Porta Nigra
Kreisfreie Stadt

Die Porta Nigra ist eines der am besten erhaltenen Tore der antiken Welt und das besterhaltene römische Stadttor diesseits der Alpen. Über fast eintausend Jahre prägte sie darüber hinaus das Stadtbild als „Simeonkirche“ und wird damit zu einem wichtigen kultur- und religionsgeschichtlichen Zeugnis. Die lateinischen Benennungen aller Tore stammen erst aus dem Mittelalter. In römischer Zeit wurden Tore nach ihren Straßen benannt und diese nach dem Zielort, zu dem sie führten. Der Name Porta Nigra wird erstmals 1041 erwähnt. Er kommt wohl von der Farbe, die das ursprünglich helle Tor im Laufe der Zeit durch Verwitterung und Umwelteinflüsse angenommen hatte.

In der Größe entspricht die Porta Nigra trotz ihrer gewaltigen Ausmaße der Norm bei römischen Stadttoren. Der gesamte Bau ist 36 Meter breit und bei den Türmen 21,50 Meter tief. Der fast vollständig erhaltene Westturm ist noch knapp 30 Meter hoch. Im Fundament besaß die Porta Nigra eine Stärke von vier Metern. Die eigentliche Mauer war 3,40 Meter dick, der Laufgang lag 6,20 Meter über dem Straßenniveau der Stadt.

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Als Baumaterial diente der weiße Sandstein, der in der Nähe von Trier im Kylltal gebrochen wurde. In der Entstehungszeit des Tores errichteten die Römer öffentliche Gebäude gerne aus großen Quadern. Die größten wiegen hier sechs Tonnen. Die Sandsteinquader wurden von mühlengetriebenen Bronzesägen zurechtgeschnitten, was Sägespuren belegen. Sie wurden anschließend so präzise behauen, dass sie ohne Mörtel aufeinander gesetzt werden konnten. Als Halterung verband man jedoch je zwei Steine horizontal durch Eisenklammern, die in Blei ausgegossen wurden. Eine solche Klammer ist noch im Inneren des Tores nahe der östlichen Wendeltreppe sichtbar; Rostspuren vieler ehemaliger Klammern sind außen zu finden.

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Architektonisch ist die Porta Nigra eine Doppeltoranlage, die symmetrisch um einen Innenhof errichtet wurde. Dieser Zwinger sollte das Eindringen ungewollter Besucher in die Stadt verhindern: Landseitig konnte die Doppeltoranlage mit Fallgattern verschlossen werden. Stadtseitig waren große Flügeltore geplant, die jedoch nie eingesetzt wurden. Hätte ein möglicher Feind die Fallgatter überwunden, wäre von den Galerien der beiden Stockwerke aus Beschuss von allen Seiten möglich gewesen. 

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Alle Gebäudeteile waren durch hölzerne Treppen und Gänge verbunden. Durch Türen an den Außenseiten der Türme konnten Soldaten direkt den Umgang auf der Stadtmauer erreichen.

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Umwandlung im Mittelalter

Die Porta Nigra ist das einzige Tor, das den Abbruch der Trierer Stadtbefestigung im Mittelalter überlebte. Schon seit Beginn der fränkischen Zeit meißelten Metallräuber tiefe Löcher in das Mauerwerk, um an das begehrte Metall der Steinklammern zu gelangen. Die Abbrucharbeiten endeten 1030, als die Porta eine interessante Umnutzung erfuhr.

Der Pilgerführer und griechische Mönch Simeon war in diesem Jahr mit Bischof Poppo von Babenberg (1016-1047) von einer Reise ins Heilige Land zurückgekehrt und hatte sich im Ostturm der Porta Nigra eine Eremitenklause einrichten lassen. Dort schloss er sich ein und lebte in extremer Askese „wie ein Verstorbener“, berichtete der mittelalterliche Biograf. Nach Simeons Tod 1035 ereigneten sich zahlreiche Wunder, so dass der Asket bald heilig gesprochen wurde. Kurz darauf ließ der Bischof ihm zu Ehren die Porta zwischen 1036 und 1042 zu einer doppelgeschossigen Stiftskirche, der Simeonkirche, umbauen. Im Erdgeschoss wurde Simeon bestattet, später fand hier auch der Erzbischof selbst seine letzte Ruhe.

Die Verbindung zwischen antiker und christlicher Architektur zu einer Doppelkirche schuf einen einmaligen Baukomplex, wie er in keiner anderen Stadt anzutreffen war. Im ersten Obergeschoss entstand eine Volkskirche, das zweite Obergeschoss war den Stiftsklerikern vorbehalten.
Um 1060 wurden daneben die Stiftsgebäude klosterähnlich im Geviert angelegt – eines der seltenen Beispiele eines zweigeschossigen Quadrums. Der dazu gehörige Kreuzgang – der älteste Deutschlands – lag nicht im Erdgeschoss, sondern in Höhe der Unterkirche und wurde von Arkaden getragen.

  

Auf dem Westturm des Stadttores stand der Glockenturm der romanischen Kirche. Das Mittelschiff der Oberkirche erhob sich über die Mauerkrone des Zwingers. Der Eingang zu dieser oberen Kirche mit Treppe und Vordach war an ein zum Eingang erweitertes Fenster im dritten Geschoss des Westturms angebaut. Die Bögen der Porta Nigra waren im Erdgeschoß zugeschüttet; man gelangte über eine Freitreppe direkt in das erste Geschoss des Gebäudes. Um 1150 ließ Erzbischof Albero dem zur Stiftskirche umgewandelten Stadttor im Osten eine Apsis anfügen.

Im Jahr 1794 wurde die Doppelkirche von französischen Revolutionstruppen geplündert und weitgehend demontiert. Napoleon ließ 1802 Kirche und Stift aufheben und bei seinem Besuch in Trier im Oktober 1804 verfügte er den Rückbau aller nachantiken Umbauten bis auf die kunsthistorisch wertvolle romanische Apsis. Die Porta Nigra sollte nach dem Willen des französischen Kaisers die Größe der gallorömischen Kultur bezeugen.

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Im Inneren des Bauwerks sind heute sowohl Spuren der Doppelkirche, als auch römische Steinmetzzeichen und Datumsgraffiti zu sehen.

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