Presseberichte
 

Dr. Johannes Dzierzon — Polen 1956 • 4O und 6O Gr.

Wer ist der Mann mit dem kantigen Seebären-Gesicht und den zusammengekniffenen Äuglein auf der neuen polnischen 60-Groschenmarke? Man würde nicht leicht einen katholischen Pfarrer in ihm 'vermuten! Die Darstellung auf der 40-Groschenmarke derselben Serie verrät, daß er es mit den Bienen hatte. Die Serie erschien aus Anlaß des 50. Todesages des „Schlesischen Bienenvaters", des „Bienenherzogs von Karlsmankt", des „Kopernikus des Bienenstocks". So und ähnlich benannte man Pfarrer Dzierzon schon zu Lebzeiten.

Sein Leben,- es währte über 95 Jahre: von 1811-1906 - war von äußerem Glanz umstrahlt und doch wieder von tiefer Tragik überschattet. Die EntdeckungderParthenogenesiaderBienenkönigin und andere Beobachtungen aus dem Bienenleben,sowie die Erfindung der beweglichen Bienenwabe, brachten ihm das Ehrendoktorat der Universität München und viele andere Ehrungen und Auszeichnungen ein. Eine Flut von Orden  ging über ihn  ieder: Der 'Großherzog von Hessen verlieh ihm den Ludwigsorden  und  Preußen  denKronenorden  IV.  Klasse, der Kaiser von Österreich ehrte ihn mit dem Franz-Josephs-Orden und der Zar von Rußland mit dem St.  Annenorden,  der schwedische König dekorierte ihn mit dem Wasa-Orden. 

Es verging fast keine Jahr, in dem Dzierzon nicht ein Ehrendiplom der einen oder anderen gelehrten  Gesellschaft erhielt.  Kein  Ende  nahmen die Einladungen zu Vorträgen über seine Imkererfahrungen. Selbst nach dem Kaukasus lud man ihn ein. Kärlsmarkt  in Schlesien, wo er Pfarrer war, wurde das Ziel aller  lernbegierigen  Imker. Diese kamen nicht nur aus allen Gauen Deutschlands,  sondern auch aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, England und Rußland. Er war Mitarbeiter fast aller damals bekannten Imkerei-Fachblätter. 

Waren denn seine so unscheinbaren Entdeckungen und Neuerungen wirklich so weltbewegend? Die Bedeutung seines Systems, — in Amerika prägte man dafür den Ausdruck „Dzierzonism" — wird einem sofort klar, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Einnahmen ihm die von ihm selbst begründete rationelle Bienenzucht einbrachte: Er konnte sich in Karlsmarkt ein eigenes Haus bauen und 20 Hektar Land erwerben,  das  er teilweise  für den Friedhof  zur Verfügung stellte.

Er imkerte in 400 der von ihm erfundenen Beuten mit dem beweglichen  Rähmchen. Seine  Bienenvölker standen auf 12 verschiedenen Ständen in Karlsmarkt und in den 10 zur Parochie gehörenden Ortschaften in einer Entfernung von 2 bis 10 km. Vor Dzierzon imkerte man in Strohkörben  oder in den sogenannten Klotzbauten, d. h. in ausgehöhlten Baumstämmen. Die Erfindung des Mobilbaus durch Dzierzon eröffnete den Weg zur rationellen Bienenzucht: Das bewegliche Wabenrähmchen erleichterte die Entnahme des Honigs, es ermöglichte die Schaffung von Ablegern und die Umwechselung der Völker, es gestattete dem Imker das Schwärmen der Bienen einzuschränken, es machte möglich, die Bienen auf den billigeren Zucker statt auf Honig überwintern zu lassen usw. 

Vor allem aber machte das bewegliche Rähmchen eine systematische Beobachtung des Bienenlebens  möglich. Diesem Rähmchen und der scharfen Beobachtungsgabe Dzierzons verdanken wir die Entdeckung der Parthenogenesia im Leben der Bienen, d. h. die Entdeckung, daß die Bienenköniginoder ersatzweise eine Arbeitsbiene auch ohne Begattung lebende Nachkommenschaft zur Welt bringt; ferner, daß es von dem Willen einer begatteten Königin abhängt, ob sie jeweils befruchtete oder  unbefruchtete  Eier  legt, aus denen Königinnen, Arbeitsbienen oder Drohnen erbrütet werden. Dzierzon ist bei der Bekanntgabe seiner Entdeckungen  ausgelacht worden.  Erst als so große Physiologen wie Dr. Siebold und Dr. Leukardt unter dem Mikroskop seine Angaben bestätigt fanden, gewann Dzierzons Name Weltruf. Dieser hervorragende  Mann sah  sein  Lebenswerk mit großen Erfolgen gekrönt. Aber auch das ihm bestimmte Maß von Bitternis und Enttäuschungen blieb ihm nicht erspart.

 Als er seine  Pfarrkinder, arme  agelöhner, vor ihrem Arbeitgeber, dem Domänenpächter in Schutz nahm, zog er sich dessen Feindschaft zu. Für den Gutspächter  war  es  ein  Leichtes, Anklaegpunkte gegen Dzierzon bei der bischöflichen Kurie vorzubringen;  er vernachlässigte im Sommer wegen seiner Bienen den Gottesdienst selbst anSonntagen, halte  den  Religionsunterricht  der Kinder nicht regelmäßig und leihe Geld gegen Wucherzinsen aus. Von dem letzten Vorwurf vermochte sich Dzierzon zu reinigen,  aber wegen  seiner Pflichtvergessenheit ist er in zwei Instanzen zur Buße verdonnert worden. 

Er appellierte an den Apostolischen Stuhl, aber weil er die Appellationsfrist nicht eingehalten hat, bleibt auch dieser Schritt erfolglos. Diese Vorgänge drängten ihn auf eine verhängnisvolle Bahn. Nach der Verkündigung des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes durch das Vatikanische Konzil, schloß er sich 1873 der Gegenbewegung in Deutschland an, die in Schlesien zum Altkatholizismus führte. Er wurde exkommuniziert und mußte sein geistliches Amt aufgeben. 1884 siedelte er nach seinem Geburtsort Lowkowitz (Kreis Kreuzburg) über, das 1936 ihm zu Ehren in Bienendorf umbenannt wurde. 32 Jahre lebte Dzierzon getrennt von der Kirche und söhnte sich erst 1905 - eineinhalb Jahre vor seinem Tode - im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte mit ihr aus. ."Rührend und geradezu erbauend" schreibt der damalige Pfarrer von Lowkowitz, war die Andacht, mit der Dzierzon die hl. Kommunion nach über 30 Jahren zum ersten Male wieder empfing. „Nun ist es hell geworden in meiner Seele"! sagte er laut. Darauf sang der 94-.jährige Greis: „Jesus, dir Ich ich. Jesus, dir sterb ich, Jesus, dein bin ich im Leben und im Tod!"

Bedeutungsvolle Worte aus dem Munde eines bekehrten Priesters ! Als Dzierzon krank wurde und das Zimmer nicht mehr verlassen konnte, ließ er einen belegten Bienenstock im Krankenzimmer aufstellen, um vom Bette aus den Flug und das Treiben der Bienen beobachten zu können. Auf dem Sockel seines Grabmals stehen die Worte, die Dzierzons Wahlspruch gewesen sind: „Wahrheit, Wahrheit über alles!"

Die polnische Postverwaltung ehrt da Andenken Dzierzons durch die Herausgabe der beiden Briefmarken und durch die Verwendung eines Sonderstempels.

www.Bienenmarken.de            
Die Welt der Bienen auf Briefmarken
The world of bees on stamps

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