Die Imkerei „Hans Kogel Bienenfleiß“, Niendorf
(nahezu alle Abbildungen können vergrößert werden)

Jeder, der sich mit der Api-Philatelie beschäftigt, wird über kurz oder lang über die herrlich illustrierten Werbepost- / Bestellkarten bzw. Umschläge mit Zudrucken der Firma „Hans Kogel Bienenfleiß“ aus Hamburg-Niendorf „stolpern“. 

Über zwei Jahre versuchte das Api-Phila-Team erfolglos nähere Informationen über den Herausgeber der bei Sammlern so beliebten Werbepostkarten zu bekommen. Mitte August 2008 gelang es dem Autor erstmalig Kontakt zu einem Sohn der Firmengründer aufzunehmen. Herr Horst Kogel, Jahrgang 1937, wohnt jetzt in Norddeutschland nahe der dänischen Grenze und konnte mit vielen Informationen über seine ehemalige, von den Eltern gegründeten Firma, dienen. 

So freuen wir uns jetzt exklusiv über diese Firma berichten zu können, was ebenfalls sicherlich viele Sammler begeistern wird.  Die Auswahl der Abbildungen zu diesen Artikel ist uns nicht leicht gefallen. Über 50 (!) Abbildungen finden der interessierte Leser hier .

Firmengeschichte

Das Honighaus wurde 1921 von Hans und Emmi Kogel in Niendorf gegründet. Dem Firmengründer Hans Kogel wurde die Imkerei in die Wiege gelegt, denn sein Vater, Paul Kogel, war ebenfalls schon imkerlich tätig, wie nachfolgende Karte belegt.

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Hans (sen.) und Emmi Kogel in späteren Jahren

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Schon der Vater des Gründers war Imker

Niendorf (Ersterwähnung des Dorfes in 1184) liegt im Nordwesten Hamburgs und wurde erst im Januar 1939 zu Hamburg eingemeindet. Zur Zeit der Firmengründung war Niendorf bei den Hamburgern als Ausflugsziel sehr beliebt. Manch reicher Hamburger baute sich dort sein schmuckes Häuschen vor den Toren der großen Stadt.


Postkarte von Alt-Niendorf (um 1920)

1970 übernahmen die Söhne Horst und Dieter somit in der dritten Generation die Imkerei und führten diese 30 Jahre gemeinsam. Mutter Emmi hat noch bis 1998 (!) aktiv in der Imkerei mitgearbeitet. Sie starb im hohen Alter von 93 Jahren, Herr Kogel wurde 82 Jahre alt. 

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Natürlich reichten die 250 Völker, die die Familie Kogel ihr Eigen nannte nicht aus, alle Kundenwünsche in der geforderten Quantität zu erfüllen. Daher gab es zur Mengenbeschaffung Zukäufe fremder Imker, Honig-Importe wurden ebenfalls getätigt.

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Anschriften-Prüfkarte von 1954

Am 29. Januar 1993 bekam das Honighaus Bienenfleiß (damaliger Firmensitz: Paul-Sorge-Str. 63, 22459 Hamburg) als Großempfänger sogar eine eigene Postleitzahl: 22451 .

Modernes Marketing

Im Prinzip betrieb „Bienenfleiß“ mit den verschiedenen Kartenmotiven und Werbemedien schon damals modernes Marketing. Ähnlich wie heute, wenn es zu bestimmten Anlässen in stark limitieren Auflagen „Sonder-Editions“ gibt. Als Beispiel wäre u.a. die Zigaretten- und Getränkeindustrie zu nennen, wo fast monatlich solche Dinge am Markt platziert werden, um Sammler zum Erwerb des „Besonderen“ zu animieren.

Ein Phänomen, das ja auch im Bereich der Philatelie bestens bekannt ist. Man denke nur an die vielen Gedenkblätter und Umschläge zu allen möglichen und unmöglichen Anlässen ... .

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Beispiel einer Werbebroschüre Ende der 50ger


Unzählige Kartenvarianten

Alles in allem gibt es über 500 (!) verschiedene Kartenmotive. Dazu kommen noch unzählige Kataloge, Werbebroschüren, Briefköpfe, Produktbeschreibungen, Umschläge, Rundschreiben, Probepäckchen, Honigeimer und ähnliches. Kurz: erst beim Schreiben dieses Artikels wird dem Autor vollends bewusst, welch immenses Sammelgebiet sich dem Interessierten dort weiter zu erschließen vermag.  

Und unter Umständen auch ein kostspieliges – denn bei Ebay z.B. erzielen top erhaltene Karten Stückpreise von bis zu 20€. Auch werden ab und zu alte Honigbehälter dort angeboten. 

Die Werbekarten von „Bienenfleiß“, die erstmalig im Jahr 1951 erschienen sind, spiegeln den damaligen Zeitgeist mit viel Humor wieder. Stets entlocken die lebevoll gezeichneten Szenen dem Betrachter ein leichtes Schmunzeln. 

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Bestell-Karten aus den 50gern

Und da stellt sich natürlich die Frage, wie benutze Karten (sprich nach der Bearbeitung durch „Bienenfleiß“) überhaupt in Sammlerhände gekommen sind. Hierfür hat Herr Kogel eine ganz einfache Antwort: die Karten waren seinerzeit ebenfalls schon sehr beliebt und ein befreundeter Sammler bekam von ihm die alten Karten. Scheinbar stammen aus dessen Nachlass alle die derzeit im Markt angebotenen Karten.  

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Zwei Briefumschläge: links von 1938 und rechts von 1958 (sogar mit passenden Freistempelabdruck)

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Deckblatt Katalog
"Bienenfleiß"

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Briefkopf

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Deckblatt Katalog
"Reinmuth"

Beliebte Rundschreiben

Wie Herr Kogel dem Autor schmunzelnd versicherte, haben viele seiner Kunden schon regelrecht auf das zweimonatlich erschienene und ebenfalls reich illustrierte Rundschreiben mit lustigen Anekdoten gewartet. Heute würde man „Kundenbindung durch Direktmailing“ dazu sagen.

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vier Kunden-Rundschreiben

Er sieht darin auch einen großen Garant der damaligen Geschäftserfolge, denn das Produkt „Honig“ ist an sich bei den vielen Bezugsmöglichkeiten ja jederzeit austauschbar. Das „drum herum“ ist aber für viele Verbraucher auch ein wichtiges Kriterium für den Erwerb. Damals wie heute !


Werbung auf Postsache-Umschlägen

Interessant ist auch die Werbung von "Bienenfleiß" auf der Rückseite von Postscheck- (später Postgiro- noch später Postbank-) Briefen, die es ebenfalls in mehreren Varianten gibt. 

Hier wird ein "Schleckerpäckchen" für günstige 1,25 DM, dass in kleinen Töpfchen Proben von sieben verschiedenen Honige sowie einen ganz besonders schmalen Löffel enthielt beworben. Ein solches  "Schleckerpäckchen" ist weiter unten abgebildet.

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Werbung auf Postsache-Umschlägen

Die genaue Anzahl der verschiedenen Umschlags-Varianten lässt sich leider nicht mehr ermitteln. Das Team von Api-Phila ist sehr daran interessiert auch mal eine Umschlag-Vorderseite als Scann zugemailt zu  bekommen. Vielleicht kann ein Leser weiterhelfen ? 

Herr Kogel erzählte, dass diese Art Werbung sehr kostenintensiv, aber leider nicht besonders erfolgreich war.

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alte Honigbehälter aus Metall


Der Grafiker Wilhelm Hartung

Wilhelm Hartung (geboren am 2. Dezember 1919 in Cuxhaven), war ein bekannter Karikaturist und mit Hans und Horst Kogel befreundet. Er entwarf die oben genannten Karten, Briefköpfe u.ä. nach ihren Vorstellungen sowie nach eigenen Ideen. 

Hartung war in den 50er und 60er Jahren insgesamt 18 Jahre lang als Karikaturist für die Tageszeitung "Welt" tätig, ferner zeichnete er über 20 Jahre für die "Deutsche Verkehrszeitung" und daneben für die Fernsehzeitschriften "HÖRZU" und "Funkuhr". Immer wieder finden in Norddeutschland Ausstellungen seiner Werke statt.

1967 bekam er den Theodor-Wolff-Preises verliehen. In den 80er Jahren war Hartung vorwiegend Buchillustrator für seine eigenen plattdeutschen Werke. Er starb 2003 in Hamburg.

Leider konnten wir bis dato noch keinen Kontakt zur Familie Hartung herstellen. Gerne hätten wir mehr über den Grafiker und seinen Arbeiten berichtet, oder eine Fotografie eingefügt.

  
Das auf den Postsache-Umschläge beworbene "Schleckerpäckchen" mit sieben Honigsorten. 
Leider fehlt auf dem rechten Bild der dazugehörende Löffel

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Zeichnungen für Katalogbeschreibungen

Von den vielartigen Werken Hartungs für die Firma Kogel sind noch einige Reinzeichnungen im Privatbesitz von Horst und Dieter Kogel. Verständlich, dass Herr Kogel auf diesen "Schatz" Stolz ist. Verständlich aber auch, dass wir hier in diesen Artikel nur eine kleine Auswahl zeigen können. 


Neuere Firmengeschichte

1998 wurde als neuer Partner die Firma Hans-Bischoff GmbH in Köln gewonnen. Dadurch wurde auch der Firmensitz von Hamburg nach Köln verlegt. Horst Kogel zog sich aus dem operativen Geschäft zurück, blieb aber als Berater „seiner“ Firma treu und verfasste weiterhin die beliebten Rundbriefe. Seine Beratertätigkeit stellte er erst 2001 ein, als „Bienenfleiß“ in die Firma „Honig Reinmuth“ (Sitz in Mosbach) über ging.

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Bestellkarten aus den 70gern - diesmal mit Beispielen deutscher Tischkultur

Letztgenannte Firma nutze den im Markt gut eingeführten Markennamen "Bienenfleiß" noch eine kurze Zeit in Prospekten weiter. Danach endet die spannende Geschichte der Imkerei „Hans Kogel Bienenfleiß“, Niendorf.

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Links zeichnet noch Herr Kogel - rechts bereits Herr Reimuth


Nachtrag in eigener Sache

Wir möchten alle „Bienenfleiß“-Sammler bitten uns Scanns oder Fotos ihrer Schätze per Email zukommen zu lassen, da wir gerne möglichst viele der kreativen Stücke in unser Projekt aufnehmen möchten. Vielen Dank.

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verschiedene Freistempelabdrucke

Das Api-Phila-Team bedankt sich bei "Honigmeister Leckerzahn" (so nennt sich Herr Horst Kogel selber) für die angenehme Zusammenarbeit, Informationen und Materialien sowie bei Frau Jahn (Köln) für die Vermittlung des Kontaktes.

[ zu den Werbekarten ]

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