Maja, Mutter des Buddha, bedeutet in
der indischen Philosophie die als Trugbild aufgefaßte Erscheinungswelt.
Der deutsche Schriftsteller Waldemar Bonseis (21.2.1880 Ahrensburg bei
Hamburg - 31.7.1952 Ambach / Bayern) schuf sich vor dem Ersten Weltkrieg
durch Tier- und Pflanzengeschichten viele Leser. Seine «Biene Maja und
ihre Abenteuer» (1912) erlangte, in viele Sprachen übersetzt,
Millionenauflage.

Der Insektenroman steht, neben den
1927 verfaßten Erzählungen um den Knaben Mario, für den
neuromantischen Versuch, den alten Traum einer glückhaften Einheit von
Menschen, Tieren und Pflanzen wiederzubeleben. Voll Charme und Poesie
läßt uns Bonseis die Abenteuer der kleinen Biene miterleben. Von der
Bienendame Kassandra lernt Maja die Regeln, die sich jede Biene merken
muß, bevor sie den ersten Ausflug macht. Maja begegnet vielen Tieren,
lernt Wunder und Gefahren der Natur kennen und trifft dabei auch auf
Menschen. Todesangst empfindet Maja im Netz der Spinne Thekla, aus dem
sie die Grille Iffi und Kurt, der Mistkäfer, befreien.
Einmal gelangt sie in die Räuberburg
der Hornissen. Dort wird eine Schlacht gegen das Bienenvolk vorbereitet.
Die Räuber wollen die Bienenkönigin Helene die Achte gefangen nehmen
und den Bienenstaat zerstören. Maja findet eine List, um ihrer Königin
und ihrem Volk zu helfen. Auch Bonseis Vagabundenromane («Wartalun»,
1911) und seine Reisebücher trafen wegen ihrer Nähe zur
Wandervogel-Bewegung eine Grundstimmung ihrer Zeit. Schon mit siebzehn
war Bonseis unterwegs durch Europa, Asien, Afrika und Amerika. Später
ging er zu bewußter Weltanschauungsdichtung über.

Nach dem Roman «Die Biene Maja und
ihre Abenteuer» wurde eine Zeichentrick-Fernsehserie mit 104 Episoden
hergestellt, die das ZDF erstmals 1976 ausstrahlte. Die populäre
Umsetzung schuf der Disney-Zeichner Marty Murphy. Damit hat die Biene
Maja zahllose kleine und große Kinderherzen erobert. Dazu trägt auch
die von Karel Gott gesungene Titelmelodie bei, die bald zum Ohrwurm
wurde. Was Puck, die Fliege, der Biene Maja über die Menschen erzählt:
«Es dauerte lange, bis ich die Sprache der
Menschen verstehen lernte. Jetzt weiß ich endlich, was sie wollen. Viel
ist es nicht, gewöhnlich sagen sie jeden Tag dasselbe. Zählen Sie in
einer Stube die Menschen und die Fliegen. Das Resultat wird Sie in
ungeahnter Weise in Erstaunen setzen.

Wenn Sie
einmal das muntere Spiel beobachtet hätten, das ich mit den Menschen
treibe, so würden Sie vor Neid auswandern. Wenn ich auf der Stirn des
Menschen sitze und hin und her laufe in den Furchen, die beim Denken
bewegt werden müssen, wenn etwas Rechtes dabei herauskommen soll, fängt
der Mensch an, mit der Hand in die Luft zu greifen. Er meint, ich sei
dort irgendwo. Er knurrt und greift nach mir. Ich sehe die Hand kommen,
ich warte bis zuletzt, mache rasch einen geschickten Flug zur Seite und
schau zu, wie er nachfühlt, ob ich noch da bin. So geht es oft eine
halbe Stunde lang. Sie haben keine Ahnung, welch eine Ausdauer der
Mensch hat.»

Was die Biene Kassandra Maja über die
Menschen erzählt hat: «Die Menschen sind gut
und weise. Sie sind dem Volk der Bienen wohlgesinnt, darum vertrauen wir
Bienen uns ihrem Schutz an und teilen unseren Honig mit ihnen. Sie
sorgen dafür, daß der Frost und die große Schar der Feinde, die wir
unter den Tieren haben, uns nicht stören oder vernichten. Es gibt wenig
freie Tiere der Welt, die solch ein Verhältnis von Freundschaft und
freiwilliger Dienstbarkeit mit den Menschen eingegangen sind. Oft ist
ein ganzer Staat ruchlos vernichtet worden, nur weil ein unvernünftiges
Tier seine Begierde nach dem Honig stillen wollte.»
Aus
"Insektenkurier", Heft 58
mit freundliche Genehmigung der ArGe "Entomologie"