Alle zwei Jahre treffen sich die Imker
der ganzen Welt zu einem Kongress und zwar abwechselnd in einem europäischen
Land und in Übersee. In einer, für die Teilnehmer und die
Organisatoren, anstrengenden Woche werden neueste Ergebnisse der
Forschung in Wort und Bild abgehandelt. Damit verbunden ist eine
Fachschau, sowie gelegentlich auch eine Briefmarkenausstellung. So
geschehen 1987 in Warschau/Polen. Zu jedem Kongress sind auch Marken,
Stempel oder beides erschienen.
Für 1991 hatte sich Jugoslawien
beworben und hatte auch den Zuschlag bekommen. "Doch mit des
Geschickes Mächten ist kein ewger Bund zu flechten", das Schicksal
hatte anders entschieden. Statt Kongress gab es den unseligen Bürgerkrieg,
der immer noch nicht ganz beendet ist. Hoffen wir, daß die leidgeprüften
Menschen bald echten Frieden bekommen.
Neben den Vorbereitungen für den Kongress
waren natürlich auch Pläne für eine Marke sowie Stempel und FDC bald
fertig und in die Tat umgesetzt. Als dann der Krieg offen ausbrach, war
nichts mehr rückgängig zu machen. Die Belege waren fertig und wurden
an Interessenten versandt.
Die Marke ist noch eine Premiere für
sich. Zum ersten Mal sind der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger
Professor Dr. Karl von Frisch und der Gegenstand seiner Forschung , die
Sprache der Bienen, auf einem Postwertzeichen zu sehen.
Dargestellt ist der sogenannte Schwänzeltanz.
Die Honigbiene hat mit ihrer Tanzsprache eine Möglichkeit entwickelt,
die Entdeckung einer lohnenden Trachtquelle höchst effektiv den Sammelbienen
eines Volkes mitzuteilen. Dabei werden fünf verschiedene Informationen
übermittelt.
Für Entfernungen bis 100 Meter vollführt
die Trachtbiene, die die Entdeckung gemacht hat, den Rundtanz. Die
anderen Sammelbienen laufen ihr nach und erfahren so die notwendigen
Informationen. Für größere Entfernungen bis höchstens5 Kilometer
zeigt die Spürbiene den Schwänzeltanz. Sie läuft in etwa eine Acht.
Jedesmal, wenn sie die Strecke zwischen den beiden Kreisen einschlägt,
"schwänzelt" sie mit dem Hinterleib, dadurch teilt sie die
Entfernung zur Trachtquelle mit, durch die Richtung den Winkel für die
Flugrichtung im Verhältnis zum Sonnenstand. Diese Figur ist auf der
Marke dargestellt. Eine Biene läuft auf der "Linie" entlang.
Die Biene im Sonderstempel trägt
"Höschen" an den Hinterbeinen, aufgesammelten Blutenstaub,
den Pollen, den sie zur Eiweißversorgung der Bienenbrut in den Stock trägt.
Beim Sammeln des Pollens bestäubt sie die von ihr aufgesuchten Blüten.
Dabei bleibt sie einer Pflanzenart treu, sie ist "blütenstetig",
bis die letzte Samenanlage bestäubt und befruchtet ist.
Noch ein kleines Wunder: Wenn die
Biene eine Blüte besucht hat, zerstört sie nichts, sie verzehrt keine
Pflanzenteile und zertritt nichts. Jede andere Tierart lebt auf Kosten
anderer Tiere oder verzehrt Pflanzen und Samen. Würde die Biene die Blüte
nicht besuchen, wären der Pollen und der köstliche Honig gar nicht zu
bekommen.