Die Imkerei Gühler aus Treptow
- die Firma hinter den Briefmarken-Zudrucken von 1911

Michel W 2 R17 + 5


Im Jahre 1911 brachte die Deutsche Reichspost Briefmarken mit verschiedenen Werbefeldern der Firma Honig Gühler heraus. 

Während die Marken recht bekannt sind, findet man im Web so gut wie keine Informationen über die Firma, die diese Art der besonderen Werbung (heute wurde man "Marketingmaßnahme" dazu sagen) veranlasst hat. 


Hermann Gühler (1832-1909) war ein bekannter Bienenzüchter, Honighändler und Vereinsfunktionär.  

Von 1875 bis 1884 war er Vorsitzender des Märkischen Zentralvereins. Er setzte sich für neue Konstruktionen von Bienenwohnungen und Geräten ein. Er bemühte sich aber auch um um die Anhebung des Absatzes und die Verbesserung der Qualität des Honigs. 

Der Honigabsatz in jener Zeit wurde durch die Konkurrenz des Importhonigs und des "Kunsthonigs" behindert.

Gühler führte "Einheitsetiketten" für seinen Honig ein, und es wurde ein entsprechendes Etikett auch für Honig des Zentralvereins eingeführt. 

Es scheint hier aber eine gewisse Interessenverquickung vorgelegen zu haben.

Verkaufsstand Honig Gühler
Verkaufsstand in Treptow um 1920

 Reklameschild "Gühler-Honig" auf dem Tresen einer Apotheke
Reklameschild "Gühler-Honig"
auf dem Tresen einer Apotheke


Vor 100 Jahren herrschte nämlich im Handel ein erhebliches Durcheinander bezüglich der Honigqualität. Honige wurden gemischt, gepanscht, und niemand konnte exakt wissen, ob der Anstrich auf seinem Brot wirklich aus einem Bienenvolk stammte. 

Imker Gühler erkannte, dass eine Marke entwickelt und etabliert werden sollte, auf die sich die Honigkunden verlassen konnten. Er nannte diese „Honig des deutschen Imkers". Volkstümlich wurden diese Honige „Gühlerhonige" genannt. Eine Honigmarke entstand! 

Im Jahr 1925 vollzog sich die Vereinigung deutscher Imkerverbände. Dies war der Vorläufer des heutigen Deutschen Imkerbundes (DIB).

Die Firma Gühler hatte ihren Sitz in Treptow, bzw. nach der Eingemeindung in Berlin-Treptow (1920). 


Nach Herrmann Gühlers Tod wurde sie von seinen Söhnen fortgeführt. Wann die Verlegung des Sitzes nach dem Zweiten Weltkrieg in den Westen erfolgte, ist aktuell nicht bekannt, könnte sich aber bei den Registergerichten sicherlich feststellen lassen.

Die links abgebildete Werbepostkarte von 1962 zeigt auf den Deckel die Ortsangaben "Frankfurt", "Berlin" und Düsseldorf". Mittlerweile ist die Firma erloschen. 


Werbe-Postkarte "Honig Gühler" von 1962
Werbepostkarte von 1962


Gühler schrieb mehrere Bücher und in den Imkerzeitschriften seiner Epoche sind etliche Aufsätze von und über ihn gedruckt worden. 

Werbe-Etikett "Honig Gühler"   Werbe-Etikett "Honig Gühler"   Werbe-Etikett "Honig Gühler"
verschieden Werbe-Etikette der Imkerei Gühler


Ganzsache vom 11.11.1911
Ganzsache vom 11.11.1911


Interessanterweise war es damals übrigens seitens der Reichspost nicht erlaubt, diese Werbezudrucke auf die Vorderseite von Briefsendungen zu kleben und versenden. 

Daher ist die nebenstehende Ganzsache vom 11.11.1911 tatsächlich ein "Kuriosum", da selbst der getrennt aufgeklebte Werbezudruck vorschriftswidrig abgeschlagen wurde.

[ Gühler-Marken ] [ Gühler Ganzsachen

Wir danken Frau Dr. Irmgard Jung-Hoffmann  
(Berlin) für die Informationen über die Fa. Gühler   


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