Bienenschädlinge und Bienenfeinde
Imkerphilatelie - Teil 12

Die Biene hat mehr Feinde und verschiedenartigere als ein anderes Geschöpf. Die meisten werden aus Honiggier zu Feinden, denn die Bienennahrung weckt die Gier anderer. Unter den Insekten gibt es mehrere, die Bienen unterdrücken, überfallen, berauben, töten.

Paradoxerweise ist die Biene sich selbst der schlimmste Feind. Selbstlos und «getreu bis in den Tod», wenn es ums eigene Volk geht, greift die Biene andere Völker in der verächtlichen Absicht an, zu rauben und tötet sie, nicht etwa um ihrer selbst willen, sondern im Interesse der gemeinschaftlichen Vorräte ihres Staates. Bienen sind die reinlichsten aller Geschöpfe, sie sind aber keineswegs immun gegen Parasiten. Die Wespe - nützlich weil sie den Sauerwurm in den Reben dezimiert und Kadaver aufräumt - ist in Wespenjahren und nach trockenen Sommern der gefürchtetste Feind. Frühmorgens klaut sie Honig aus den Bienenwaben. Kann sie keinen Honig von den Waben stehlen, verschafft sie ihn tags von heimkehrenden Trachtbienen am Flugloch, indem sie die Bienen entzwei beißt und mit dem Honig gefüllten Leib davonfliegt.


Wespe - die gelbe Gefahr
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Verteidigung des Bienenstocks

Hornissen fangen Bienen im Flug

In den Buchenwäldern Neuseelands hat sich die aggressive Gemeine Wespe so gut etabliert, dass sie dort zum Schädling geworden ist. Sie saugt nämlich den Honigtau von den Wachsröhren der Schildläuse ab, und zwar schon, wenn die Tröpf­chen noch ganz klein sind.  Dadurch wird den Honigtau fressenden Vögeln die Nahrungsbasis entzogen, während die Honigbienen in mehrfacher Hinsicht das Nachsehen haben. Einmal finden sie heute parallel zur Explosion der Wespenpopulation wesentlich weniger Honigtau als zuvor. Auch werden sie von den Wespen angegriffen und nicht selten getötet. Schließlich überfallen Wespen sogar Bienenstöcke, um den dort gespeicherten Honig zu stehlen. Darauf reagieren die Bienenvölker mit einer massiven Verstärkung des Wachdienstes; dann können aber weniger Bienen ausfliegen, und die Honigproduktion nimmt noch weiter ab. In den Mittelmeerländern werden Hornissen bei starker Verbreitung zu einer großen Gefahr für die Imkerei. Gegenüber einem massiven Hornissenangriff ist auch ein starkes Bienenvolk machtlos.

Die Große und die Kleine Wachsmotte (Galleria mellonella) und (Achroea grisella) - zwei Schmetterlingsarten - sind weit verbreitet und gelten wirtschaftlich als die gefährlichsten Schädlinge der Imkerei. Ihre gefräßigen Raupen vernichten große Mengen von Wachs und Waben. Meist tritt in einem Bienenstand nur eine der beiden Arten auf.

Totenkopffalter sind Honigräuber

Rote Waldameise
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Bienenwolf

Der Bienenwolf (Philantus triangulum) - eine Grabwespe - ist ein Bienenräuber. Bienenwolfweibchen befallen fliegende oder auf Blüten sitzende Bienen und lähmen sie mit einem Stich für die Ernährung ihrer Larven in den unterirdischen Brutkammern.

Verschiedene Ameisenarten können in den Bienenvölkern, in den Bienenkästen und im Bienenhaus recht unangenehm werden, weil sie wie die Bienen Süßstoffen nachgehen. Sie sind keine unmittelbaren Feinde. Wo viele Bauten der Grossen Roten Waldameise vorhanden sind, können diese Waldbienenstände überfallen und die Bienen zum Ausziehen zwingen. Anderseits ist die Grosse Rote Waldameise für die Bienenhaltung von Bedeutung, weil sie die auf Fichten und Tannen lebenden Honigtau spendenden Rindenläuse pflegt.

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Der Totenkopffalter (Acherontia atropos) ist ein Honigräuber, kann sich aber oft nicht wieder zum Flugloch herausdrängen und wird dann von den Bienen getötet. Die Bienenlaus (Braula coeca) ist kein eigentlicher Schmarotzer, sondern ein Mitesser. Ihr Name ist irreführend, sie gehört zu den Fliegen, obwohl flügellos. Die Bienenlaus überwintert im Bienenvolk, und im Frühjahr legen die Weibchen die Eier auf die Innenseite der Honigdeckel. Die daraus schlüpfenden Maden entwickeln sich in den Zelldeckeln, Zell- und Mittelwänden und ernähren sich von Wachs. Die erwachsene Bienenlaus befällt die Arbeiterinnen, bezieht ihre Nahrung von der Zunge der Biene, wenn diese sie ausstreckt oder wenn sie die Brut ernährt. Bei starkem Befall der Königin leidet ihre Legetätigkeit.

Einigen Spinnenarten gelingt es, mit ihren Netzen gelegentlich Bienen abzufangen. Die Spinne lähmt die Biene im Netz zwischen Brombeerranken, und eine Art Krabbenspinne versteckt sich in Blumen und tötet die Biene mit einem Biss. Vögel und Libellen fangen mitunter Bienen im Flug. Spechte picken zuweilen Löcher in Bienenkästen, besonders im Spätwinter und bei Freiaufstellung. Haus- und Spitzmäuse suchen den Bienenstock gerne auf, wo sie im Winter über Honig, Bienen und Wachs herfallen. Im Sommer gelingt es den Bienen, die Mäuse am Eindringen zu hindern.


Spinnen lähmen Bienen im Netz


Mäuse dringen oft in Bienenstöcke ein

Libellen fangen mitunter Bienen

Spechte picken Löcher in Holzbeuten

Verheerend ist die seit Mitte der siebziger Jahre aus Asien eingeschleppte Varroa-Seuche. Die etwa 1,6 mm große Milbe (Varroa jacobsonii), erstmals aufgetaucht 1907 in Java, ist ein Parasit, der an den Bienen Blut saugt. Die Hauptgefahr ist aber die Übertragung von Viren und Bakterien. Überträger sind die Drohnen, die zum Übernachten auch in fremden Völkern Einlass finden, sowie die Wanderimkerei. Varroa-Milben schmarotzen vor allem an der Bienenbrut, verkrüppeln die heranwachsenden Bienen oder saugen sie aus. Die Milbe wird erst etwa drei Jahre nach dem Befall festgestellt.

Trotz guter Pflege, größter Reinlichkeit und zweckmäßiger Beuten können parasitäre und bazilläre Krankheiten entstehen wie etwa bei der Nosema oder Darmseuche (Milbenkrankheit, Milbenseuche). Weitere Krankheiten: Ruhr (Durchfall), Maikrankheit (Verstopfung), Schwarzsucht. Die Brut kann von Pilzen (Steinbrut und Kalkbrut), Bakterien (Bösartige Faulbrut und Gutartige Faulbrut) und Viren (Sackbrut) befallen werden.

Aus "Insektenkurier", Heft 36 
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

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