Die Honigtracht
Imkerphilatelie - Teil 9

Bienen und Brut ernähren sich ausschließlich von pflanzlichen Produkten: zuckerhaltige Säfte (Nektar, Honigtau) und Blütenstaub (Pollen). Kohlenhydrate stammen aus Nektar und Honigtau; Eiweißstoffe, Vitamine und Mineralstoffe aus den Pollen. Die wichtigsten Futterquellen sind die Samenpflanzen. Bedecktsamige Pflanzen sind Nektar- und Pollenquelle für Honigbiene und viele andere Insekten. Nacktsamtige Pflanzen sind vor allem bekannt als Honigtauquelle, teils auch als Pollenspender. Die Pflanzenwelt, die den Bienen im Fluggebiet zur Verfügung steht, wird als Bienenweide bezeichnet. Zur Bienenweide gehören Wiesen, Wälder, Hecken, Obstbäume, landwirtschaftliche Kulturen, Gärten, aber auch große Bestände wildwachsender Blütenpflanzen. Die ausgiebigsten Bienenweiden sind Obstbau- und Rapsgebiete, im Sommer Kleefelder und Tannen- und Fichtenwälder. Allgemein gilt der Frühling und Vorsommer als Haupttrachtzeit.

imkerp44.jpg (10690 Byte)   imkerp44a.jpg (10154 Byte)

Tracht der Bienen nennt man, was die Biene in den Stock einträgt. Allgemeine Trachten sind die Früh-, Sommer- und Spättracht. Je nach Gegend dominieren Spezialtrachten, zum Beispiel Berg-, Kulturpflanzen-, Stadttracht sowie Trachten aus Ödland, Dünen, Sumpf, Moor, Heide. Zu weit entlegene Trachtgebiete bringen keine guten Erträge, deshalb fährt der Imker mit den Bienen zu den Haupttrachtpflanzen. Pflanzen von sehr großer wirtschaftlich imkerlicher Bedeutung sind solche, die sich durch hohes Nektarpotential auszeichnen, große Flächen bedecken und jährlich bedeutende Trachten ermöglichen. Pflanzen von kleiner wirt­schaftlicher Bedeutung sind diejenigen, die häufig Nektar- und Pollentrachten für die Erhaltung der Bienenvölker, aber keine Produktionstrachten liefern.

imkerp45.jpg (9437 Byte)   imkerp46.jpg (9743 Byte)

Das Nahrungsangebot der Blüten unterliegt nach Qualität und Quantität regelmäßigen tageszeitlichen Schwankungen. Heimkehrende Trachtbienen zeigen mit Schwänzeltänzen ihren Sammlerbienen im Stock Richtung und Entfernung von guten Futterplätzen. Das Rätsel der Bienentänze konnte der Öster­reicher Prof. Karl v. Frisch lösen. Bienen vermeiden nämlich unnötige Flüge, befliegen jedoch zwei oder mehrere Trachtquellen.

Gerade zur Blütezeit der Obstbäume stehen den Bienen viele andere Angebote zur Verfügung wie Raps, Weiden, Löwenzahn. Einseitige Obstsortenhonige sind deshalb auf die großen Obstbaugebiete beschränkt, meist Apfel- oder Kirschenhonige. Zwischen den Pflanzenarten und oft auch zwischen den Kultursorten bestehen Unterschiede der Nektarsekretion in Bezug auf Menge, Zuckergehalt und Zuckerbild, folglich Attraktivitätsunterschiede bei gleichzeitig blühenden Arten. Dank der großen Verbreitung, der langen Blütezeit und der guten biologischen Wirksamkeit gehören Kleearten zu den besten Pollenquellen der Bienenvölker, Rotklee hauptsächlich der Carnica-Rasse mit dem längeren Rüssel.

imkerp47.jpg (12410 Byte)   imkerp48.jpg (11713 Byte)

Honigtau ist neben Nektar der zweite wichtige Rohstoff, aus dem die Bienen Honig bereiten. Honigtau ist keine direkte pflanzliche Absonderung, obwohl er ursprünglich aus der gleichen Quelle, dem Siebröhrensaft höherer Pflanzen, stammt. Beim Honigtau ist zwischen der Pflanze und dem Rohstoff sammelnden Insekt eine Zwischenstufe eingeschaltet. Honigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung pflanzensaugender Insekten, z.B. von Blatt- und Schildläusen (in Mitteleuropa Lachniden und Lecanien). So bieten Blüten von Ahorn, Linde, Edel- und Rosskastanie, Weide, Pflaume und Ackerbohne Nektar und Pollen; die Blätter dieser Pflanzen liefern danach eine von Bienen stark beflogene Honigtautracht.


Akazie -
Frühtracht / Stadttracht
imkerp50.jpg (13777 Byte)
Phacelia -
Spezialtracht

Espaesette -
Sommertracht

Esparette -
Sommertracht

Pollen bieten die Blüten von Birke, Buche, Pappel, Ulme, Eiche, Lärche, Fichte (Rottanne), Weißtanne, Kiefer (Föhre), Gräser und Getreide und danach teilweise Massentrachten an Honigtau. In einigen Waldgebieten Mitteleuropas hat sich eine spezielle «Waldimkerei» herausgebildet. Die einzelnen Stände sind oft beachtlich groß und liegen meist in den für Nadelhonigtau-Trachtgebieten typischen tiefeingeschnittenen Tälern gebirgiger Wälder. Es gibt aber nur selten Trachtmöglichkeiten, die am gleichen Platz rhythmisch wiederkehrt. Für Honigtautrachten ist der Jahreszyklus der Honigtau-Erzeuger und die Entwicklung dieser auf verschiedenen Baumarten und an unterschiedlichen Standorten maßgebend. 

imkerp53.jpg (5879 Byte)   imkerp54.jpg (6084 Byte)   imkerp55.jpg (5642 Byte)   imkerp56.jpg (6245 Byte)

Wo die Hügel bauenden Roten Waldameisen reichlich vorhanden sind, ist auch die Lachnixenhonigtautracht gut. Der Wald kann jedoch nicht nur Großtrachten aus Honigtau, sondern auch andere Trachtquellen bieten: im Frühling Pollen aus Weidenkätzchen, Pollen und Nektar aus Wildobst, Schlehe, Heidelbeere; im Frühsommer Faulbaum, Akazie, Ross- und Edelkastanie, Himbeere, Brombeere; im Hochsommer Pflanzen und Blumen der Waldlichtungen und Kahlschläge. Häufig ergibt die gleichzeitige oder kurzfristig anschließende Sammeltätigkeit aus Blüten- und Honigtautracht einen natürlichen Mischhonig, der besonders aromatisch und wohlschmeckend ist. Die heutigen «Kunstwälder» sind leider arm an Pollen spendenden Pflanzen, ganz besonders die Nadelwälder. Tracht in Stadtgebieten finden die Bienen vor allem in öffentlichen Gärten, Parkanlagen, Alleen, Schrebergärten und Friedhöfen. Stadtbienen bringen dem Imker besonders viel Ertrag, da es in städtischen Gärten von April bis Oktober fast ununterbrochen blüht.

Aus "Insektenkurier", Heft 35 
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

[ zurück zur Themen-Übersicht ]

Eine Seite zurück / one page back

      www.Bienenmarken.de     
Die Welt der Bienen auf Briefmarken
The world of bees on stamps

© 2004-2010 by TAURACHSOFT

zur Startseite / to the start