung auf den Kastenbetrieb und der ökologischen Veränderung konnte die stechlustige Biene nicht mehr gehalten werden. Man stellte zunächst auf die dunkle Nigra-Biene um. Die Nigra-Biene war vom Ertrag her gesehen nicht mehr wirtschaftlich. Eine graue Krainer Biene hat sich dann durchgesetzt. Es gibt Übergangs- oder Mischformen, wie man sie im Balkangebiet festgestellt hat. Von überall her wurde probiert, welche Biene im Honigertrag, im Umgang beim imkerlichen Betrieb und im Umfeldbereichsverhalten wohl die Beste sein könnte. So hat man in Deutschland hundert Jahre herumexperimentiert, bis sich die Carnica oder Kärntner Biene in vielen Verwandtenlinien mit kaum erkennbaren Unterschieden von selbst durchgesetzt hat. In jüngerer Zeit gewinnt die instrumentale Besamung der Bienenkönigin für die imkerliche Praxis zunehmend an Bedeutung. In unzähligen Kreuzungsversuchen ist es bisher nicht gelungen Rassenhybriden zu finden, die in jeder Hinsicht guten Carnica-Stämmen ebenbürtig oder besser sind. Hybridvölker Carnica x Nigra (oder umgekehrt) brachten wohl um 30% höhere Honigernten als die reine Carnica-Linie, wegen ihrer Unruhe und Stechlust musste diese Kreuzung aber aufgegeben werden. Noch besser im Ertrag erwies sich Caucasiaca x Carnica: Diese Hybride blieb auch ziemlich sanft, wegen ihrer Nosema-Anfälligkeit in ungünstigen Wintern aber sehr verlustreich. Sehr gut im Ertrag, aber ebenfalls stechlustig ist die Kreuzung Ligustica x Carnica; die umgekehrte Kreuzung ist sanft, aber in der Leistung nur mittelmäßig.

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Bienenzucht und Imkerei im Kleinformat
zeigt das Schwedische Markenheftchen

Gute Leistungen der Rassenhybriden waren nur in der ersten Kreuzungsgeneration zu erzielen. Schon in der dritten Generation waren die Leistungen im Durchschnitt regelmäßig deutlich niedriger als die der Ausgangslinie. Eine Ausnahme macht die Buckfast-Biene, eine komplizierte Hybride: einheimische Carnica-Drohnen mit italienischer Königin (sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten), die daraus entstandenen Drohnen mit französischer Königin (leistungsfähig, aber sehr streitsüchtig), die daraus entstandenen Drohnen mit einer griechischen Königin (sehr ortstreu, sehr sanftmütig). Einem deutschen Mönch im Benediktinerkloster Buckfast Abbey in Dartmoor in Südwestengland - Bruder Adam Kehrle - ist es in 70 Jahren imkerlicher Arbeit gelungen, eine eigene Bienenrasse zu züchten, die emsiger ist als alle anderen und in die ganze Welt exportiert wird. Bruder Adam wurde für seine Verdienste am 2.Oktober 1987 von der Universität Uppsala zum Ehrendoktor ernannt.

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Grußkarte mit Sonderstempel von Schwerin von
der 4. Lehr- und Leistungsschau der Bienenzucht

Die Bienen auf den Briefmarken sind keine Fotos, sondern vom Graveur nachgebildet. Für Imkeraugen sind es Bastarde. Von der Natur her gesehen gibt es geographische Unterschiede, die sich zunächst mit dem bloßen Auge rein äußerlich erkennen: Panzeruntergrund dunkel, bräunlich, gemischt; Körperbehaarung grau, dunkel; lange oder kurze, schmale oder breite Filzbinden; Verlauf des Geäders in den Flügeln bzw. Flügelindex. Wie in der Rassenzucht in der Tierwelt sind auch hier schon früh Zahlen über Rassenmerkmale aufgestellt worden, sogenannte Körformeln. Gerne werden Bienen als die ältesten «Haustiere» des Menschen genannt. Das ist insofern falsch, da die Honigbiene - im Gegensatz zum Maulbeerseidenspinner - fähig ist, ihr Leben ohne menschliche Pflege zu fristen, also ein «Wildtier» geblieben ist. Der Imker muss sich deshalb umso mehr in die Gesetze des Bienenlebens einfühlen. In den hochindustrialisierten Ländern können allerdings Bienenvölker unter den heutigen veränderten Trachtbedingungen kaum ohne Imkerbetreuung überleben.

Aus "Insektenkurier", Heft 33 
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

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