auch "Motte" genannt

Die Blützezeit der Burgen war vor etwa 1000 Jahren und dauerte ca. 500 Jahre lang. Die Entwicklung der mittelalterlichen Burgen, die wir heute in ihrer Wehrhaftigkeit und ihrer Schönheit bewundern, begann im 9. und 10. Jahrhundert- vor allem im Zusammenhang mit der Landesverteidigung im 9./10. Jahrhundert in den Grenzgebieten. 

Im Vordergrund stand zuerst die Schutzfunktion. Bei den frühen Burgen handelte es sich noch um kleinere, mehr oder weniger stark befestigte und eher hofartige Anlagen. Aus den bisher mit Erdwällen und Palisaden geschützten Herrenhöfen wurden mit Mauern befestigte, gesicherte Burgen. Die Blütezeit des Burgenbaus reichte vom späten 11. bis zum 13. Jahrhundert – die große Zeit der Staufer. Parallel dazu wurden viele Städte gegründet.

 

Eine zeitgenössische Darstellung einer solchen Anlage findet sich auf dem Teppich von Bayeux. 

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Seit dem 10. Jahrhundert setzte eine Entwicklung zur Wohnburg ein. Im 11. Jahrhundert verließen die Hochadelsgeschlechter ihre Höfe und Herrensitze und bauten sich oft an unzugänglichen Stellen, auf Bergrücken oder hinter Wassergräben, wehrhafte Burgen, die ihnen als Wohnsitze dienten.

Leider sind von den erstenn Holzburgen (auch Motte, Erdhügelburg oder Erdkegelburg genannt) kaum noch Spuren zu finden. Keine dieser Turmhügelburgen ist bis heute erhalten geblieben, so dass kaum jemand die am meisten verbreitete Burgenform des 13. Jahrhunderts kennt.

Lediglich die Erdaufschüttung und der Graben sind in einigen Fällen noch sichtbar. 

Bau der Motte

Die Motte gliedert sich in der Regel in zwei Bereiche auf: die auf dem künstlichen Erdhügel errichtete Kernburg oder Hochburg, sowie eine oder mehrere Vorburgen. Die Unterscheidung dieser beiden Bereiche ist zunächst eine rein formale, von der Funktion her musste der auf dem Erdhügel gelegene Teil nicht zwangsläufig die Hauptburg darstellen. Beide Bereiche sind jeweils durch eigene Gräben und Wälle oder Palisaden geschützt und oftmals nach dem Prinzip der Abschnittsverteidigung hintereinander gegliedert, wobei die Kernburg dann den letzten Verteidigungsabschnitt darstellt.

In Niederungslagen wurde bei der Anlage der Kernburg ein Ringgraben ausgehoben und der Grabenaushub in der Mitte aufgeschichtet. Die so entstehende Motte konnte mit weiterem herbeitransportierten Erdmaterial erhöht werden, in manchen Fällen fand eine solche Erhöhung erst in einer späteren Bauphase statt. 

Die Bauzeiten konnten bei einfachen Anlagen sehr kurz sein: eine kleine Turmhügelburg war nach Quellenangaben in etwa 10 Tagen bezugsfertig. Die Baumaterialien Holz und Erde waren überall schnell verfügbar (beispielsweise durch Rodung) und konnten rasch verarbeitet werden. Der Erdhügel konnte aber auch sorgfältig aus unterschiedlichem Schüttmaterial aufgeschichtet werden, um eine höhere Stabilität zu bekommen. Natürliche Felsklötze oder Geländeerhebungen wurden bei entsprechender Gelegenheit gerne in den Hügel eingebaut.

Vor allem der Eindruck von Größe und Innenstruktur der Motte ist von Bedeutung, um eine solche Anlage zu begreifen. Eine Turmhügelburg, die auch heute neben einem modernen mehrgeschossigen Haus noch imposant wirkt, muss vor 700 Jahren der einfachen Bevölkerung eindrucksvoll erschienen sein.

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Trotzdem: das Leben in einer solchen Motte war alles andere als angenehm. Heizen oder beleuchten war wegen der Brandgefahr recht gefährlich, überall war es kalt und zugig. Mensch und Vieh lebten auf mehrere Stockwerke verteilt auf engsten Raum. Vorräte, Waffen und anderes Gerät mussten ebenfalls im Gebäude untergebracht werden.

Später wurde der Holzturm durch einen Steinturm (Bergfried) ersetzt und der Typus der Turmburg entstand. In weiteren Ausbaustufen wurden Wirtschaftsgebäude errichtet und auch die hölzernen Palisaden durch wehrhafte Mauern ersetzt. So näherte man sich im Laufe der Jahrhunderte dem Burgenbild, was sich in unserer heutigen Zeit fälschlicherweise als „typisch Mittelalter“ eingeprägt hat.

Motten in Deutschland

Turmhügelburg in Herne

Anlässlich der Ausstellung „Ritter, Burgen und Intrigen - Aufruhr 1225“ im Herner Museum für Archäologie wurde auf dem dortigen Außengelände eine etwa 25m hohe Motte gebaut und nach überlieferten Berichten eingerichtet. 

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Hier kann man sich eindrucksvoll über das Leben in einer solchen Burg informieren. 

 
 [ Link zur Ausstellung ]

Im Sommer 2010 hatten wir einen schönen Besuchstag in Herne. Bilder davon gibt es hier.

Mittlerweile wurde die Herne Motte wieder abgebaut und nach Neuenrade im Märkischen Kreis verbracht. Hier soll sie ein neues Zuhause finden.  [ Pressebericht ]


Turmhügelburg Lütjenburg

Die Turmhügelburg im Nienthal von Lütjenburg (Landkreis Plön) ist das Mittelalterzentrum Schleswig - Holsteins. Die Anlage liegt auf halber zwischen Kiel und Oldenburg (Holstein).

Sie stellt einen Rittersitz mit vielen Nebengebäuden wie Wohnhaus, Kapelle, Stallgebäude, Schmiede, Backhaus, Speicher, Brunnen, Toranlage und natürlich den Turm dar.

 
Bildquelle: Museum

 [ Link zum Museum ]


Bachritterburg Kanzach

Die Bachritterburg Kanzach ist ein Museum am Ortsrand von Kanzach im Landkreis Biberach in Baden-Württemberg (ca. 50km südwestlich von Ulm)

Dort ist eine Burganlage entstanden, wie sie nach dem aktuellen Stand der Forschung im frühen 14. Jahrhundert existiert haben müsste: eine Burg aus Holz! Das Freilichtmuseum zeigt mit Wohnturm, Palisade, Wohnstallhaus der Bauern, Scheune, Schuppen mit Schmiede und Backofen sowie einem Speicherbau das Anwesen eines Niederadeligen.

 
Bildquelle: Museum

 [ Link zum Museum ]

Bei beiden Anlagen gibt es regelmäßig historische Veranstaltungen, deren Besuch sich sicher lohnt. Für uns sind aber leider beide Anlagen viel zu weit entfernt um „mal kurz hinzufahren“.

Neue Motte in der Wetterau

Es verdichten sich die Hinweise, dass die Planungen zum Bau einer Motte mitsamt aller Nebengebäude in der Wetterau nahezu abgeschlossen sind.

Die Friedberger Ritterschaft sitzt bereits regelmäßig mit einem wissenschaftlichen Beirat (bestehend aus 5 Doktoren) zusammen und bespricht die Dimensionen und die Gestaltung der Turmhügelburg und des angeschlossenen Dorfes aus dem 13. Jahrhundert. Wenn alles wie gehofft klappt wird auf ca. 3ha ein gemeinnütziges, kultur-historisches Freilichtmuseum mit Niederungs-Burg und mit Handwerk, Handel und Events belebtem Dorf entstehen .

Man wäre das Klasse eine Motte in der Nachbarschaft ...

Passend zum Thema …

… ein kleines Video bei Youtube, welches humorvoll die Turmhügelburg von Lütjenburg in Szene setzt:

 

[ zum Video ]

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