Phantasiemarken, Schwindelausgaben, Inselpost


Ein Blick in die Welt der "Cinderellas"


Beispiel: "Liegerland"

Die Frage, wie man den Sammlern viel Geld aus der Tasche ziehen kann, beschäftigt nicht nur die großen und kleinen Postverwaltungen, sondern auch Betrüger und Spekulanten. Vor allem in den sechziger Jahren, als durch Unabhängigkeitsbewegungen in Afrika und Asien neue Länder entstanden oder entstehen wollten, hatten sie ihre große Chance.

Neue Länder haben gern so schnell wie möglich eigene Briefmarken, um damit ihre Hoheitsrechte zu "beweisen". Außerdem kann man bei Sammlern mit dem bedruckten Papier viel Geld verdienen, ohne (durch Postbeförderung) etwas leisten zu müssen.


So tauchten 1954 bei der Wiener Staatsdruckerei ein paar Herren auf, darunter ein deutscher Briefmarkenhändler, die Marken für die neue REPUBLIK MALUKU SELATAN gedruckt haben wollten. Diese Republik war tatsächlich auf den indonesischen Molukken - Inseln Ambon und Ceram ausgerufen worden, deren christliche Einwohner nicht mehr zur islamischen Republik Indonesien gehören wollten. Die Republik bestand nur kurz, Kriegsschiffe beschossen Amboina, viele Einwohner flüchteten in die Niederlande. Für die Spekulanten war das natürlich nur ein Vorwand, denn sie ließen ca. 150 Markenausgaben drucken, darunter schöne Tiere- und Pflanzenmotive und sogar eine UNO - Serie, alles reine Phantasieprodukte ohne philatelistischen Wert.

Ebenfalls ohne Wert sind Marken aus NAGALAND, einer Landschaft in Indien. 

Ende der sechziger Jahre ließ ein selbsternannter Präsident von Nagaland mit Unterstützung eines britischen Briefmarkenhändlers eigene Marken drucken, es gab sogar Aufdruckmarken zum europäischen Naturschutzjahr 1970, seltsamerweise (?) sogar mit kopfstehenden Aufdrucken.

Suchen Sie SEALAND im Atlas ? Keine Chance, es handelt sich um eine britische Ölplattform. Diese "Briefmarken" sind ebenfalls wertlos.

Ebenso wenig finden Sie das Phantasieland "Liegerland" (obwohl es, ganz modern,  eine "offizielle Website" hat).

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Beispiel:  Angola

Ab etwa 1964 begannen eine Reihe arabischer Scheichtümer damit, zahlreiche schöne, sehr bunte und sehr große Briefmarken herauszugeben, die alle offiziell bei der UPU angemeldet wurden und damit wirkliche Briefmarken sind (siehe MICHEL - Katalog Asien). Es interessierte die UPU ja nicht, daß diese Marken an den Postschaltern dieser Scheichtümer (fast) gar nicht zu kaufen waren und ohnehin den Briefmarkenbedarf dieser Länder bei weitem überstiegen.

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Beispiel: Eritrea

So verausgabte beispielsweise das Scheichtum AJMAN (Adschman) in knapp 9 Jahren (Mitte '64 bis Ende '72) fast 3.000 Briefmarken - Hauptnummern (dazu etliche geschnittene Sätze) und 530 Blöcke !! Das ist rechnerisch je 1 Marke pro Tag und 1 Block pro Woche !
Die Auflagenhöhe wird wohlweislich verschwiegen, nach den Mengen, die man heute (ca. 40 Jahre danach) noch findet, müssen es Millionen gewesen sein. Übrigens hatte das Emirat Ajman 1991 76.000 Einwohner, incl. Analphabeten.

Hier eine Aufstellung der Spekulationsausgaben ab 1963/64 - 1972 :
Emirat Marken (*) Blöcke Einwohner (**)
Aden /State of Hadhramaut 243 38 365.000
Aden /Mahra State 161 18
Aden /State of Seiyun 163 12
Aden /State of Upper Yafa 94 16
Ajman 2.978 530 76.000
Ajman / Manama 1.255 240
Fujeira 1.542 207 63.000
Ras al Khaima 903 148 130.000
Sharjah 1.281 151 314.000
Sharjah /Khor Fakkan 226 21
Umm al Qiwain 1.704 95 27.000
Yemen Republik 1.217 164 12,5 Mill. (***)
Yemen Königreich 1.014 205
Summe : 11.524 1.602  
(*) nur Hauptnummern, (**) Stand 1991, Fischer Weltalmanach, (***) 62 % Analphabeten
Die obigen Marken sind zwar alle offiziell, aber : in diesem Gedränge fielen die illegalen Ausgaben der Exilregierung von DHUFAR und STATE OF OMAN gar nicht weiter auf. Marken aus diesen "Ländern" sind aber ebenfalls zu den Phantasieausgaben zu zählen.
Bitte nicht verwechseln mit den offiziellen Ausgaben des Sultanat of Oman !

In diesem Zusammenhang sollte man auch Marken von REDONDA erwähnen, die von der Postverwaltung der Karibikinseln Antigua & Barbuda in den Jahren 1979 - 1987 (42 Sätze) ausgegeben wurden. Die Insel REDONDA ist unbewohnt, die Marken sind also mangels Einwohner und Postamt nicht ver- wendungsfähig und auch nicht katalogisiert.


Sammlern alter chinesischer Briefmarken werden vielleicht auch einmal die Ausgaben der "chinesischen Vertragshäfen" in die Hände fallen. Es handelt sich um die Häfen : Amoy, Chefoo, Chinkiang, Chungking, Foochow, Hankow, Ichang, Kewkiang, Nanking, Shanghai, Weihaiwei und Wuhu.

Im MICHEL-Katalog sind sie (bis auf Shanghai) nicht enthalten, bei SCOTT werden sie als Privatpostmarken geführt. Die Ausgaben erfolgten zwischen 1893 und 1897 und es gab sogar Ganzsachen. Der Bedarf der Bevölkerung wird längst nicht so groß gewesen sein, wie das Interesse von Geschäftemachern.

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Beispiel:  Komi


Briefmarken in ähnlicher Aufmachung von SEDANG, AMOY PROVISIONAL und AMOY - NINGPO - HONGKONG - SHANGHAI sind dagegen als Fälschungen oder Phantasieprodukte bekannt.

Zuletzt sollten noch die Privatpostmarken erwähnt werden, die es von zahlreichen britischen Inselchen gibt (z. B. LUNDY). Sie werden von Fährleuten ausgegeben, welche die Post zum nächsten Postamt mitnehmen. Die Marken sind in England stillschweigend geduldet, natürlich nur, wenn der Brief auch "richtige" Briefmarken trägt.


Mit freundlicher Genehmigung von Peter Dörling 


2006 - ein besonderer Cindarella-Jahrgang

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Beispiel: Tuwa

Ein Jahrgang der besonderen "Güte" ist das Jahr 2006. 

Über 11 Gebiete aus der Region der ehemaligen UDSSR haben scheinbar eine Unmenge von Marken mit Bienenmotiven heraus gegeben. Wenn man sich die Motive einmal anschaut ist sehr schnell erkennbar, dass alle Ausgaben aufgrund der Ähnlichkeiten offensichtlich aus der gleichen "Schmiede" kommen.

Und auch im Jahr 2007 geht es munter mit diesen Reigen weiter ...

Natürlich sind diese Länder in unserer Sidemap ebenfalls gelistet.


Mit freundlicher Genehmigung von Peter Dörling 

[ Liste der Cindarella-Länder mit Bienenmarken ] [ Cindarelle-Liste der UPU ]

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Die Welt der Bienen auf Briefmarken
The world of bees on stamps

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