Der Wabenbau
Imkerphilatelie - Teil 6

Die sechseckigen Zellen der Bienenwabe sind Bauwerke von höchster Präzision. Termiten und Ameisen führen ihren Bau aus Erde und Pflanzenteilen aus, Wespen stellen aus Holz und Speichel Papier her für ihren Nestbau, die Honigbienen hingegen produzieren ihr Baumaterial im eigenen Körper, in den acht Wachsdrüsen. Diese liegen paarig auf vier Bauchschuppen. Das flüssige Wachs wird ausgeschwitzt und erhärtet an der Luft zu feinen Wachsplättchen. Hunderte von Baubienen nehmen die Wachsplättchen mit den Füssen auf, kauen sie und tragen das mit Speichel vermengte Wachs auf den Bauteil auf. Durch die zahlreichen Bienenkörper entsteht eine konstante Temperatur von 35°C, die ideale Temperatur, um Wachs zu verarbeiten.

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Schon viele haben sich Gedanken darüber gemacht, wie die Bienen ihre Wabe so zweckmäßig in Sechsecken baut, also mit größter Raumersparnis und zudem zweiseitig mit gemeinsamer Mittelwand, also mit kleinstem Materialaufwand. Sechseckig bauen auch die Wespen und einige Arten stachelloser Bienen, aber ihre waagrechten Waben haben nur auf der Unterseite Zellen. Die Bienenwaben hängen senkrecht im Stock.

Wenn wir etwas bauen wollen, brauchen wir Metermass, Senkblei und Wasserwaage. Die Bienen haben diese Instrumente eingebaut. Der Durchmesser der Zelle entspricht der Länge ihrer Vorderbeine, ähnlich wie ein Ellenmaß der Unterarmlänge des Schneiders entsprach. Die Dicke der Zellwände wird in einem komplizierten Zusammenspiel der Mundwerkzeuge und Fühler kontrolliert. Für die richtige Winkellage der Zellen sorgen spezielle Sinnesborsten am Hinterkopf.

Wie exakt dieses Instrumentarium funktioniert, geht aus der Präzision der Arbeiterinnenzellen hervor, die Aufzucht von Arbeiterinnenbrut und zur Speicherung von Honig und Polen dienen: Zelldurchmesser von Wand zu Wand 5,37 mm, Zellwanddicke 73 Tausendstel Millimeter, Zelltiefe 12 mm. Auf 1 dm2 Arbeiterwabe gehen beidseits je 400 Zellen. Eine Brutwabe im Normalmass von 7 dm2 Fläche liefert, wenn sie von oben bis unten für Brut ausgenützt ist, was selten vorkommt, 5.600 Bienen (7 x 400 x 2). Das zart erscheinende Wachsgebilde fasst auf 3 dm2 1kg Honig, eine Normalmasswabe hat demnach in den oberen Zellen über 2 kg Honig zu tragen. Es gibt aber in der Natur wie in der praktischen Imkerei Waben, die wesentlich höher sind und mehr Honig fassen. Die Größe der Wabenrähmchen hängt von der Betriebsweise und von der Art des Trachtangebotes ab.

Die Baubienen stellen aber nicht nur Arbeiterinnenzellen her, sondern auch eine geringe Anzahl Drohnenzellen von 12 mm Tiefe und einem Durchmesser von 6,91 mm. Unter normalen Umständen werden Drohnenzellen stets an den Randpartien, vor allem am unteren Teil der Waben erbaut, im Anschluss an die Arbeiterinnenzellen, und zwar mit diesen durch Übergangszellen verbunden. Im Bedarfsfall werden noch Weiselnäpfchen errichtet, die zu Königinnenzellen erweitert werden. Auch sie entstehen in der Regel an den Randpartien des Wabengebäudes und sind im Gegensatz zu den übrigen Zellen mit der Öffnung nach unten gerichtet.

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Da man den Bienen keine hohe Intelligenz und keine ausgeklügelten mathematischen Kenntnisse zuschreiben kann, muss man ihre Kunst des Wabenbaus bzw. ihr Instinkt bewundern. Wenn man als Maßstab für die Zellgröße den Körperumfang der bauenden Biene annimmt, dann versagt das schon beim Drohnenbau und erst recht beim Bau der ganz aus dem Rahmen fallenden eichelförmigen Weiselzellen.

Aus "Insektenkurier", Heft 34 
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

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