Burg Bommersheim
Gemeinde Oberursel, Hochtaunuskreis

Die Burg Bommersheim ist eine ehemalige Burganlage im Ortsteil Bommersheim der Stadt Oberursel im Hochtaunuskreis in Hessen, deren Fundamentreste seit 1988 teilweise freigelegt wurden. Die ehemalige Burg befand sich hinter der heutigen Kirche St. Aureus und Justina an der Straße Im Himmrich zwischen der Langen Straße und Burgstraße am östlichen Ortsrand von Bommersheim. Sie lag am Rand der Kalbach-Niederung, in der Nähe kreuzte sich die Saalburgstraße mit der Weinstraße, ein vorrömischer Handelsweg, der möglicherweise im Mittelalter weiter benutzt wurde

Die dortige Burg entwickelte sich aus einer so genannten Motte, einer kleinen Turmburg, die zunächst von Palisade und Graben umgeben war. Am Übergang zum Spätmittelalter wurden eine Ringmauer sowie ein vorgelagertes Grabensystem angelegt. Der Ort Bommersheim scheint zu dieser Zeit schon bestanden zu haben, seine Ersterwähnung im Lorscher Codex fällt in das Jahr 792. Die Turmhügelburg war im 13. Jahrhundert bereits zu klein geworden, und man baute an ihrer Stelle eine Niederungsburg mit steinerner Ringmauer.

Die ältesten Teile der Burg bestehen nach dem Ausgrabungsbefund in dem Turmhügel einer sogenannten Motte, der an seiner Basis einen Durchmesser von 20 bis 25 Metern besaß.[5] Damit verbliebe auf dem Hügelplateau ein Platz mit etwa 10 Metern Durchmesser, auf dem sich ein hölzerner Wohnturm befand. Die Höhe wird zwischen 2,5 und 4 m geschätzt. Der Turmhügel wurde außen durch eine hölzerne Palisade oder einen Flechtwerkzaun gesichert. Funde von angespitzten Holzpfählen, die in einem Abstand von 15 – 20 cm in den Boden gerammt wurden, lassen beide Deutungen zu. Außerdem wurde ein 1,8 m tiefer und 4 m breiter Graben festgestellt. Wahrscheinlich befand sich davor ein weiterer Graben, dessen Befund allerdings weniger gesichert ist. Funde der Ausgrabungen sind im Vortaunusmuseum Oberursel ausgestellt.

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Funde der Ausgrabungen im Vortaunusmuseum Oberursel 

Durch Feuchtbodenerhaltung konnte besonders im Burggraben reichlich Fundmaterial geborgen werden. Wegen der Zerstörung der Burg sind die späteren Funde besonders zahlreich und stellen das Inventar der Burg zu diesem fest bestimmbaren Zeitpunkt dar. So haben sich im feuchten Boden ein fast vollständiges Burghausinventar mit mittelalterlicher Keramik (vorwiegend Gebrauchskeramik wie Töpfe, Krüge und Kacheln, aber auch Nuppenbecher aus Glas sind belegt) aus dem 13. bis 14. Jahrhundert sowie sorgfältig behauene Tür- und Fenstergesimse aus Buntsandstein gefunden. Die Essgewohnheiten der Burgbewohner werden durch Untersuchung der gefundenen Pflanzenreste und Tierknochen rekonstruierbar.

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Metallgegenstände liegen in Form von Messern und Löffeln, Schlüsseln, eisernen Beschlägen, Maultrommeln sowie Pfeilspitzen vor. Prachtstück dieser Fundgruppe ist eine eiserne Turnierlanzenspitze in Form einer Krone. 

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Von der Bekleidung der Burgbewohner haben sich vor allem Teile aus Leder erhalten (Wamsteile, Reste von Jacken und Gürteln sowie Schuhe). Ebenfalls häufig der Kleidung zugehörig sind Beschläge, Schnallen und Schließen, Nadeln, Golddrähte und Perlenketten aus Bernstein und Bergkristall. 

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Zeugnis von Pilgerreisen der Bewohner geben gegossene Pilgerabzeichen sowie Jakobsmuscheln, die wohl auf Reisen nach Santiago de Compostela hinweisen. Die Zerstörung der Burg ist durch Armbrustbolzen sowie Kanonenkugeln aus Basalt belegt.

Vermessungs- und Zeichenarbeiten am Graben der Burg Bommersheim    Als graue Verfärbung zeichnet sich der innere Graben der Burg im Erdreich ab.    Blick auf den mit dunklem Material verfüllten Graben der Vorburg. Dort haben sich organische Reste, darunter Holz, bis heute erhalten.

[ Link zum Museum ]

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