Personalisierte Marken
Jedem die Seine
Ein Beitrag von Detlev Moratz

Briefmarken, die jeder selbst gestalten und im Post­verkehr verwenden kann, waren bis vor wenigen Jahren völlig undenkbar. Jetzt gibt es sie. Möglich machten dies ein Umdenken bei den Postverwaltungen, neue technische Möglichkeiten sowie die Aussicht auf hohe Umsätze.

Die offiziellen Erstausgaben Österreichs läuteten
eine erfolgreiche Entwicklung der Personalisierten


Viele Sammler - nicht nur in Deutschland - wissen, dass es schwierig ist, eine Markenausgabe durchzusetzen. Hunderte ernst gemeinter Vorschläge müssen abgeblockt werden, um das Ausgabeprogramm nicht zu sprengen. Mit den Personalisierten können die jeweiligen Verwaltungen Alternativen anbieten, auch wenn sie nicht unbedingt als adäquat zu bezeichnen sind. Ein Stadtjubiläum kann aber notfalls auch mit einer Personalisierten begangen werden. So können die Stadtväter mit Stolz die Ausgabe einer Briefmarke vermelden.

Österreich setzte Ende 2003 mit  "Meine Marke" das bislang wohl bedeutendste Zeichen auf diesem Gebiet. Ganz plötzlich war es jedem Internetuser möglich, eigene hoch­ und querformatige 55 Cent­Briefmarken mit markanten gelben Rahmen zu entwerfen, die in Österreich ganz normal frankaturgültig sind. Auch Firmen entdeckten eine völlig neue Werbemöglichkeit für sich. Grenzen werden bis heute nur bei gesetzes- oder sittenwidrigen Inhalten gezogen. Die beiden ersten „Rahmen­Marken" erschienen am 5. Dezember 2003 mit Post-Werbung als „reguläre" Ausgaben (MiNr.2455-56, katalogisiert mit dem Vermerk, dass personalisierte Marken bereits ab 27. Oktober 2003 verwendet wurden).

Zunächst wurde die Ausgabe für Großkunden vorgesehen, die mindestens 20.000 Stück von einem Motiv bestellten. 2004 folgte die Möglichkeit der individuellen Kleinauflage für jedermann. Die Mindestmenge betrug zunächst 200, später 100 Stück.


Wie alles begann ...

Einige Jahre zuvor boten verschiedenen Postverwaltungen bereits so genannte „individualisierte Marken" - meist Kleinbogen mit (relativ) frei bedruckbaren Zierfeldern oder Randstücken neben einer regulären Briefmarke. Australien gilt hier mit der Ausgabe vom 19. März 1999 (MiNr. 1794 A) zur „AUSTRALIA '99" als Vorreiter. Bald folgten weitere Postverwaltungen (etwa Belgien, Frankreich und Hongkong). Interessenten konnten sich auf Ausstellungen fotografieren lassen und das „Werk" nach kurzer Wartezeit mitnehmen. Den Versandweg wählte erstmals die Schweiz mit einer Ausgabe vom 23. November 1999 (MiNr.1706) zur Jahrtausendwende. Zwei Zierfelder durften ein Foto und eine Botschaft enthalten.

Der deutliche Zuspruch, den die PTT in Bern vermelden konnte, hat vielleicht auch Österreich dazu inspiriert, noch einen Schritt weiter zu gehen und das individuelle Motiv auf das Postwertzeichen selbst zu bringen - bis dahin ein Tabu. Es dauerte nicht lange, dann folgten der Alpenrepublik auch Finnland und die USA. Dank des Internets konnten Aufträge mittlerweile vergleichsweise unkompliziert und auch relativ kostengünstig abgewickelt werden - eine neue Einnahmequelle war entdeckt.


"Vorläufer": Das eigene Foto im Zierfeld


Ausbreitung nach Erfolgen

Die große Beliebtheit der Personalisierten und die damit verbundenen Gewinne ließen immer mehr Postverwaltungen über die Einführung solcher Marken nachdenken. 2005 kam etwa die Türkei mit einem eigenen Angebot. Unlängst gesellte sich auch Lettland dazu, das die Marken von der Staatsdruckerei in Wien herstellen lässt.

Zu Beginn des Jahres 2006 hat Österreich sogar schon eine zweite Generation eingeläutet. Wertstufen zwischen 55 und 999 Cent sind frei wählbar, die blaue Rahmenfarbe kam hinzu. Auch kann man jetzt zwischen den Inschriften „Österreich" und „Austria" wählen.

Die jeweiligen Preise sind übrigens von Stückzahl und Nominalwert abhängig. In Österreich etwa liegt der niedrigste Preis bei rund 200 Euro (100 Stück zu 55 Cent). Ist die Auflage höher, verringert sich der Zuschlag auf den Nominalwert. Bei 1000 Stück kostet die 55-er Marke rund 1,23 Euro.

In den USA beträgt die Mindestauflage 20 Stück (= ein Bogen). Ab rund 18 Dollar für die 37 Cent-Marke plus Versandkosten ist man dabei.


Keine offiziellen Ausgaben

Die personalisierten Marken sind „Postwertzeichen auf Privatbestellung". Sie werden dem Auftraggeber in der von ihm bestellten Menge geliefert. Es handelt sich also nicht um offizielle Ausgaben. Bei allen Marken dieser neuen Ausgabeform spielt auch deshalb die Kontrolle der Motive eine wichtige Rolle – ob auf Zierfeldern oder auf den Marken selbst. Letztlich ist zwar der Auftraggeber für die Einhaltung der Bedingungen und die Klärung der Bildrechte verantwortlich - doch die jeweilige Postverwaltung kommt um eine „Überwachung" kaum herum.

So wurden in den USA die Personalisierten zunächst gestoppt, nachdem bekannt wurde, dass über www stips.com zahlreiche Motive produziert wurden, die nicht im Sinne der Post sein konnten. Ein Satire-Magazin hatte beispielsweise Personen wie Slobodan Milosevic und Nicolae Ceaucescu auf US-Marken bringen können. Auch das berühmt gewordene Kleid der Monica Lewinsky mit den angeblichen DNA-Spuren des Ex-Präsidenten Bill Clinton fand auf einer solchen Marke Verewigung.


Milosevic, Ceaueescu und das Kleid von Lewinski - 
höchst bedenkliche Motive, die es dennoch zu "Markenehren" brachten

Nach dieser Panne wurden Abwicklung und Kontrolle in den USA überarbeitet. Zwei weitere Firmen erhielten in den USA zudem die Lizenz zur Auftragsannahme personalisierter Marken. Schon folgten die nächsten „Patzer": Bei Izzle.on wurde im Sommer 2005 ein Motiv genehmigt, das scheinbar harmlos war. Es zeigte ein altes Foto eines Babys. Bei dem Kleinkind handelte es sich allerdings um Adolf Hitler.

Bald nach Auslieferung bot der Auftraggeber eine der 20 Marken, die er hat produzieren lassen, über das Internet­Auktionshaus eBay an - nicht ohne den Hinweis, um wen es sich auf dem Bild handelt. Zazzle wurde auf das Angebot aufmerksam gemacht und bewirkte bei eBay die Annullierung des Angebotes. Vom Auftraggeber wurde die vollständige Rückgabe der Marken verlangt, weil er gegen die Bedingungen verstoßen hatte. Die US-Briefmarken-Zeitung Linn's meldete, dass der Sammler alle Marken wieder zurück gab. Dabei war auch ein gestempeltes Exemplar, das er bereits auf den Postweg gebracht hatte.


Che Guevara wurde in
Österreich als Motiv genehmigt


Aus Österreich kann man nicht von solch spektakulären Fällen berichten. Bekannt ist aber, dass zahlreiche Motive abgelehnt wurden. Dennoch gibt es genehmigte Motive, die zumindest zu Diskussionen anregen - zum Beispiel eine Marke mit dem Bild Ernesto Che Guevaras.

Auch über die zahlreichen Werte, die eindeutig zweideutiger Natur sind, lässt sich streiten. Wenn auch die Motive selbst als harmlos zu bezeichnen sind, werden sie doch beim Verkauf im Internet (eBay) klarer beschrieben: „EROTIK-LOLA DOMINA, neue Erotikmarke von den schönen Mädchen der Nacht von Graz - Lady Lola derzeit bestbezahlte Domina...". 

Gänzlich ohne Kontrolle mussten die Neuseeländer auskommen, die vor einiger Zeit einer unbedruckten Marke tatsächlich Malstifte beilegten - welche „Kunstwerke" dann letztlich auf die postalische Reise gingen, ist nicht nachvollziehbar.


Wirkung in der Öffentlichkeit

Für den Nicht-Sammler ist eine Briefmarke immer noch eine amtliche Ausgabe. Die Motive sind ausgesucht, nur wirklich wichtige Themen finden Platz darauf. Existiert etwa eine Marke mit der Abbildung einer Person, dann hat dieser Mensch auch Überdurchschnittliches geleistet, sonst würde er nicht auf diese Art gewürdigt werden. 

Diese Vorstellung sitzt noch tief verwurzelt in den Köpfen. Mit den Personalisierten müsste diese Haltung über Bord geworfen werden. Zumindest müsste nun zwischen den weiterhin offiziellen und den persönlichen Briefmarken differenziert werden. „Jeder A... kann doch heute auf eine Briefmarke kommen", drückte es ein dem Autor bekannter Sammler aus - nicht gerade zurückhaltend, aber mit einem wahren Kern.

Dass die Nicht-Sammler die­sen Unterschied (noch) nicht machen, drückt sich in zahlrei­hen Berichten der allgemeinen Presse aus. Immer wieder heißt es etwa: „Die Österreichische Post gab eine Sonderbriefmarke zum Thema xy heraus" - was bei Personaliierten Schlichtweg falsch ist. Hier ist offensichtlich noch Aufklärungsarbeit nötig.

Die Personalisierten spielen bei eBay eine gute Rolle - schon rund acht Prozent aller Österreich-Marken-Angebote gehören dieser Kategorie an.


Sammelwürdigkeit

An eine vollständige Sammlung der Personalisierten - egal welchen Landes - ist nicht zu denken. Es sind nicht nur die kleinen Auflagezahlen und der Aufwand der Beschaffung von den Auftraggebern, sondern auch die Unübersichtlichkeit der existierenden Marken. Schließlich muss ein Auftraggeber seine Werke nicht veröffentlichen. Personalisierte sollten vom Sammler dennoch nicht ignoriert werden. Wenn Basismarken (meist offiziell ausgege­ben) vorhanden sind und vielleicht zur Auflockerungen noch ein paar ansprechende Motive aufgenommen werden, ist eine Sammlung des jeweiligen Landes weiterhin vollständig.

Gerade die personalisierten Marken Österreichs haben sich daneben zu einem völlig eigenständigen Markt entwickelt. Die Plattform eBay spielt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle. Unter "Briefmarken / Österreich" findet man bei eBay drei Rubriken, eine davon ist „Personalisierte Marken" Im Verhältnis zum Einstandspreis finden sich sogar bei jüngsten Marken hohe Preise. Ältere Werte sind teilweise sehr gesucht und erzielen zweistellige Euro-Beträge, auch wenn es mittlerweile mehrere tausend verschiedene Motive in Österreich sind. Auch Kataloge erschienen bereits.

Zwei Handelsfirmen unseres Nachbarlandes erkannten die Marktchancen früh und trugen zur Verbreitung unter den Sammlern bei. Klar ist, dass auch die Aussicht auf hohe Preise Triebfeder für den Erfolg ist. Deshalb werden in Deutschland teilweise schon Parallelen gezogen zu dem Boom (und dem danach folgenden Einbruch) der Telefonkarten Anfang der 90er­Jahre.

Momentan ist an einen Einbruch aber nicht zu denken. Die Österreichische Staatsdruckerei (ÖSD) tritt inzwischen selbst als Herausgeber personalisierter Marken auf; den Vertrieb der Marken übernahm die Post wieder selbst und richtete bald auch Abonnements ein. Dies macht die Trennung zu den offiziellen Ausgaben nicht eben einfacher - zumal auch Produkte entstanden, die so überhaupt nicht über die Internetseite in Auftrag gegeben werden konnten, etwa Zusammendruckbögen oder blockähnliche Ausgaben mit drei verschiedenen Marken.


Einer der ersten Zusammendruckbögen in Österreich:
Er wurde von der ÖSD herausgegeben und von der Post in einer Mappe zu 25 Euro verkauft

Werbung für die Philatelie

In Deutschland gibt es derzeit keine personalisierten Briefmarken. Bei den Entscheidungsträgern existieren offensichtlich nicht nur generelle Bedenken - die Aufteilung zwischen Bundesfinanzministerium und Deutscher Post AG würde ein derartiges Vorhaben auch rechtlich nicht gerade vereinfachen. 

Eine kleine Ausnahme bilden die Gruß­Ganzsachen, die auf Ausstellungen von der Deutschen Post AG angeboten werden. Sie können auf der linken Seite mit dem Bild des Besuchers bedruckt werden. 

Auf jeden Fall haben die Personalisierten Bewegung in die Philatelie gebracht. Betrachtet man die Marken unter dem Gesichtspunkt der Bereicherung eines Sammelgebietes (Länder- und Motivsammlungen) und weniger unter dem Aspekt der Wertsteigerung, kann man nichts falsch machen. Dank der Personalisierten wird wieder mehr über Briefmarken in der Öffentlichkeit berichtet. Briefmarkenvereine haben die Möglichkeiten erkannt und werben für ihre Zwecke. Sie können mit den personalisierten Marken Türen öffnen - gerade bei der Presse, aber auch bei Städten und Gemeinden.

Auch wenn die Personalisierten von manchen Sammlern als „bunte Bildchen" abgetan werden: Kein Sammler hat mit Germania-Plattenfehlern begonnen ...

Quelle: Briefmarken Spiegel, Ausgabe 09/2006
mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag

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