Blütenbestäubung
Imkerphilatelie - Teil 10

Bienen sind nicht nur Honigproduzenten. Bei nahezu allen Obst-, Beeren-, Futterfrucht- und Gemüsearten und vielen anderen Kulturpflanzen kommt es nur dann zum Fruchtansatz, wenn die Bestäubung durch Insekten gewährleistet ist. Die biologisch-ökologische Funktion der Bienen als Bestäuberinnen der Kulturpflanzen liegt wertmäßig mindestens zehnmal höher als die gesamte Honigproduktion. Bienen und Blüten sind im Verlauf der Evolution eine Symbiose eingegangen: Blüten locken mit Form, Größe, Farbe, Duft und Saftmale Bienen an und bieten ihnen Nahrung. Bienen ihrerseits sichern durch die Bestäubung die Fortpflanzung bzw. den Erhalt der Arten. Die Blütenpflanze mit ihren Lockmitteln ist bei der Pollenübertragung der passive Teil; das Insekt als aktiver Partner ist an den Produkten der Blüten als Futterquelle interessiert, die Blütenstaubübertragung geschieht dabei zufällig. 

Jeder Blütenbesuch führt zur Selbstbestäubung. Fremdbestäubung kommt nur vor, wenn das Insekt von einer Pflanze zur ändern fliegt, was selten vorkommt. Auch für die selbstfertilen Pflanzen ist der Bienenbeflug äußerst wichtig, dadurch wird die Bestäubung sicherer, der Ertrag gesteigert, und die Früchte werden größer und schöner. In subtropischen und tropischen Zonen belegen Pflanzer Mandel-, Orangen-, Grapefruit- und Baumwollplantagen während der Blütezeit mit Bienenvölkern. In den USA, in Kanada und auch in einigen europäischen Ländern ist Bienenvermietung an Landwirte zum vertraglich geregelten Geschäft geworden, besonders in Obstbaugegenden, in Samenzuchtgebieten und für Glashausgärtner.

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Blüten bieten den Bienen Nektar und Pollen, durch die Bestäubung wird dafür eine Pflanzenart erhalten

Welch große Bedeutung die Honigbiene auch in der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion hat, zeigte eine Untersuchung an der Universität für Bodenkultur in Wien. Dabei wurde der Ertrag von Sonnenblumen und Saflor - eine als Färberdistel bekannte Ölpflanze - mit und ohne Bienenbestäubung gemessen. Das verblüffende Ergebnis: Ohne Bienen kam es bei bestimmten Sonnenblumensorten zu Ertragseinbussen von mehr als 50 Prozent. Darüber hinaus hatten die Kerne von Sonnenblumen, die durch Bienen bestäubt wurden, einen signifikant höheren Ölgehalt. Honigbienen sind nicht die einzigen Bestäuberinsekten.

Schmetterlinge, Motten und besonders Fliegen bestäuben ebenfalls Blüten. Besser sind Einsiedlerbienen, erzeugen aber nur wenige Nachkommen. Hummeln sammeln Nektar und Pollen auf Vorrat und bestäuben Rotklee und Obstblüten. Bis aber die Hummelfamilie auf einige hundert Tiere angewachsen ist, sind die Obstbäume längst verblüht. Die Honigbiene geht als Volk durch den Winter und ist im Frühling zu einem Masseneinsatz für die Blütenbestäubung bereit, dank dem Lebensgesetz der Biene und dank imkerlicher Betreuungsarbeit. 


Zusammenspiel Bestäubung - Frucht

So ist die Honigbiene das einzige Insekt, auf das sich der Obstbauer für die Befruchtung seiner Bäume und Sträucher verlassen kann, denn 75-85% aller Blütenbesucher sind Bienen. Fliegt eine Biene pro Tag zehnmal aus und besucht je 20 Blüten, also 200 pro Tag, ergibt sich bei einem Volk von 50.000 Bienen (10.000 davon sind Sammlerinnen) eine Tagesleistung von 2 Millionen Blütenbesuchen. Eine weitere nützliche Eigenschaft der Biene ist die Blüten- und Ortstetigkeit. Bienen, die z.B. Apfelbäume befliegen, kehren immer wieder zur Äpfelblüte zurück, solange sie «Futter» spendet. Für die Befruchtung einer Obstanlage von einer Hektar genügen 3-5 Völker von je 30.000 Bienen.

Da der Bienenflug bei gewissen Witterungsbedingungen, insbesondere bei niedrigen Temperaturen und bei massigem Wind, eingeschränkt wird, ist der Standort der Bienenvölker entscheidend. Am sichersten sind Bienenstände direkt in den Anlagen. Der Flugradius der Bienen beträgt ohnehin meist nur 2-3 Kilometer. Kleinbienenstände, eventuell auch Wanderstände, ermöglichen selbst in siedlungsfernen Räumen eine intensive Bestäubung zur Zufriedenheit von Landwirt und Imker.

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Keine Biene besucht absichtlich eine Blume oder Blüte, die schon von einer anderen besetzt ist. Das Formen Sehen ist zwar etwa 100mal schlechter als das unsere. Nicht der Verlauf der Konturen, sondern der Grad der Auflösung einer Figur ist für Bienen das wichtigste Kennzeichen. Der Farbensinn ist gut entwickelt. Ultraviolettes Licht hat von allen wahrnehmbaren Farben die größte Reizwirksamkeit. Für uns gleichfarbig gelbe Blüten können für Bienen durch unterschiedliche Beimengungen von Ultraviolett leicht unterscheidbar sein. Für uns weiße Blüten sind für Bienen blaugrün, weil Weiß kein Ultraviolett reflektiert. Das Laub ist für sie fast farblos grau, so dass sich die Blumenfarben umso deutlicher herausheben. Bienen sind aber blind für Rot und teilweise Orange.

Die Reaktion auf Saftmale als Wegweiser zur Nahrungsquelle an den Blumen ist den Bienen angeboren. Setzt man Farbe und Duft in Konkurrenz, so orientieren sie sich nach der Farbe aus größerer Entfernung, während aus der Nähe der Duft für sie mehr Überzeugungskraft hat.

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Mag bei den Imkern die Gewinnung von Honig, Wachs und anderen Produkten im Vordergrund stehen, so schätzt jeder Landwirt, jeder Gärtner die Imkerei als Garant für die Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen, Voraussetzung für die Fruchtbildung. Hierfür sind starke Völker im Frühling zur Zeit der Kirschen- und Apfelblüte notwendig, denn gute Bestäubung bringt rascheren Fruchtansatz, zeitigere und einheitlichere Erträge und bei den Pflanzen mehr Samen.

Auch wenn die Biene keinen Honig brächte, müsste man Bienen halten, unter Umständen auf Staatskosten.

Aus "Insektenkurier", Heft 35 
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

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