Blüten- und Honigtauhonig
Imkerphilatelie - Teil 14

Es gibt keine Honigart, die völlig einer anderen gleicht. Man kann aus den im Honig enthaltenen Pollen seine Herkunft von den Pflanzen und damit auch vielfach das Land seiner Erzeugung bestimmen. Das ist wichtig für den Nachweis der widerrechtlichen Mischung von einheimischem mit billigem Auslandhonig.

«Biene gib mir Honig!» ist nicht nur eine berühmte Clownnummer, sondern auch der Wunsch jeden Imkers. Abhängig von der Tracht, dem Klima und der Bodenbeschaffenheit ist Honig so verschieden, dass man nicht von Honig, sondern von Honigen reden muss. Durch die in verschiedenen Höhenlagen und unterschiedlichen Vegetationsbedingungen befindlichen Völkerstand­orte lassen sich viele Sortenhonige gewinnen. Je nach Herkunft des Rohstoffs gibt es zwei Arten: Blütenhonig, der auf reinen Nektar zurückgeht, und Honigtauhonig, der aus dem durch die Pflan­zensauger erzeugten Honigtau gebildet wird. Honigtauhonig, der Blatt-, Nadel- und Waldhonig einschließt, hat ein bedeutend höherer Dextrinwert als Blütenhonig. Meist ist Waldhonig auch reicher an Mineralstoffen. In Österreich wie auch in der Schweiz gibt es mehr Honigtauhonig als Blütenhonig.

Lindenblütenhonig erkennt man an seiner grünlichgelben Farbe und seinem kräftigen Geschmack. Kleehonig ist hellgelb bis rötlichgelb und zart bis würzig. Rapshonig ist hellgelb bis beigefarbig und schmeckt süß und mild. Obstblütenhonig kann hellgelb bis braung­elb sein, und oft ist der Geschmack der verschiedenen Obstsorten deutlich erkennbar. Heidehonig, teilweise stark aromatisch, zuweilen auch herb im Geschmack, ist leicht hellgelb bis rotbraun. Edelkastanien-Blütenhonig ist rotbraun und herb. Sehr hell sind Himbeeren-, Alpenrosen- und Robinienhonige. Von gelber Farbe ist der Löwenzahnhonig, der intensiv und fruchtig schmeckt. Würzig schmeckt Honigtauhonig, vorwiegend Weißtannenhonig, der sich auch farblich stark von Blütenhonig unterscheidet, er kann rotbraun bis schwarzbraun werden. Rottannenhonige sind rotbraun, Blatthonige von Laubbäumen graubraun. Während der Kristallisation ändert der Honig seine Farbe. Kandierte Honige sind meist heller als flüssige.

Alle Honigtauhonige können rein nur in Massentrachtjahren geerntet werden, selbst dann sind Blatthonige meist mit Nektarhonigen vermischt.

Wo keine ausgeprägten Monokulturen vorhanden sind, gibt es einen durch ein ausgewogenes Aroma abgerundeten Mischhonig von ver­schiedenen Blüten- und Honigtauhonigen. Honigbezeichnungen heißen dann etwa: «Blüten und Wald» (mit Honigtau-Beimengung) und «Wald und Blüte» (mit Blütennektar-Beimengungen).

Gebirgsblütenhonig stammt aus den Tallagen der Gebirge, haupt­sächlich aus Nektar von Löwenzahn, Obstblüte, Ahorn und Himbeere. Dieser Honig ist sehr würzig, von gelblicher Farbe und kandiert innerhalb weniger Wochen nach der Schleuderung. Hochgebirgsblütenhonig kommt aus Hochlagen über 1.000 m, stammt hauptsächlich aus Nektar von Alpendost, Alpenrose, Disteln, Preisel- und Himbeeren und verschiedenen Gebirgspflanzen. Dieser Qualitätshonig ist hocharomatisch, von durchscheinender gelblicher Farbe und ziemlich teuer. Gebirgswaldhonig entspricht hauptsächlich Honigtauhonig von der Fichte und Tanne der Gebirgslagen. Er ist zähflüssig, von durch­scheinend rötlichbrauner bis schwarzer Färbung. Hochgebirgswaldhonig kommt hauptsächlich von der Lärche und hat einen spezifischen, malzartigen Eigengeschmack. Er ist der vom Imker gefürchtete Zementhonig, der nur schwer schleuderbar ist. 

Honig aus unserem mitteleuropäischen massigen Trachtangebot ist fermentreicher als solcher aus Agrarmonokulturen-Massentracht von südlicheren und überseeischen Gebieten. Denn bei reicher Tracht kommen die Drüsen der Bienen nicht genügend nach in der Fermenterzeugung. Auslandhonige können auch gefiltert sein, so dass wertvolle Bestandteile fehlen. Viele Bienenhonig-Liebhaber kaufen deshalb nur von ihrem Vertrauensimker. Manchmal aber kann man durch den Konsum von ausländischen Produkten einen wichtigen Solidaritätsbeitrag zugunsten von Menschen in der Dritten Welt leisten. Am Beispiel von Honig aus Mittel- und Südamerika will Caritas Schweiz deutlich machen, wie ein gerechter Handel mit der Dritten Welt funktionieren kann. Die wachsende Beliebtheit dieser Honigsorten zeigt, dass sich das Prädikat «ausländisch» sehr wohl mit guter Qualität verträgt.

Aus "Insektenkurier", Heft 37 
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

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