Bunte Bilder an slowenischen Bienenhäuschen

Malerei auf Bienenstock-Stirnbrettchen gibt es seit nahezu 100 Jahren nicht mehr. Diese urwüchsige Gattung der Volkskunst ist bei der slowenischen Bauernbevölkerung des begrenzten subalpinischen Gebietes entstanden. Die Thematik dieser Malerei ist figural: religiös und irdisch, reell und phantastisch. Diese Bebilderung umfasst über 1000 originelle Motive und stellt die grösste Sammlung von europäischer malerischer volkskünstlerischer Figuralmotivik dar. Das kleine Volk der Slowenen hat so zur Kultur Europas beigetragen.

Über einen nur ganz kurzen Zeitraum von 150 Jahren, von Mitte des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts war es am Südrand des deutschen Sprachgebietes, in der Region des früheren Herzogtums Krain und von hier auslaufend in Südkärnten, Osttirol und Teilen der südlichen Weststeiermark üblich, die Vorderflächen der einzelnen Bienenbehausungen künstlerisch zu bemalen. Im Gegensatz zu den Gebieten nördlich der Tauern, wo stehende Bienenstöcke üblich waren, fanden sich südlich dieser Grenze liegende, kastenförmige Stöcke, die über und nebeneinander gelagert wurden. Mit ihren bemalten Frontbrettchen ergab sich für das Ethnographisches Museum in Ljubljana. Betrachter eines solchen Bienenhauses der Eindruck vor einem bunten Bilderbuch zu stehen. 

Die einzelnen Bienenstöcke wurden in Bienenhäuser so eingelegt, dass sich aus der Weite der Anblick auf eine gemeinsame farbige mosaikartige Fläche ergab, aus der Nähe jedoch konnte man die anschauliche Gestaltung einzelner Stirnbrettchen genau erkennen. Die Bienenhäuser wurden zur eigentümlichen volkskünstlerischen Malergalerie im Freien. Die ungeheuer umfangreichen Motive waren überwiegend figürliche Szenen, die zum Teil aus der Volksgrafik, von Kirchenbüchern oder Andachtsbildchen übernommen wurden. Neben Darstellungen von frommen Legenden, Heiligengestalten mit ihren Attributen, finden sich auch solche volkstümlicher Sagen, Märchen und Schwanke sowie satirischer Szenen, insbesondere solche, in denen die menschlichen Schwächen aufs Korn genommen werden. Die Bildchen widerspiegeln, was die Volksseele berührt, bewegt und worüber sie sich lustig macht.

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Anfänge der Krainer Bienenkultur

Die Bienenzucht, die in dieser Region einen grossen Wirtschaftszweig darstellt und durch die Zucht der Krainer Biene (Apis mellifica carnica) auch einen internationalen Ruf genießt, stellte schon im Mittelalter einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Mit der Zeidlerei schaffte man Aushöhlungen in Waldbäumen für die Bienenvölker. Ab dem 12. Jahrhundert wurden kleine Baumstücke abgeschnitten und samt Bienen und Honigwaben in Hausnähe aufgestellt. Später kamen die tunnelartigen Tröge und Halbklötze mit Holzskulpturen dazu. Die Bezeichnung «Bienenstock» erinnert noch an die frühen Anfänge der seinerzeitigen Waldbienenzucht.

Schon vor 1300 tauchen in Urkunden von Krain Hinweise auf die Bienenkultur auf: Vielfach wird Honig als Zinsabgabe verlangt, aber auch ganze Bienenstöcke werden als Klotzbeute an die Zinsherren abgegeben. Die Nachfrage nach Honig und Wachs wurde schließlich so gross, dass sich eine ausgebreitete Bienenzucht entwickelte. Im alpenländischen Raum, besonders in den Herzogtümern Krain und Kärnten, wurde die Bienenhaltung zudem durch Kaiser Karl V. gefördert, der 1519 anordnete, dass bei jedem Meierhofe ein Bienenstand sein soll. Ein Blick in die Kulturgeschichte der Slowenen verrät, wie wichtig die Imkerei war. Die Abbildung eines Bienenhauses aus dem Jahr 1679 ist überliefert. Der italienische Chemiker Scopoli beschrieb 1763 in seiner Entomologia Carniolica die Krainer Biene, die damals schon wegen ihrer Sanftmut geschätzt war.

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Die Blüte der Krainer Bienenzucht

Unter Kaiserin Maria Theresia vermochte sich dieses Gebiet, das endlich von feindlichen Einfallen verschont geblieben war, in der Landwirtschaft und in ihren Nebenzweigen immer mehr zu entfalten. Obstgärten wurden angelegt und in der Bienenzucht wurden die Bienenwohnungen ständig verbessert. Nach der Klotzbeute und den Strohstülpern oder mit Lehm überzogenen Rutenstülpern kamen schließlich die kastenförmigen Bienenbehausungen aus Holz.

Der erste Slowene, der von Kaiserin Maria Theresia zum Hofimkermeister ernannt wurde, war Anton Janscha aus Radovljica (Radmannsdorf) bei Bled. Er schrieb 1771 eine deutsche Fachabhandlung über die Imkerei.

Durch Imkermärkte gelangte die Krainer Biene nach Triest, Kärnten, Böhmen, Mähren und in die Schweiz. Die erste slowenische Bienenzeitschrift hiess «Das Bienchen von Krain» («Krajnska Cbeiica»). Die slowenische Volkskunst kennt heute noch verzierte Honigbrötchen und Wachsprodukte.

Die Krainer Bienenkästen

Es waren liegende Kisten, die neben und übereinander gelagert und durch ein Dach vom Wetter geschützt wurden. Mit der neuen Art des Bienenstockes entwickelte sich somit das Bienenhaus. Das Aufkommen dieser Krainer Stöcke wurde durch den Einsatz von Brettersägen begünstigt. Diese Kästen sind aus 60 bis 100 cm langen Brettern zusammengefügt und an den schmalen Frontseiten durch abnehmbare 20 bis 30 cm breite und 10 bis 20 cm hohe Stirnbrettchen abgeschlossen, die an ihrer Basis ein kleines Flugloch für die Bienen aufweisen. Diese «Bauernstöcke», «Bauernkästen» oder «Lagerstöcke» dienten nicht nur der besseren Übersicht, Pflege und Wartung der einzelnen Bienenvölker, sondern eigneten sich durch ihre Mobilität für die Wiesentracht (Wandertracht). Die Bergwiesen wurden mindestens 14 Tage später gemäht als die Talwiesen. Auch wurden solche Stöcke zur Zeit der Fichten und Buchweizenblüte dort aufgestellt um den begehrten Fichten und Heidehonig (Buchweizenhonig) zu ernten. Die Herkunft dieser Bienenwohnungen ist nicht ganz geklärt. Jedenfalls wurden diese liegenden Bienenstöcke aus Brettern nicht vor dem 18. Jahrhundert belegt.

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Impuls für bemalte Bienenstockbrettchen

Mit der Aussaat von Buchweizen wurden die Bienenstöcke also frei bewegbar. Bei der Wiesenblüte wurden sie in der Nähe dieser Buchweizenweiden aufgestellt. Die Bienenkästen wurden am Weiderand gestapelt und einzeln markiert. Dadurch wurde nach Ansicht der Forscher die Anregung für bemalte Bienenstockbrettchen gegeben. Dank der Forschungen des österreichischen Zoologen Karl von Frisch wissen wir heute um das Farbensehen der Bienen. Die bemalten Bienenstockbrettchen haben den Bienen als Orientierung gedient, aber dem Imker war dieses Phänomen damals unbekannt. Noch heute werden die Außenseiten von Bienenkästen farblich differenziert, wenn auch ohne künstlerische Note.

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Eine Frau zerrt ihren Mann aus dem Wirtshaus
Jahreszahl 1886; slowenischen ethnographisches Museum

Das Bienenhaus als Zeichen des Reichtums

Es war eine besondere Eigenart in der slowenischen Alpenzone, die den grössten Teil Sloweniens umfasst, und von hier ausgehend in die Südweststeiermark und nach Südkärnten bis nach Osttirol, die Stirnbrettchen künstlerisch zu bemalen. Die zum grössten Teil kindlich naiven, jedoch ausdrucksstarken Bilder, die Volk und Landschaft entsprachen, ziehen uns zu diesem Teilgebiet der Volkskunst direkt an. Das Zentrum dieses Verbreitungsgebietes war die Gegend um Kranj (Krainburg) und Radovljica (Radmannsdorf), wo damals jährlich grosse Bienenmärkte abgehalten wurden, die wesentlich zur Verbreitung der Krainer Biene bis nach Amerika beitrugen. Das Bienenhaus galt damals bei den slowenischen Bauern als Zeichen des Reichtums. Aus Besitzerstolz, aus Schmuckfreude, um Unheil abzuwehren  die Himmlischen sollten die Bienen vor Hexenzauber, Honigdieben und Krankheiten bewahren  vielleicht aber auch nur um die einzelnen Bienenstöcke zu kennzeichnen, begannen die Bauern die Stirnseiten ihrer länglichen Lagerstöcke bemalen zu lassen oder selbst zu bemalen. Das bisher älteste bekannte bemalte Stirnbrett stammt aus dem Jahr 1758 und zeigt ein Bild der Madonna.

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Das Bild der «verkehrten Welt»

Gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts, da die Biene als Symbol für Fleiss und Eifer galt und in der zeitgenössischen Wissenschaft Bedeutung erlangte, tauchten die ersten bemalten Bienenstockbrettchen auf. Das entspricht nicht nur der Wohlhabenheit des barocken Bauern, sondern dem zeitbedingten Trend, auch auf Dinge des alltäglichen Lebens künstlerisch aufmerksam zu machen. Kirchenmaler, Bauernmaler, jedoch meistens Laien wetteiferten ab diesem Zeitpunkt um Motive. Bemerkenswert ist allerdings, dass sogar einige bekannte Barockmaler wie Layer, Langus, Subic diese Brettchen auf Bestellung fertigten. Auffallend ist, dass es sich bei den kleinen Episoden, die nun auf die Bienenstockbretter gemalt wurden, in der Regel um lustige Szenen oder Spottmotive handelt. Als Hauptthema wird das Bild der «verkehrten Welt» vielfach variiert. Neben diesen weltlichen Szenen taucht immer wieder die Figur des Hiob aus dem Alten Testament auf, der laut Volksglauben auch von Insekten — hier mit Bienen in Bezug gebracht  geplagt wurde und so zum Patron der Krainer Imker avancierte. Besonders beziehungsreich ist das oft abgewandelte Thema «Waidmanns Begräbnis». Bekanntlich herrscht eine «Urfehde» zwischen Imker und Jäger, weil die knallenden Schüsse aus den Gewehren die Bienen vertreiben. Der böse Jäger wird auf den Stirnbrettchen genau von jenen zu Grabe getragen, die ihm sonst zum Opfer fallen: von den Tieren des Waldes. Dabei gehen die Geschöpfe des Waldes aufrecht, nur der Hund des Jägers muss sich weiterhin auf seinen vier Beinen fortbewegen. Ausgerechnet der Bär, sonst als Honigdieb gefürchtet, liest in der Rolle des Priesters das Brevier. Der Maler wurde also seinen Ärger dem Jäger gegenüber los. Lehnten sich vielleicht aber auch die Bauern mit diesen Bildmotiven gegen «die jagenden Herren» auf ?

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Frauen kochen eine Hosensuppe
Jahreszahl 187?, Imkermuseum Radovljica

Satirische Szenen

Unter den zahlreichen satirischen Motiven ist die Altweibermühle ziemlich oft vertreten. Das Verjüngungsmotiv ist uralt und dem Frühlingskult und Fruchtbarkeitszauber entsprungen. Jungbrunnen gab es sowohl in der antiken als auch in der nordischen Mythologie. Während in der mittelalterlichen Malerei die Verwandlung kultischen Charakter hatte, säkularisierte die Renaissancezeit dieses Thema und verwandelt es zu einem physischen Wunderwerk: Alte Leute werden jung. Als der Mythos seine religiöse Wertigkeit verloren hatte, ging er dann in verstärktem Maße in Sagen, Märchen, Erzählungen und in Fasnachts und Volksspiele über. In der Folge entstanden auch bildhafte Spottdarstellungen, in denen unter anderen die Mühle als Werkzeug der Verwandlung auftritt. Die älteste bekannte Darstellung der Altweibermühle ist ein holländischer Holzschnitt um 1600.

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Die reiche Phantasie der originellen Themen auf Bienenstockbrettchen sind im Volkskundemuseum in Ljubljana und im einzigartigen Imker und Bienenmuseum in Radovljica bei Bled zu bewundern. Außer Bibelszenen, Heiligen und historischen Szenen kommt die Satire auf Kosten der Frauen nicht zu kurz.

Auch einige Berufe wurden verspottet und selbst Themen über Mord und Totschlag fehlten nicht. Kurz: Es wurde gespottet und moralisiert und den Heiligen ein liebevoll bescheidenes Denkmal gesetzt. Die volkstümlichen Instrumente auf den Stirnbrettchen machten gar die Oberkrainer Musikanten weltberühmt.

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Szene aus der Legende der Genovefa von Brabant
Jahreszahl 1869, Imkermuseum Radovljica

Aus "Insektenkurier", Heft 66
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

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