Rumänien: Jean de la Fontaine

Im Mai 2009 erreichte dem Autor die beiden nachfolgenden Belege aus Rumänien, die zuerst voller Rätsel waren: 

Als Fragen kamen unter anderem auf:

- was könnten das für Belege sein ?
- was bedeutet "Luna Padurii" ?
- wer ist auf dem Stempel abgebildet ?
- was könnte der Anlass dieser Belege sein ?

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Natürlich interessieren uns als Motivsammler nicht nur die Zudrucke (Biene bzw. Hummel) sondern auch die ungewöhnlichen Wertstempel (Wabe und Hummel). Im Laufe der Recherchen kam immer mehr Licht in das Dunkel.

Wenn man das Inlandsporto für einen nicht versicherten Brief (bis 20g) von aktuell 1 Lei berücksichtigt, dürfte die obigen Freimachungen von jeweils 30 Bani dem Inlandsporto für Postkarten entsprechen. Diese Angabe beruht allerdings auf Vermutungen und ist bis dato nicht bestätigt.


Der Stempel

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Er zeigt unter anderem den französischen Schriftsteller Jean de La Fontaine,  der durch seine über 400 (!) Fabeln sehr bekannt wurde. 

Eine der bekanntesten seiner Fabeln ist die Fabel "Die Hornissen und die Bienen". Daher ist der französische Fabeltitel (es gibt mehrer Variationen des Titels), eine Hornisse (?) sowie eine  Biene ebenfalls Mitmotiv des Stempels. Man muss allerdings zugeben, dass die Abbildung der Hornisse (so es eine tatsächlich sein soll) alles andere als gelungen ist. Der Autor tippt eher auf zwei Bienen.

Abgeschlagen wurde der Stempel am 15.04.2009 in Craiova, der größten Stadt in der rumänischen Region Kleine Walachei.


Jean de la Fontaine

Nun - wer aber ist die abgebildete Person? Es handelt sich um den französischen Schriftsteller Jean de La Fontaine (* 8. Juli 1621 in Château-Thierry ; † 13. April 1695 in Paris) der durch seine Fabeln in die Literaturgeschichte eingegangen ist.  Er schrieb auch Verse in der Pikardischen Sprache.

Seine Fabeln sind Meisterwerke der französischen klassischen Literatur und viele sind ebenfalls in Deutschland bekannt (z.B. „Der Rabe und der Fuchs“, ...). 

Er erhob durch seine 12 Bücher mit Fabeln in Versen die Fabel zum Kunstwerk.


Die Hornissen und die Bienen
"Frelons et les Mouches à miel" 

Hier nun die Fabel, auf die der Stempel Bezug nimmt. Das Original trägt den Titel "Frelons et les Mouches à miel" und ist die 21. Fabel aus dem 1. Band des Autors: 

In seinem Werk stellt sich der Künstler dar.

Hornissen stritten einst mit einer Bienenschar
Um ein paar herrenlose Honigwaben.
Ein jeder meinte Recht zu haben,
Die Waben in Besitz zu nehmen.
So muß man endlich sich bequemen,
Als Schiedsrichter die Wespe zu befragen.

Ein Richterspruch indes war schwer:
Die Zeugen konnten nur das eine sagen,
Daß längliche beflügelte Insekten
Einst eifrig schaffend in den Waben steckten;
Gewiß, sie glichen wohl den Bienen sehr,
Doch ach, die vorgenannten Zeichen
Sind bei Hornissen fast die gleichen.

Die Wespe nun, um in die Sache Licht zu tragen,
Beschloß, ein Volk Ameisen zu befragen;
Umsonst: der Fall war nicht zu schlichten.
Da rief ein Bienchen in besorgtem Ton:
»Sechs Monde hängt die Sache schon,
Doch ist kein Fortschritt zu berichten.

Der Honig wird uns noch verderben,
Ein schneller Spruch tut not, sonst frißt
Den süßen Stoff der Bär mit seinen Erben;
Drum laßt das unnütz viele Fragen,
Das Wortewägen und das Hin und Her,
Da ein viel beßres Mittel ist,

Den Streitfall endlich auszutragen:
Laßt uns und auch den Gegner Waben bauen!
Gewiß ist die Entscheidung dann nicht schwer,
Denn wessen Zellen jenen ähnlich schauen,
Die hier in Frage stehn, der ist im Recht.«

Da wehrten die Hornissen sich nicht schlecht,
Und ihre Weigrung zeigte klar,
Welche Partei im Unrecht war.
Der Honig wurde unverweilt
Den klugen Bienen zugeteilt.

Wollt Gott, ein jeder Streitfall würde so geschlichtet,
Daß nicht ein Paragraph, nein, klare Einsicht richtet!
Ja, folgten wir hierin den Orientalen,
So brauchten wir nur halb so viel zu zahlen.
So aber ist's der Richter, der gewinnt,
Für den die schönen fetten Austern sind,
Und für den Kläger bleiben nur die Schalen.

A l'oeuvre on connaît l'Artisan.

Quelques rayons de miel sans maître se trouvèrent :
Des Frelons les réclamèrent ;
Des Abeilles s'opposant,
Devant certaine Guêpe on traduisit la cause.
Il était malaisé de décider la chose.
Les témoins déposaient qu'autour de ces rayons

Des animaux ailés, bourdonnants, un peu longs,
De couleur fort tannée, et tels que les Abeilles,
Avaient longtemps paru. Mais quoi ! dans les Frelons
Ces enseignes étaient pareilles.
La Guêpe, ne sachant que dire à ces raisons,
Fit enquête nouvelle, et pour plus de lumière

Entendit une fourmilière.
Le point n'en put être éclairci.
"De grâce, à quoi bon tout ceci ?
Dit une Abeille fort prudente,
Depuis tantôt six mois que la cause est pendante,

Nous voici comme aux premiers jours.
Pendant cela le miel se gâte.
Il est temps désormais que le juge se hâte :
N'a-t-il point assez léché l'Ours ?
Sans tant de contredits, et d'interlocutoires,
Et de fatras, et de grimoires,

Travaillons, les Frelons et nous :
On verra qui sait faire, avec un suc si doux,
Des cellules si bien bâties. "
Le refus des Frelons fit voir
Que cet art passait leur savoir ;
Et la Guêpe adjugea le miel à leurs parties.

Plût à Dieu qu'on réglât ainsi tous les procès !
Que des Turcs en cela l'on suivît la méthode !
Le simple sens commun nous tiendrait lieu de Code ;
Il ne faudrait point tant de frais ;
Au lieu qu'on nous mange, on nous gruge,
On nous mine par des longueurs ;
On fait tant, à la fin, que l'huître est pour le juge,
Les écailles pour les plaideurs.


Illustration zu dieser Fabel


Luna Padurii

Das Rätsel "Luna Padurii" war etwas schwieriger zu lösen. Eine gute Hilfe zum Enträtseln war der nachfolgende Beleg, der ebenfalls den weiter oben beschriebenen Stempel trägt:

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Es ist ein Schmuckumschlag zu einem 30-jährigen Jubiläum - das schließen wir aus der Angabe "XXX-a". Hierbei scheint es sich lt. Internet um einen festgelegten Zeitabschnitt bzw. Zeitraum  für eine Gedenkveranstaltung vom 15.03. bis 15.04.09 zu handeln, die dem Schutz des Waldes gewidmet ist.

Wenn man nach "Luna Padurii" googelt, bekommt man Hinweise auf den Nutzen, der Nutzung und des Schutzes des Waldes. Dies bestärkt unsere Annahme nach einem "Waldschutz-Monat".

Stellt sich nun die abschließende Frage, was Jean de La Fontaine wohl mit dem Wald  zu tun hat - dieses Rätsel ist noch nicht gelöst.

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