Bienenschutz ist Umweltschutz
Imkerphilatelie - Teil 11

Die Erhaltung der Biene ist wichtiger als die Erhaltung aller sonst geschützten Tiere und Pflanzen. Mit der Biene würden viele Pflanzen aussterben und mit ihnen die pflanzenfressenden Tiere. Der Imker ist also der erste und wichtigste Naturschützer: er baut den Bienen Wohnungen und hilft ihnen mit Futter.

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Die höheren Honigerträge gegenüber früher gehen zum größten Teil auf modernere Betriebsweise und gezielte Zuchtarbeit zurück und täuschen über die aufgekommenen Trachtlücken zwischen Frühjahrsblüte (Löwenzahn, Obst, Raps) und der Frühsommertracht (Himbeere, Fichte, Eiche) hinweg. Diese Trachtlücken (grünes Land und grau­braune Rebberge), welche es früher nicht in diesem Ausmaß gegeben hat, sowie die fehlende Spätsommerblüte würden die Bienen ohne Unterstützung des Imkers nur schlecht überdauern. Auch eine Über­winterung der Bienenvölker ohne ausreichende Versorgung mit Winterfutter durch den Imker ist heute nahezu undenkbar. 

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Früher galt das Sprichwort: «Die Bienen und die Schaf ernähren den Bauer im Schlaf!» Seit Jahren aber spürt die Imkerei - früher als alle anderen landwirtschaftlichen Produktionssparten - die zunehmende Zerstörung der Landschaft. Es ist alarmierend, wenn Honigbienen, die mit ihrer Bestäuberrolle eine Schlüsselposition im Natur­haushalt innehaben, wegen mangelnder Nahrungsgrundlage und Wild­bienen wegen fehlender Nistplätze sich kaum mehr selbst erhalten können. Gebietsweise sind Imker gezwungen, in bessere Trachtgegenden zu wandern, weil der Wald bereits so stark geschädigt ist, dass eine bessere Honigtautracht nicht mehr zu erwarten ist. Aber auch vom ursprünglich reichhaltigen Nektar- und Blütenpollenangebot ist viel verschwunden, durch Ausräumung der Landschaft, frühere Klee- und Wiesenmahd, Entwässerungen, Flussregulierungen, Ausdehnung von Monokulturen, Gifteinsatz (Herbizide und Insektizide), Luft- und Gewässerverschmutzung sowie durch das Waldsterben.

  

Grünbrachen mit Klee, Phacelia, Sommerwicke, Bitterlupinen, Sonnenblumen würden lang dauernde gute Bienenweiden geben. Solche Grünbrachen, in überseeischen Agrarexportländern und in Deutschland staatlich finanziert, werden in Ländern mit Überschuss­problemen ernsthaft diskutiert. Politiker, welche die Land­wirtschaft steuern, sehen zum Teil ein, dass Grünbrachen wesentlich einfacher, ökologisch sinnvoller und den Staat weniger teuer zu stehen kämen als langfristige Einlagerungs- und horrende Markt- und Welthandel störende Verwertungskosten einerseits, flächenmäßige Anbaubeschränkung oder Produktionskontingentierung anderseits.

Honigbienen sind gegenüber Pestiziden so empfindlich wie andere Insekten. Vor allem aber werden Bienen und Brut durch lange aktive Insektizide vergiftet. Wohl sehen in Kulturländern Gesetze vor, dass nicht Insekten tötende Mittel in die offene Blüte gespritzt oder gestäubt werden darf, blühende Unkräuter vor der Spritzung zu entfernen und benachbarte Imker von der geplanten Spritzung rechtzeitig zu verständigen sind. Trotz allem lauern Gefahren der Umwelt: unsachgemäß angewandte Pflanzenschutzmittel, giftige Abgase, Verseuchung von Wasserläufen, Smog. Gefahren aus der Imkerei bestehen aus unsachgemäßer Desinfektion der Waben, übertriebener Heilmittelgaben, insekten tötende Mittel in und ums Bienenhaus. 

Biologische Schädlingsbekämpfung und integrierter Pflanzenschutz setzen sich heute leider auch bei uns noch längst nicht überall durch, geschweige denn in Entwicklungsländern. Umwelt- und Naturschützer sind den Imkern wohlgesinnt und haben in manchen Ländern auf höchster Ebene sich direkt oder indirekt für den Schutz der Biene eingesetzt. Eine Förderung der Bienenzucht ist heute um so dringender als die Imkerschaft infolge Überalterung schrumpft und die Entfremdung weiterer Bevölkerungsschichten von der Landwirtschaft zunimmt. Bienenzüchter appellieren an alle, die Vegetationsvielfalt mit allen Mitteln zu fördern, sei es im Rahmen der Naturgartenbewegung im Siedlungsbereich oder durch die Wiedergewinnung neuer Lebensräume in Form von Hecken, Feldgehölzen, Blumenwiesen. 

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In vielen Ortsgruppen pflanzt man Hecken und fördert die Frühlingstracht durch Pflanzen von Salweide und schützt die Weidenkätzchen. Knapp ist aber vor allem das Sommer- und Herbstangebot an Trachtpflanzen. Ein Appell geht an die Landwirte, Trockenrasen und Heumatten zu erhalten, Äcker- und Wiesenränder blühen zu lassen, öde Flecken zu dulden und neue Ausgleichsflächen zwischen den intensiv bewirtschafteten Gebieten zu schaffen. Aber auch im kleinen Garten kann man das Trachtpflanzenangebot aufbessern. Die blau blühende Phacelia mit dem deutschen Namen Büschelschön ist an sonnigen Tagen über und über von Bienen und Hummeln umsurrt. Vor allem in historisch gewachsenen Kulturlandschaften sollte die Flurbereinigung im herkömmlichen Sinne eingestellt werden. Waldränder, Hohlwege, Feldraine müssten als Pufferzone neben den Monokulturen stehen bleiben. Auwälder und Trockenwälder gilt es zu erhalten. Magerwiesen sollten nicht aufgeforstet, Waldwege nicht asphaltiert, Waldwegränder höchstens einmal im Jahr gemäht werden. Nicht noch mehr Fliessgewässer dürfen begradigt und mit künstlichen Uferbefestigungen versehen werden. Voll wirksam werden können diese empfohlenen Maßnahmen allerdings erst in Kooperation mit den Verbänden, vor allem mit den politischen Institutionen.

Aus "Insektenkurier", Heft 36 
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

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