Presseberichte
 

 

Insekten auf Briefmarken

Um es gleich vorweg zu sagen, die Zahl der auf Briefmarken zur Darstellung gebrachten Insekten ist sehr kümmerlich. Bislang wurden meines Wissens nur zwei Nutzinsekten — Seidenspinner und Honigbiene — und ein Schadinsekt — Anophelesmücke — als Bildmotive verwandt.

Der Seidenspinner erscheint auf einer Markenausgabe des Großlibanon im Jahre 1930 (Senf: No. 159—164). Das Bild zeigt den Falter, die Seidenraupe, den Kokon und ein Maulbeerblatt, als Zeichen, daß der Maulbeerbaum der Raupe als Fütterpflanze dient. Der Anlaß zu dieser Ausgabe, der „Kongressder SeidenKultur", steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bildinhalt. — Soweit ich feststellen konnte, ist auf dieser Briefmarkenserie zum ersten und einzigen Male ein Schmetterling abgebildet worden, obschon doch die Falter zu den artenreichsten und schönsten Lebewesen in der Fauna gehören. Es gibt rund 200.000 verschiedene Falter, davon ist der größere Teil Nachtfalter, der kleinere Teil Tagfalter.

Bulgarien zeigt in seiner Werbeausgabe für die bulgarische Wirtschaft aus dem Jahre 1940 (Michel: No. 408, 416, 417) einen Bienenkorb, der von Bienen umflogen wird. Die Biene selbst ist allerdings auf dem Bilde kaum als solche zu erkennen. Bei dem Motiv ist auch in erster Linie an das Bienenvolk — vielleicht als Sinnbild des Fleißes — gedacht und nicht an das einzelne Tier. In einer zweiten Ausgabe des gleichen Jahres sieht man einen Imker vor Bienenkästen bei der Honigernte. Hier ist vom Insekt selbst nichts zu sehen.

Das Schadinsekt Anophelesmücke oder Moskito wird von Mexiko 1939 auf einer Beisteuermarke zugunsten der Malaria-Bekämpfung gezeigt (Senf: Beisteuermarken II/l). Die Anophelesmücke ist das Wirtstier des Plasmodium Malariae und die Überträgerin des gefürchteten Malaria-Fiebers. Das Fieber selbst wird durch ein winziges, einzelliges Lebewesen, eben das Plasmodium Malariae, hervorgerufen. — Die Zahl der Darstellung von Insekten steht, wie man sieht in gar keinem Verhältnis zu den Darstellungen anderer Tiere. Das Pferd allein wird z. B. von 45 verschiedenen Ländern als Bildmotiv, — sei es als Einzelmotiv oder in einer Szene —, verwandt, dabei sind die Darstellungen als Wappentier oder beispielsweise als Reiterstandbild noch nicht einmal mitgezählt. Sehr häufig sind auch das Kamel, das Rind abgebildet, ferner von den Wildtieren Löwe, Tiger, Leopard, Adler, Möve usw., usw. .

Woran mag es liegen, daß man das Insekt als Bildmotiv bislang so wenig beachtet hat? Verständlich ist, daß das Pferd als eines der treuesten Haus- und Nutztiere so oft und immer wieder dargestellt wird. Aber schon der Hund wird stiefmütterlicher behandelt, obschon er als Hausgenosse noch älter als das Pferd ist. Die Nutzinsekten Biene und Seidenspinner sind ebenfalls seit einigen tausend Jahren dem Menschen dienlich, aber dennoch hat man ihnen so wenig Interesse entgegengebracht, daß man sie eben nur je einmal dargestellt findet. 

Daß das Interesse, Schadinsekten abzubilden, nicht gerade groß ist, ist verständlich. Und wenn die Anophelesmücke hier die Ausnahme bildet, so nur deshalb, weil sie als Krankheitsüberträgerin sehr eng mit der Menschheitsgeschichte verknüpft ist.

Leider hat man bis heute die buntschillernden Schmetterlinge, wahrscheinlich ganz unbewußt, als ansprechendes Markenmotiv übersehen, obschon sie, in Farben- und Formschönheit wohl kaum von anderen Lebewesen übertroffen werden können. Viele Länder haben seltene wilde Tiere als Charakteristika ihres Landes dargestellt und haben ganz zu Unrecht ihre Schmetterlinge oder Käfer vergessen, wie z. B. die südamerikanischen Staaten, Australien, Liberia oder auch Nordamerika oder Indien.

Wie die DBZ (No. 2/50 S. 43/44) mitteilt, beabsichtigt die Schweiz, in den nächsten Jahren — sehr zur Freude der Entomologen unter den Sammlern — Insekten als Markenmotive zu verwerten. Wir dürfen gewiß sein, daß die Schweiz diese Motive und die Märken sehr schön und reizvoll gestalten wird und daß sicherlich, genau wie bei den Darstellungen der Blumen, bald andere Länder mit gleichen oder ähnlichen Motiven folgen werden.

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