Phänomen Schwärmen
Imkerphilatelie - Teil 7

Grundsätzlich handelt es sich beim Schwärmen um die natürliche Vermehrung des Bienenvolkes. Trotz vieler Untersuchungen und Beobachtungen bleibt jedoch das Schwarmgeschehen immer noch ein Phänomen der Natur.

Wenn ein Volk anfangs Sommer stark genug geworden ist, verlassen mit der alten Königin etwa die Hälfte der Bienen - 5.000 bis 15.000 - aller Altersstufen als Schwarm den Stock. Etwa sieben Tage vor dem Schlüpfen der ersten Jungkönigin, d.h. wenn die Königinnenzellen verdeckelt sind, schickt sich schon ein Teil des Volkes zum Schwärmen an. Eine große Unruhe kommt plötzlich auf, und mit Schwirrläufen lösen bestimmte Bienen im Stock den Aufbruch zum Schwarm aus. In der Regel setzt sich der waagrecht fliegende Schwarm nicht weit vom Stock entfernt an einen Baumast, einen Mauervorsprung oder dergleichen. Die Schwarmbienen werden von der Königin mit ihrem Stachelkammer-Pheromon gelockt und fügen sich zur typischen Schwarmtraube zusammen.

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Nachdem sich der Schwärm niedergesetzt hat, finden schon bald die ersten Tänzerinnen auf der Traube ein, sie sogenannten Spurbienen. Sie haben Ausschau gehalten nach geeigneten Nistplätzen, und jede wirbt für ihren Fund. Mit Schwänzeltanzen wie bei der Werbung für Futterquellen melden die Kundschafterbienen Entfernung, Richtung und Qualität geeigneter «Wohnungen». Kundschafter, die eine weniger überzeugende Wohnung gefunden haben, inspizieren auch die Quartiere von anderen Kundschaftern. So kann es Stunden oder gar Tage dauern, bis sich die Spurbienen auf die beste Wohngelegenheit einigen. Durch Schwirrläufe geben dann Spurbienen das Signal zum Aufbruch der Schwarmtraube. Königin und Bienen folgen darauf unter Bildung einer Bienenstrasse in Richtung des neuen Nistplatzes. Im zurückgebliebenen Restvolk schlüpft inzwischen die erste junge Königin und beginnt nach dem Hochzeitsflug mit der Eiablage. Vorher sticht sie die anderen jungen Königinnen in ihren Zellen ab, außer Arbeiterinnen schützen solche, was zur weiteren Teilung bei sehr starken Völkern führt, indem die Erstgeborene mit dem Nachschwarm auszieht. Die nächste schlüpfende Königin übernimmt dann das Volk und tötet ihre Rivalinnen. Falls die Arbeiterinnen dies nicht verhindern, kann ein zweiter oder dritter Nachschwarm das Volk verlassen.

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Da beim Schwärmen das Muttervolk geschwächt wird, zumal die Schwärme auch einen Teil der Honigvorräte mitnehmen, versucht der Imker mit vielerlei Maßnahmen das Schwärmen zu verhindern. Das gelingt etwa in schwarmarmen Jahren und bei Völkern, die ohnehin nicht schwarmlustig veranlagt sind. Ansonsten versucht er wenigstens, den abgegangenen Schwärm mit der Schwarmkiste einzufangen. Höhepunkt der Schwarmbildung ist Mitte Juni; Nachschwärme gibt es bis in den September.

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Das Schwärmen zeigt auch, wie sich die Honigbienen ganz neue Areale erschließen würden: Dachgeschosse, Balkone, Kamine, Hohlräume an Gebäuden, an oder in Häusern, an Mauern, Masten und Baugerüsten, in Lüftungsschächten und Kanalschächten usw., was zahlreiche Feuerwehreinsätze verursacht. Etwa zwei Drittel aller Schwärme werden jedoch im Vegetationsbereich geborgen, noch bevor sie ihre erwähnten «geeigneten» Quartiere annehmen können.

Aus "Insektenkurier", Heft 34 
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

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