Die Stempel von Immenstadt von 1790 bis 1915
Ein Beitrag von Wolfgang Appel

Eröffnet als vorderösterreichische Postanstalt zwischen 1771 und 1777 vermutlich infolge der Auseinandersetzung mit der Reichspost der Thurn und Taxis zu dieser Zeit. Da zu gleicher Zeit in Weiler im Allgäu ebenfalls eine vorderösterreichische Postanstalt eröffnet wurde, sollte wohl ein Kurs Kempten-Immenstadt-Weiler-Bregenz der Reichspost Konkurrenz machen. Es kann sich wegen der damaligen Straßenverhältnisse nur um einen Postritt gehandelt haben.

Vom 1. April 1777 an werden die vorderösterreichischen Posten um jährlich 15 000 fl an den Fürsten von Thurn und Taxis verpachtet. Immenstadt ist also vorderösterreichische Pachtanstalt und gehört keineswegs zur Reichspost. Der Offizial Burk ließ die Postanstalt Weiler 1778 schließen. Immenstadt blieb als vorderösterreichische Pachtanstalt bestehen.

Mit dem Zerfall des Reiches erledigte sich das kaiserliche Postregal; es ging auf die souverän gewordenen Staaten über. Bayern übertrug dem Fürsten von Thurn und Taxis die vormaligen Reichsposten in seinem Gebiet als Lehen auf 10 Jahre (am 11. Februar 1806). Wir hatten also im westlichen Allgäu und am Bodensee nun Taxische Lehensposten. Nach der kurfürstlichen Weisung vom 20. Dezember 1805 waren sämtliche Postbeamte innerhalb der bayerischen Landesgrenzen in kurfürstliche Pflichten zu nehmen und an Stelle der Reichsinsignien an den Posthäusern und Postwagen die bayerischen Wappen anzubringen. Das Postpersonal musste die schwarz-gelbe Uniform mit den bayerisch blauen Röcken vertauschen.

In den ehemals vorderösterreichischen Teilen des Allgäus gestalteten sich die postrechtlichen Verhältnisse folgendermaßen: Die bayerische Regierung erklärte die vorderösterreichischen Posten vom 15. April 1806 ab für aufgehoben und das Pachtverhältnis des Fürsten von Thurn und Taxis für beendet. Die ehemals vorderösterreichischen Posten wurden aber dem Fürsten nicht als Lehen übertragen, sondern als Kgl. Bayerische Posten auf Kosten des bayerischen Ärars betrieben. Ab dem 15. April 1806 war Immenstadt demnach bayerische Postanstalt. Im Posthandbuch von 1810 ist die Postexpedition/Posthalterei Immenstadt unbesetzt. Aber irgendjemand muss den Dienst versehen haben wie der Brief unten beweist. Es liegt nahe zu vermuten, dass der spätere erste bayerische Postexpeditor Jakob Welz schon für die Thurn und Taxis in der vorderösterreichischen Pachtanstalt Immenstadt gearbeitet hatte. Waren meistens Wirte mit gtoßen Gasthäusern Postmeister/Posthalter. Hierzu gehörte es auch einen Poststall zu unterhalten. Wie viele reiche Wirte hat es damals in Immenstadt gegeben? Sie sehen, hier liegt noch Forschungsbedarf.


Brief 1806 von Immenstadt nach Frankreich

Erster Postexpeditor, der im Vertragsverhältnis mit der Königl. Bayer. Post steht, ist der Wirt Jakob Welz. Nach Hinterlegung einer Kaution von 500 fl (Gulden) wird er am 21. 5. 1810 zum kgl. Postexpeditor berufen. Die Postexpedition und der Poststall waren im Gasthaus zum "Goldenen Kreuz" (Bahnhofstr. 13 - 15) untergebracht, das deshalb später den Namen zur "Post" erhielt. Den Postdienst versah ein Postschreiber. Der Postexpeditor hatte vierteljährlich das Briefporto mit dem Oberpostamt in Augsburg zu verrechnen. Davon erhielt Postexpeditor Jakob Welz die Hälfte des Portoanteils bei der reitenden und ein Zehntel bei der fahrenden Post als Entschädigung für seine Dienste.

Nachfolger des Jakob Welz (* 06.02.1758, + 29.07.1835) war sein Sohn Johann Nepomuk Welz (*16.05.1796, + 06.02.1856), der allerdings schon seit dem 20.11.1826 neben seinem Vater Postexpeditor und Poststallhalter war. Nach seinem Tode bewarb sich die Witwe Therese Welz geb. Rist (* Pfronten-Ried 25.12.1813, + 03.01.1891) um Postexpedition und Poststall. Doch den Zuschlag bekam der Bahnexpeditor Franz Xaver Wiedemann (* 11.08.1819). Die Witwe Welz, welche die Postexpedition noch einige Monate geleitet hatte, trat mit dem 1.1.1857 in den Ruhestand.

Nr.  Abbildung Beschreibung
1 Einzeiler
Typ Winkler 2b
verwendet 1790
2 "adliger" Stempel
Typ Winkler 1
verwendet 1794
3 "adliger" Stempel
Typ Winkler 1
verwendet 1800
4 Rayonstempel
Typ Winkler 3b
verwendet 1805
5 gekürzter Rayonstempel
Typ Winkler 5b
verwendet 1822
6 Fingerhutstempel
Typ Winkler 9
verwendet 1834 - 1862/63
7 Halbkreisstempel
Typ Winkler 11b
Antiqua
ohne Stundenangabe
höhere jüngere Form
verwendet 1850 - 1866
8 Halbkreisstempel
Typ Winkler 12a Grotesk N
Normalschrift
verwendet 1862 - 1875
9 Kastenstempel
Typ Winkler 15
verwendet 1862 - 1875
10 Einkreisstempel
Typ Helbig 21a
hohe Grotesk
doppelte Stunde, ohne Jahr
verwendet 1870 - 1880
11 Einkreisstempel
Typ Helbig 19a
Grotesk
Stunde einfach, ohne Jahr
verwendet 1876 - 1879
12 Einkreisstempel
Typ Helbig 21a
verwendet ?
13 Einkreisstempel
Typ Helbig 21b
hohe Grotesk
doppelte Stunde, mit Jahr
verwendet 1884 - 1886
14 Einkreisstempel
Typ Helbig 21b
sehr hohe Grotesk
doppelte Stunde, mit Jahr
verwendet 1889 - 1891
15 Einkreisstempel
Typ Helbig 19b
(Scan etwas verzerrt)
Grotesk
Stunde einfach, mit Jahr
verwendet 1890
16 Helbig schreibt: Ein angeblich existierender Punktstempel vom Typ 28 konnte bislang nicht eindeutig festgestellt werden.
17 Einkreisstempel
Typ Helbig 30b
verwendet 1898
18 Einkreiser
Typ Helbig 30b
niedrige Grotesk
Monat in  Buchstaben, Doppelstunde  mit Jahr
verwendet 1903
19 Doppelkreisstempel
Typ Helbig 37a
zwei Sterne
verwendet 1902 - 1920
20 Einkreiser
Typ Helbig 30b
(Scan etwas verzerrt)
niedrige Grotesk
Monat in Buchstaben, Doppelstunde mit Jahr
verwendet 1904 - 1906
21 Einkreiser
Typ Helbig 30b
"Schriftband enger"
niedrige Grotesk
Monat in  Buchstaben, Doppelstunde mit Jahr
verwendet 1907 - 1910
22 Einkreiser
Typ Helbig 30b
niedrige Grotesk
Monat in Buchstaben, Doppelstunde mit Jahr
verwendet 1912 - 1914
23   Einkreiser
Typ Helbig 30b
niedrige Grotesk
Monat in Buchstaben, Doppelstunde mit Jahr
verwendet 1915 - 1917
24 Einkreiser
Typ Helbig 30b
"breites D"
niedrige Grotesk
Monat in Buchstaben, Doppelstunde mit Jahr
verwendet 1918 - 1920
25 Aushilfsstempel
Typ Helbig A 3.2
verwendet 13.12.? - 15.12.?
26 Aushilfsstempel
Typ Helbig A 5.1
verwendet 8.7.1893
27

Kastenstempel
Sonderform
verwendet 1915
Bewertung 15 €

Helbig schreibt: Stempelfarben
Blau und Rot, Rot dubios.

Mühlradstempel aus Immenstadt

I.    143
II.   224
III.    -



Mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Appel
Quelle: http://www.bayernsammler.de 

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