Er war Berater von Päpsten
und Fürsten seiner Zeit; in zündenden Predigten rief er zum zweiten
Kreuzzug auf; seine Mystik wirkte bestimmend auf das ganze Mittelalter;
sein Einfluß auf Predigt und geistliches Leben reichte bis in die
Neuzeit: Bernhard von Clairvaux. Von seinen späteren Bewunderern wurde er
«Doctor mellifluus» genannt, honigfließender Lehrer.
Bernhard wurde 1090 als
Sproß einer burgundischen Adelsfamilie in Fontaines bei Dijon geboren.
Nach der Grundausbildung bei den Stiftsherren von Cutillon-sur-Seine trat
er 1112 zusammen mit 30 Gesinnungsgenossen in das Reformkloster Citeaux
ein. Dieses Kloster wurde am 21. März 1098 in einem damals einsamem,
sumpfigem Waldgelände gegründet. Heuer (1998) feiert Citeaux das
900-Jahr-Jubiäum mit vielen Kolloquien, Ausstellungen und anderen
Veranstaltungen.
Von dieser Wiege des
Zisterzienerordens aus sandte man 1115 Bernhard als Abt mit 12 Mönchen
nach Clairvaux, um dort ein Kloster zu gründen. Auf Grund von Bernhards
starker und gewinnender Persönlichkeit wuchs diese Neugründung so rasch,
daß noch zu seinen Lebzeiten von Clairvaux aus 68 Tochterklöster gegründet
wurden.
Für Bernhard begann die
Wahrheitserkenntnis nicht im Intellekt, sondern in der Demut, die die
Eigeninteressen des Menschen aufhebt und ihn so öffnet zum Vernehmen
der Wahrheit. Glaube und Hingabe zu Christus erschienen Bernhard
wichtiger als theologische Realität.
Bernhard war ein begeisternder Redner.
Als Prediger übte er weit über den Klosterbereich hinaus großen
Einfluß auf seine Zeitgenossen aus. Auf Bitten Papst Eugens III. warb
er in Westeuropa für den zweiten Kreuzzug (1147-1149) und gewann dafür
sowohl den französischen wie den deutschen König. Wegen seines großen
Einflusses auf das kirchliche und politische Leben nennt man in der
Kirchengeschichte die Zeit von 1120-1153 das «Bernhardinische Zeitalter».
Die Zeugen jener Zeit sind im Burgund, in ganz Frankreich, aber auch darüber
hinaus zu bewundern. In der Schweiz entstanden zwischen 1124 und 1227
neun Zisterzienser-Männerklöster, die bis Mitte 19. Jh. aufgehoben
wurden. Das Kloster Wettingen wurde 1854 in Mehrerau bei Bregenz am
Bodensee wieder eröffnet.

Die katholische Kirche feiert Bernhard
von Clairvaux als Heiligen und hat ihm den Rang eines Kirchenlehrers
verliehen. Abt Bernhard starb 1153 in Clairvaux. Von seinen Werken sind
fast 900 Handschriften vorhanden. Durch die Macht seiner Persönlichkeit,
die Lauterkeit seines Wesens, die Kraft seiner Frömmigkeit und
Marienverehrung und durch seine Beredsamkeit wurde er sinnbildlich mit
Bienen und Honig in Verbindung gebracht. Bienen galten ja als Symbol der
Beredsamkeit und Weisheit. Oft wird er mit einem Bienenkorb dargestellt
und gilt deshalb vielerorts als Patron der Imker wie zwei andere große
Kirchenlehrer: Ambrosius und Johannes Chrysostomus.
Aus
"Insektenkurier", Heft 56
mit freundliche Genehmigung der ArGe "Entomologie"