Die "Zeidlerei"


Die Zeidlerei (auch Zedlerei) war im Mittelalter das gewerbsmäßige Sammeln des Honigs wilder oder halbwilder Bienenvölker, das von Zeidlern ausgeübt wurde. Das Wort kommt vom altdeutschen „zeideln“ („Honig schneiden“). Honig schneiden deshalb, weil hier anders als heute die gesamte Honigwabe entnommen (erbeutet) wurde, dabei war der Fortbestand des Bienenvolkes nachrangig. Honig und Wachs konnten sofort verwertet und weiterverarbeitet werden.

Der Zeidler oder Zeitler, dessen Beruf sich bereits im Frühmittelalter nachweisen lässt, sammelt den Honig wilder, halbwilder oder domestizierter Bienen in den Wäldern. Er hält, anders als der Imker im heutigen Sinne, die Bienen nicht in gezimmerten Bienenstöcken oder Bienenkörben.


Zeidler auf einer polnischen Marke

Man hieb alten Bäumen künstliche Höhlen (Beuten) in etwa sechs Meter Höhe ein und versah den Eingang mit einem Brett, in das ein Flugloch eingebracht war. Ob eine Beute von Bienen beflogen wurde oder nicht, hing ganz vom natürlichen Umfeld ab und wechselte jedes Jahr. Auch entwipfelte man die Bäume, um dem Windbruch vorzubeugen.

Wichtige Standorte der Zeidlerei waren im Mittelalter Gebiete im Fichtelgebirge und im Nürnberger Reichswald. In Bayern etwa ist eine Waldbienenhaltung bereits für das Jahr 959 in der Gegend von Grabenstätt nachgewiesen. Aber auch auf dem Gebiet des heutigen Berlin hat es ausgedehnte Zeidlerei gegeben, insbesondere im damals noch sehr viel größeren Grunewald.


Mittelalterliche Zeidlerzeichen

Vor allem im Nürnberger Umland gibt es immer noch zahlreiche Hinweise auf das dort früher blühende Zeidlerwesen. Der Honig war wichtig für die Nürnberger Lebkuchenproduktion; der Nürnberger Reichswald („Des Heiligen Römischen Reiches Bienengarten“) lieferte genug davon.

Im 10. Jahrhundert wurde der Honig aus Waldbienenwirtschaft gewonnen und stellte die einzige Quelle für Süßstoff dar. Der schleichende Niedergang der Zeidlerei verlief in Europa von West nach Ost. Der Niedergang wurde eingeleitet durch die Einfuhr von Rohrzucker, der aber noch im 17. Jahrhundert so teuer war, dass ihn sich nur reichere Leute leisten konnten. Erst der Anbau von Zuckerrübe im 19. Jahrhundert änderte die Situation grundlegend.


Auch postalisch ist das Thema Zeidlerei" für uns Motivsammler interessant. Beispielsweise im Werbefeldes dieses Absenderfreistempels der "Zeidler-Magazine" (eine Beutenart) bewirbt:

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Ebenso ist dieser Sonderstempel "100 Jahre Imkerverein Lebach" (1999) recht sehenswert. 

Er zeigt einen Zeidler in seiner typischen Tracht des 16. Jahrhunderts mit der typischen langen Zipfelmütze. Als Bewaffnung ist die Armbrust zu sehen. Allein hieran kann man schon den hohen Stellenwert von Honig und Wachs erkennen, wenn die Leute, die ihn ernten, bewaffnet sein dürfen (das Schwert ist auf diesem Stempel nicht erkennbar).

Zeitweise (und regional sehr unterschiedlich) hatten die Zeidler sogar eine eigene Gerichtsbarkeit.

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Ein weiteres Beispiel ist dieser Absenderfreistempel  "Landesverband' of Bayerischer Imker" aus Nürnberg. In einer Bienenwabe ist ebenfalls ein Zeidler auf einem Bienenkorb stehend zu sehen.

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