Das Bienenvolk
Imkerphilatelie - Teil 5

Ein Bienenvolk kann mit einem Staat verglichen werden, dessen Lebewesen einzeln nicht existieren könnten. Fortpflanzung und Entwicklung, Nestbau und Überwinterung sind nur durch streng geregelte Ordnung und harmonische Wechselbeziehungen möglich. Im Volk leben etwa 12.000 bis 16.000 Individuen; unter günstigen Voraussetzungen können es im Mai und Juni über 30.000 sein. Den Haupthorst bilden die Arbeitsbienen, sommers über aber auch einige hundert Drohnen. Dazu kommen einige tausend Eier, Larven und Puppen und natürlich das einzige funktionelle Geschlechtsweibchen: die Königin. 

Die Bienenkönigin erreicht eine Größe bis 25 mm. Nach Art ihrer Entstehung wird zwischen Schwärm-, Nachschaffungs- und Zuchtkönigin unterschieden. Die Schwarmkönigin entwickelt sich aus einem Ei, das die Königinmutter in ein Weiselnäpfchen am Rande der Brutwabe ablegt. Die Nachschaffungskönigin kommt aus einer Arbeiterinnenzelle, die nachträglich in eine hängende Königinnenzelle umgeformt wurde. Für Zuchtköniginnen entnimmt der Züchter ein- bis zweitägige Larven, die er in einem weisellosen Erziehungsvolk hegen und pflegen lässt. Königinnenlarven werden ausschließlich mit Weiselfuttersaft ernährt. Eine Arbeiterinnenlarve, die über drei Tage mit Pollen gefüttert wurde, kann nicht mehr zur Königinnenlarve umgestimmt werden. Die Entwicklungszeit der Königin dauert nur 17 Tage. Wenn zwei Königinnen gleichzeitig schlüpfen, beginnt ein Kampf um Leben und Tod. Wenige Tage später begibt sich die junge Königin auf Hochzeitsflüge und wird von 8-10 Drohnen begattet. Ihre Lebensaufgabe besteht nun im Eier legen, während der Hauptbrutzeit bis 2.500 täglich. Durch die Mehrfachpaarung entstehen Stiefgeschwistergruppen. Die Königin ist unselbständig und wird von Pflegebienen fortlaufend gefüttert. Bienenköniginnen erreichen ein Alter von 3-5 Jahren. Die Drohnen sind die männlichen Geschlechtstiere und haben den Zweck, die Königin zu begatten. Sie beteiligen sich nicht am Stockleben; es fehlen ihnen auch die Organe zum Sammeln von Nektar und Pollen. 

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Ei bis Puppe
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Königin
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Arbeiterin
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Drohne

Sind alle Königinnen begattet, reichen die Weibchen den Drohnen kein Futter mehr und werfen sie beim Flugloch hinaus. Nur weisellose Völker halten sie bis zum Herbst, mitunter sogar den Winter durch. Drohnen haben keinen Stachel zur Verteidigung. Ihre Entwicklungszeit ist lang: 24 Tage, ihre Lebensdauer beträgt nur einige Wochen. Die Arbeitsbiene entsteht aus einem befruchteten Ei. Nach drei Tagen schlüpft die Made, die von Ammenbienen sechs Tage lang mit Futtersaft, Honig und Pollen gefüttert wird. Baubienen verschließen dann die Zelle mit einem luftdurchlässigen Deckel aus Wachs. 

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Biene beim
Verdeckeln von Zellen

Die Rundmade wandelt sich zur Streckmade und später zur Puppe. Am 21. Tag nach der Eiablage durchnagt die ausgewachsene Biene den Zelldeckel und hat dann der Reihe nach folgende Funktionen: hält Zellen rein, erwärmt die Brut durch dichtes Belagern, füttert die Larven, nimmt Nektar ab zur Verarbeitung und Speicherung, putzt den Stock, pflegt die Königin, wird Wachsbiene, und vom 21. Tag an seit dem Schlüpfen aus der Zelle wird sie Sammelbiene. 

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Königin mit Hofstaat

Die Lebensdauer ist der großen Arbeit wegen recht kurz: im Sommer 4-5 Wochen als erwachsene Biene. Arbeiterinnen, die im Herbst schlüpfen, leben 6-9 Monate. Die Ursache der längeren Lebenserwartung ist eine körperliche Reserve von Fett und Eiweiß. Der Ablauf der wesentlichsten Lebensvorgänge im Bienenvolk ist von einer altersunterschiedlichen Entwicklung und Funktion einzelner Organe seiner Insassen abhängig. Das hat zur Folge, dass unter den Bienen zum Nutzen des Volksganzen eine - wenn auch nicht starre - äußerst zweckmäßige Arbeitsteilung herrscht.


Sammelbiene

Maßgebend ist aber nicht nur das Alter der Biene, sondern noch mehr das Bedürfnis des Volkes. Wenn es nötig oder nützlich erscheint, fliegen auch schon jüngere Bienen auf Tracht, und ältere kehren zum Ammen- und Baudienst zurück, denn ihre Drüsen werden wieder funktionsfähig. Immerhin gilt als Anhaltspunkt für den Imker: 6 Wochen nach der Eiablage kommt die Biene als Sammlerin in Frage. So kann der Imker leistungsfähige Völker für die Trachtzeit vorsehen.

Aus "Insektenkurier", Heft 33 
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

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