Bayern


Burg Henneburg
Gemeinde Stadtprozelten, Landkreis Miltenberg

Die Burganlage gliedert sich in die Oberburg, bestehend aus Vorburg und Kernburg, sowie die äußeren Anlagen mit Hals- und Ringgraben und der mainseitigen Schutzmauer. Erhalten sind die die Oberburg umschließenden Befestigungen, mehrere Burgtore, sieben Mauertürme oder deren Reste, die beiden Palasruinen, großer und kleiner Bergfried sowie der rund 150 Meter lange, durch Abgänge in den Mauertürmen begehbare unterirdische Wehrgang, der den südwestlichen Torbau mit dem nördlichen Anlagenteil verbindet. 

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Man betritt die äußere Burganlage von Nordosten durch ein kleines Vortor. Ein Fußweg führt an der mainseitigen Burgmauer entlang zum Torhaus der Vorburg, dem eigentlichen Eingang.

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Vorburg 

Eine Holzbrücke über den Ringgraben führt zunächst zum spätgotischen Vortor des Torbaus, dem eine jüngere, aber ebenfalls spitzbogige Einfahrt zur Vorburg folgt. Beide Tore bestehen aus einem Haupttorbogen und einer Fußgängerpforte. Die Jahreszahl 1523 an der ersten Pforte bezieht sich auf dessen Renovierung. Über dem inneren Tor sind im Hochrelief zwei Hunde zu sehen, wahrscheinlich ein Hinweis auf das Geschlecht der Rüd von Kollenberg. Gleich linker Hand nach dem Torbau befindet sich die Burgschänke.

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Die Vorburg, auch als Zwinger oder Oberer Torweg bezeichnet, stammt mit der östlichen, zum Main zeigenden und der nordöstlichen Vormauer mit dem Halsgraben aus der Zeit der Deutschherren. Vier Türme in der östlichen Vormauer mit einem Durchmesser von etwa 4,5 bis 6,8 Metern schützten die äußere Torzufahrt. Der mittlere Rundturm trägt einen Konsolenkranz für einen ehemaligen, hölzernen Wehrgang in halber Mauerhöhe. 

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Im hochgotischen Torhof, dem Durchgang zur Kernburg, befinden sich drei zierliche Torbögen. Das nach dem Vorbild in der Gelnhäuser Kaiserpfalz um 1170 bis 1190 ausgeführte doppeltreppige Stufenportal des Burgtores betont die damalige Bedeutung der Burg. Im 14. Jahrhundert wurde das Burgtor durch ein einfaches Vorwerk ergänzt und ein zusätzliches zweites innen hinzugefügt, sodass der Zugang zur Kernburg sehr repräsentativ erschien.

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Kernburg 

Die Kernburg, die man durch den Torhof betritt, ist der älteste Teil der Henneburg. 

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Hier befinden sich der große Bergfried und der östliche Palas aus staufischer Zeit und der kleine Bergfried und der westliche Palas aus der Zeit der Deutschherren. Umgeben wird die Kernburg von einer ebenfalls staufischen, fast geschlossenen Ringmauer, die im Bereich des großen Bergfrieds und des östlichen Palas mit Buckelquadern aufgemauert wurde, während das Mauerwerk der Ringmauer beim gleichzeitig errichteten Burgtor aus Bruchsteinen besteht. Die Rückwand des westlichen Palas ist Teil der westlichen Ringmauer und als Mantelmauer ausgebildet. Das südwestliche Teilstück der Ringmauer zwischen Bergfried und Burgschänke fehlt heute.

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Das mit einer Grundfläche von 10,5 x 11 Metern relativ große, wohnturmähnliche Gebäude des östlichen Palas besteht aus drei, ursprünglich vier Stockwerken, Im Obergeschoss finden sich Reste eines Kamins. Die Baufuge zum südlich anschließenden gotischen Wohnbau ist deutlich zu sehen.

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Der am nördlichen Rand der Kernburg stehende, 25 Meter hohe große Bergfried hat eine Grundfläche von 9,8 x 9,8 Metern. In dem aus einer Buckelquaderverbindung bestehenden Bau befindet sich in etwa zehn Metern Höhe der ursprüngliche Eingang, an dem noch die Aussparungen für das Türhaus und die Brücke zum benachbarten westlichen Palas zu sehen sind. Auch das Innere des Turmes ist ähnlich sorgfaltig wie das Äußere mit fein bearbeiteten Quadern aufgemauert. Die Bearbeitungsqualität der Buckelquader nimmt jedoch im oberen Bereich des Turmes deutlich ab. Dies lässt auf einen raschen Abschluss der Bauarbeiten durch äußere Zwänge oder auf Geldmangel schließen. Im großen Bergfried sind zwei, über eine komplizierte Gangführung erreichbare Aborte angelegt, die über einen Schacht in der Turmwand und über eine Rinne in den Burggraben entleert wurden.

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Im Gegensatz zum östlichen Palas ist der nach 1321 vom Deutschen Orden erbaute westliche Palas besser erhalten. Er besitzt einen sechseckigen Treppenturm und Reste von zwei 14 x 5,5 Meter und 10,5 x 5,5 Meter großen Sälen. Die noch vorhandenen Kragsteine trugen die hölzerne Galerie, die die Räume untereinander verband. Der kleine Bergfried schließt den westlichen Palas zur Südwestseite hin ab. Sein Eingang war vom dritten Obergeschoss des Palas aus zu erreichen, etwa in Höhe des Wehrganges der westlichen Vormauer. Das Turminnere weist keine Geschosse mit Aufenthaltsräumen auf, es gibt nur einen durchgehenden Treppenaufstieg. Der kleine Bergfried ist aus Bruchsteinwänden errichtet, die durch Eckbuckelquader verklammert sind.

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Vormauer

Anfang des 15. Jahrhunderts wurde zum Schutz vor Angriffen über die westliche Landseite der Henneburg eine etwa 150 Meter lange und etwa 2,3 Meter starke Vormauer errichtet. Ein viereckiger und drei runde Grabentürme mit 5,3 bis 6,7 Metern Durchmesser bewehren zusätzlich das Bollwerk. Die Türme sind durch eine unterirdische Galerie mit zusätzlichen Schießscharten miteinander verbunden. Vom südlichen Gebäude der Kernburg, heute Burgschänke, führt ein Gang in Höhe des quadratischen Grabenturmes zur Galerie. Alle vier Türme sind in einzelne, durch Treppen verbundene Geschosse mit Schießkammern und Gewölben unterteilt. Der nördliche Teil der Vormauer besteht aus großen Quadern, der ältere südliche aus Bruchsteinmauerwerk.

Es wird vermutet, dass der dem Ringgraben von 15 Metern Breite westlich vorgelagerte Wall eine eigene zweite Vormauer getragen hat, da Maueransätze an beiden Enden des Walls diesen Schluss zulassen. Mauerreste am Ansatz der vor Ringgraben und Halsgraben liegenden Stadtmauer deuten darauf hin, dass es vor der Eingangsbrücke noch eine weitere Barbacane (Vorwerk) gab. Beide Annahmen sind jedoch nicht durch Aufzeichnungen gesichert.

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