Vergil verherrlicht Bienen und Honig

Der römische Dichter Vergil, Publius Vergilius Maro, (70 v.Chr. bis 9 v.Chr.) schrieb zehn Hirtengedichte («Eclo-gae»), pries in der «Georgica» den Landbau und unternahm, im großen Epos von Äneas, der «Aeneis», eine Deutung der weltgeschicht­lichen und sittlichen Sendung Roms von der Ordnung des ersten römischen Kaisers Augustus (*63 v Chr., 114 n.Chr.), in der Vergil die Vollendung der Geschichte Roms sah. In der romanischen Welt gilt Vergil heute als «Vater des Abendlandes». Das klassische Werk der Alten über die Bienen bildet die vierte Ekloge der Georgika von Vergil. 

Vergil nahm stets reges Interesse am Landbau und wohnte auch meistens auf seinem fruchtbaren Landgut, einem Geschenk des Kaisers, wo er sich außer der Landwirtschaft mit der Dichtkunst beschäftigte. Er war der erste Römer, der Themen des Ackerbaus, der Baum-, Vieh- und Bienenzucht poetisch behandelte. Auf diesen Gebieten hatten sich wohl schon Hesiod, Aratus, Nikander und andere versucht, aber ohne Erfolg. Erst Vergil gelang es, den scheinbar spröden Stoff harmonisch zu gestalten. Sein Werk ist diktiert von inniger Hingabe zur Landwirtschaft und zu seiner Heimat. Es war eine mutige Tat zu einer Zeit, wo es galt, den infolge Bürgerkriege vernach­lässigten Ackerbau wieder zu Ehren zu bringen. Deshalb wurden seine Werke auch in vielen Schulen gelesen und gelehrt und von anderen Dichtern nachgeahmt. Auch Vergil huldigt der im Altertum viel­verbreiteten und von Aristoteles, Hesiod und Plinius vertretenen Ansicht, nach welcher man im Honig ein himmlisches Geschenk sah, das als eine Art Tau aus der Luft falle. Deutlich hat das Vergil formuliert Die Entstehung dieser Vorstellung erklärt sich aus dem Phänomen des Honigtaus, jener Krankheit der Blätter, die plötzlich von einer klebrigen, meist süßen Ausscheidung überzogen werden. Daher die Benennungen «Tauhonig», «Lufthonig» und «herunterregnender Honig». Plutarch nennt den Honig «Speichel der Gestirne».

Immerhin gibt Vergil dem Bienenzüchter auch viele praktische Lehren aus der Praxis. So sollte sich der Stand der Bienen an einem sonnigen, windfreien Ort, womöglich in einem Tale in der Nähe des Wohnhauses befinden. Der Bienenstand sollte gegen Schwalben und wilde Tiere geschützt, von Bäumen umgeben und überhaupt keiner Störung ausgesetzt sein. Vergils große Kenntnisse der Bienen und ihrer gesamten Aktivität sowie sein nie nachlassendes Interesse dafür zeigt er in der genauen und liebevollen Beschreibung im erwähnten vierten Buch der Georgika. 

virgil22.jpg (28008 Byte)

Bei den reichen Römern galt die Bienenzucht als Modesache. Der Honig wurde hochgeschätzt, noch mehr aber der Honigwein, der bei Siegesfesten den Soldaten gereicht wurde und der den Ruf besaß, das Leben zu verlängern. Mit dem Wohlstand stiegen die Ansprüche. So verbesserte man den Honigwein durch Veilchen, Rosen und andere wohlriechende Kräuter, mit Zimt, Safran, Mandeln und anderen Gewürzen. Es gab viele Geheimrezepte und Spezialitäten, die man sich gut bezahlen ließ Auch dem Wein wurde Honig beigemischt.

Zur Zeit Vergils und besonders nachher standen Bienenzucht und Handel in voller Blüte. Zu jedem Landwirtschaftsbetrieb gehörte ein Bienenstand, der von einem eigenen Bienensklaven betreut wurde. Trotz großer einheimischer Erzeugung mußte noch viel Honig eingeführt werden. Er kam von Kreta, Zypern und anderen griechischen Inseln und aus Spanien. 

Die Ärzte kannten viele Heiltränke, die mit Honig zubereitet waren. Dem Kaiser Augustus soll der gesundheitliche Rat gegeben worden sein: «Wenig Fett, aber viel Honig!». Nach Vergil erschienen Bienen bei dem König Latirius, um ihm die Ankunft des Annäas kund zu tun Vergil pries die Biene für unsterblich, da sie die Seele des Menschen repräsentiere. (

Aus "Insektenkurier", Heft 51
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"

Eine Seite zurück / one page back

      www.Bienenmarken.de     
Die Welt der Bienen auf Briefmarken
The world of bees on stamps

© 2004-2011 by TAURACHSOFT

zur Startseite / to the start