Kloster Thron
Monasterium de Throno sanctae Mariae 

Das Kloster (Marien-)Thron (thronus sanctae mariae) war ein Zisterzienserinnenkloster bei Wehrheim und in unmittelbarer Nachbarschaft zu Copperno (Köppern). Da es zu Arnulfs Zeiten bereits in Betrieb war, liegt es nahe, dass es auch Arnulf bekannt gewesen sein muss. Zumal das Kloster auch Besitzungen in Köppern unterhielt.

Wir haben daher aus verschiedenen Quellen Informationen über das Kloster zusammengetragen, da uns die Informationen aus Wikipedia einfach "zu dünn" waren. Als Basis dient der Bericht des Dekans Dr. Karl Jäger (gestorben 1944) aus dem Jahre 1932, der durch diverse "Umwege" eher zufällig in unseren Besitz gelangte. Ferner haben wir in den unendlichen Tiefen des Webs - zum Teil an den seltsamsten Stellen - so manche Überraschung (s.u.) gefunden.

Die Archive sind voll von Berichten über das Kloster Thron. Zumeist geht es um Schenkungen, An- und Verkäufe, Handelsbeziehungen, Besitzverhältnisse usw. . Kurz gesagt: die hier in Kürze aufgezeigten Informationen können nur als die kleine Spitze eines riesigen Eisberges bezeichnet werden. Wer auch die "Unterseite" des Eisberges kennen lernen möchte, der greife zur ausgezeichneten Dissertation über das Kloster Thron von Herr Dr. Simon Ulrich. Sie beleuchtet das Kloster, die Vor- und Nachfolgezeit aus jedem nur erdenklichen Blickwinkel und hat uns wahnsinnig geholfen !

Die Lage des Klosters

Kloster Thron ist heute ein im Viereck gebauter Gutshof von rund 2500 m2 innerer Hoffläche, der vor dem oberen Eingang zum Köppener Tal auf der Westseite des Erlenbachs nahe der Bahnstrecke Bad Homburg v. d. H. - Grävenwiesbach (Taunusbahn der Hessischen Landesbahn)  unmittelbar hinter der Station Saalburg in der Gemarkung Wehrheim gelegen ist. Die Verbindung des Hofes mit dem Köpperner Tal im Osten und mit der westlich vorüberziehenden Straße Bad Homburg - Usingen, alt Throner Straße bzw. Weg genannt, wird durch kurze Anschlußwege hergestellt. Die von Kloster Thron aus südöstlich gerichtete Gerade stößt in 600 m Entfernung von dem Hof rechtwinklig auf den dort im Wald vorbeiziehenden Limes, den Pfahlgraben der Römer. (1)

Was der Platz des Klosters Thron heute ist, war er auch, ehe er Kloster wurde: ein landwirtschaftlicher Betrieb. Er tritt in jenen ersten Zeiten unter dem Namen Niedernhain oder Niederhagen auf und bildete mit Obernhain und anderen Orten das Gericht Wehrheim, das, lehnrührig vom Reich, die Grafen von Diez besaßen.

Das ehemalige Kloster im Sommer 2011   Das ehemalige Kloster im Sommer 2011   Das ehemalige Kloster im Sommer 2011
Das ehemalige Kloster im Sommer 2011

Das Kloster wurde am 20. März 1243 durch Graf Gerhard von Dietz gestiftet. Die Basis des Klosters bildete das Gut Niedernhain. Diese war zwar kein Allodium Gerhards sondern ein Reichslehen, was Gerhard nicht daran hinderte, es dem künftigen Kloster zu übereignen. Die Grafen von Dietz, den späteren Grafen von Weilnau  (11) , hatten unter den Staufern den Höhepunkt ihrer Macht erreicht. Im Rahmen der Auseinandersetzung von Kaiser Friedrich II. mit dem Papst und dem damit verbundenen Kirchenbann hatten die Reichsfürsten Freiräume gewonnen, über die Rechte des Reiches hinwegzusehen. 

Im Jahr 1288 wurde dieser Fehler dadurch geheilt, dass das Kloster dem Schutz des Reiches unterstellt und aus der Oberhoheit der Dietzer entlassen wurde. König Rudolf hatte in diesem Jahr als Beauftragte für das Schutzprivileg über Kloster Thron zwei Reichsbeamte (den Frankfurter Schultheißen und den Friedberger Burggrafen) bestimmt. (30)

Dadurch gelangten die deutschen Könige Wilhelm von Holland und Rudolf von Habsburg hier zu Einfluss, wodurch die diezische Stiftung aus dem Bereich der Grafen geriet. Dies änderte sich nach dem Aussterben des Hauses Diez unter dessen Erben Kurtrier und Nassau-Dillenburg. (2)

Die Urschrift des Stiftungsbriefs scheint nicht mehr erhalten zu sein. Seine früheste Abschrift findet man in dem Urkundenheft Johanns v. Beldirsheim, Burggrafen von Friedberg, aus dem Jahre 1359. Nach ihr lautet der lateinische Brief, übersetzt, wie folgt:

„Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreieinigkeit! Amen. Ich Gerhard v. Diez und Agnes, meine Gattin, wollen allen jetzt oder später lebenden Christgläubigen, die dieses Schreiben zu Gesicht bekommen, kund sein lassen, daß wir aus göttlicher Eingebung zu unserer Seelen Heil und aus gemeinsamem Entschluß zur Gründung eines Nonnenklosters des Zisterzienserordens alle unsere Güter, die wir in Niedernhain bei Wehrheim sowohl an Äckern als auch an Wiesen und Wäldern haben, frei den Mägden übertragen, die daselbst Gott beständig dienen werden, uns das Recht der Gerichtsbarkeit über den vorgenannten Ort wahrend, das wir uns gerade zum Schutz dieser Nonnen vorzubehalten entschlossen haben. Damit aber diese unsere Handlung für die Zukunft in dauernder Kraft bleibe, haben wir vorliegende Schrift mit unserm schützenden Siegel bekräftigen lassen in Gegenwart der tüchtigen und glaubwürdigen Männer, unseres geliebten Verwandten Heinrich gen. V. Weilnau, Gottfried v. Stockheim, Heinrich Speth und Reichwein, seines Bruders, Heinrich, Markolfs Sohn, Hermann v. Turri, des Plebans Nikolaus und mehrerer anderer. Geschehen im Jahre des Herrn 1243 am Vorabend Benedikts. (A) (1) "

Bau des Kloster

Natürlich gibt es keinen Bericht über die Baufortschritte, aber aus den Archivarien geht eindeutig hervor, dass sich die Bauarbeiten wegen Mangel an Mitteln erheblich verzögerten, bis die zwei (!) gemeldeten Klosterweihen 1244 und 1262 erreicht waren. Von der ersten Klosterweihe ist folgender Urkundentext überliefert:

„Sigfrid, von Gottes Gnaden Erzbischof des heiligen Stuhles zu Mainz, des heiligen Deutschen Reiches Erzkanzler, den in Christus Geliebte, der Äbtissin und dem Konvent der Mägde Christi vom Throne der heiligen Maria, des Ordens der Zisterzienser, Mainzer Diözese, Gruß und aufrichtige Hochschätzung in dem Herrn. Da ihr des zarten Reises eurer Niederlassung halben dem nachzueifern wünscht, was euch zu Nutz und Frommen dienen könnte, so zeigen wir euch eurem Wunsche, daß euer Kloster von einem katholischen Bischof eurer Wahl geweiht werden möge, hierdurch geneigt und gewähren in frommer Vergeltung allen, die zu euerm Orte wallen, ihre Sünden von Herzen bereut und mit dem Munde bekannt haben und ihm ihre helfende Hand zum Aufbau seiner Gebäude entgegenstrecken, am Tage der Weihe selbst von ihnen auferlegten Buße einen Nachlass von einem Jahr und 40 Tagen, beim Monatswechsel im ersten Jahr aber 40 Tage und am Jahrestag der Weihe 40 Tage.

Gegeben zu Eisenach am 22. Juli im Jahre des Herrn 1244, im 15.Jahre aber unseres Pontifikates".  (1)

Dem Urkundentext ist zu entnehmen, dass zum Zeitpunkt der ersten Weihe noch nicht alle benötigen Gebäude vorhanden oder teilweise noch in Bau waren. Der Sandstein stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Steinbruch von Rockenberg (wie übrigens die Münzenburg teilweise auch). In den Nassauer Annalen (Band 6, Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung) von 1859 ist sogar zu lesen, dass das Baumaterial des Kloster von der Saalburg sein könnte. (12))

Im Jahr 1262 weihte der Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein die Klosterkirche. Auch dieser Weihetext ist erhalten geblieben:

„Werner, von Gottes Gnaden Erzbischof des heiligen Stuhles zu Mainz, des heiligen Deutschen Reiches Erzkanzler, allen Christgläubigen unsern Gruß im Herrn! Des ewigen Lebens Herrlichkeit, mit der des Weltschöpfers wunderbare Güte die selige Schar seiner himmlischen Bürger schmückt, muß von denen, die um den Preis des von dem teuern Leib des Erlösers geflossenen Blutes erlöst sind, durch die Kraft der Verdienste errungen werden, unter denen jedoch jenes Verdienst des Erlösers für sehr groß erachtet wird, weil darüber überall, vorzüglich aber in den Kirchen der Heiligen, die Majestät des Höchsten gepriesen wird. Da wir deshalb wünschen, daß das Kloster des Thrones der heiligen Maria, das wir am dritten Tage in der Pfingstwoche oder am 30. Mai zu Ehren unseres Herrn Jesu Christi und der heiligsten Jungfrau Maria, seiner Mutter, wie nicht weniger des seligen Evangelisten Johannes und der seligen Jungfrau Katharina geweiht haben, Jahr für Jahr unter würdigen Lobpreisungen und Ehrbezeugungen im Herrn besucht werden möge, lassen wir, um die Christgläubigen gleichsam durch Belohnungen heilsam zu den Verdiensten einzuladen, allen wahrhaft Bußfertigen und Geständigen, die zu diesem Kloster am Jahrestag seiner Weihe und während der Oktave dieses Tages demütig und ehrfürchtig mit zerknirschtem Leiste und gottergeben jährlich sich nahen, um von dem Herrn die Vergebung ihrer Sünden zu erlangen, nach der Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes im Vertrauen auf die Verdienste und das Ansehen seiner seligen Apostel Petrus und Paulus und des seligen Martinus von der aufer­legten Buße barmherzig nach ein Jahr eine Karene und vierzig Tage und zwei Jahre läßlicher Sünden und erklären zugleich die Ablässe für gültig, falls die ehrwürdigen Väter und Brüder in Christus, die Erzbischöfe und Bischöfe geglaubt haben, solche denen, die zu den erwähnten Kloster kommen, zu erteilen, und bestätigen sie im Namen des Herrn. Alle aber, die die Kommenden und Heimkehrenden in verwegener Weise anfallen, belegen wir mit der Strafe der Exkommunikation durch diese Schrift, die auf keinen Fall durch gewinnsüchtige Prediger überbracht werden darf; wenn anders gehandelt werden sollte, bestimmen wir, daß sie ungültig sei. Gegeben zu Mainz im Jahre des Herrn 1262 am 13. Juni."  (1)

Dies war der Abschluss der Bauphase, die von etwa 1244 bis 1262 ging. 1249 zog die erste Äbtissin Irmgard mit 12 Nonnen in das noch unfertige Kloster. Die Finanzierung des Baus erfolgte zum einen aus Mitteln des Gutes Niedernhain, aus Spenden sowie dem Verkauf von Ablassbriefen. (1)

Aufnahme in den Orden

1251 erfolgte die Inkorporation des Klosters in den Orden. Übergeordnetes Kloster war das Kloster Arnsburg (in der Nähe von Lich). 

Torhaus Kloster Arnsburg
Torhaus Kloster Arnsburg 2011

Ohne die Ordnung der Rechtsstellung innerhalb der irdischen Verhältnisse konnte das Kloster Thron auf die Dauer eben so wenig bestehen wie jede menschliche Einrichtung auch. Es erhielt eine solche Festigung seiner Stellung zunächst durch die Aufnahme in den Orden, die auf die erste Klärung seiner Verhältnisse bereits 1247, vier Jahre nach seiner Gründung, bewirkt wurde. Zwar war die Aufnahme von Frauenklöstern in den Orden durch Beschluß des Generalkapitels von 1220 verboten. Aber der Oberherr der Kirche verfügte sie dennoch für das Kloster Thron durch eine Anordnung folgenden Inhalts: (1)

"Bischof Innocenz, Knecht der Knechte Gottes, den geliebten Söhnen, dem Abte von Cistercium und seinen Mitäbten, die dem Generalkapitel vorstehen, Heil und apostolischen Segen. Da, wie wir vernommen haben, die in Christus geliebten Töchter, die Äbtissin und der Konvent vom Throne der heiligen Maria, des Ordens der Zisterzienser, Mainzer Diözese, die das Gepräge dieses Ordens tragen und seine Einrichtungen wahrnehmen, demselben einverleibt und gänzlich vereinigt zu werden wünschen, so haben wir, da wir ihren frommen Wunsch mit wohlwollendem Herzen begleiten, geglaubt, euch insgesamt auf das dringendste ersuchen und mit dem euch geschriebenen apostolischen Wort gebietend ermahnen zu müssen, dass ihr, wenn ihr eben derselben Kloster dem oben genannten Orden einverleibt und gänzlich vereinigt, den geliebten Söhnen, dem Abte und dem Konvente von Arnsberg, des vorgenannten Ordens und derselben Diözese, aufzutragen sorgt, dass sie, wenn sie demzufolge dieses Kloster in das Tochterverhältnis aufnehmen, im übrigen für es wie für die ändern Töchter dieses Ordens eifrige Sorge tragen, dadurch, dass solches gänzlich nach den Einrichtungen des bezeichneten Ordens zu gestalten ist. Gegeben Lyon am 13. Mai, im 4. Jahre unseres Pontifikates."  (1)

Bernhard von Clairvaux
Bernhard von Clairvaux (1091 - 1153)

Mit der Eingliederung eines Frauenklosters in den Orden war seine Unterstellung unter den Abt eines benachbarten Zisterzienserklosters verbunden. Auch sie hat der Papst in der Eingliederungsurkunde geordnet und Thron dem Abt von Arnsburg unterstellt. Dies war der Arnsburger Abt Werner (F). Dessen Aufgabe war es damit geworden, regelmäßig das Kloster zu visitieren und ihm aus der Zahl der Arnsburger Mönche den Propst zu entsenden, dem im Kloster die priesterlichen Handlungen wie Messe-Lesen und Beichtehören und auch Verwaltungsgeschäfte oblagen. 


Bernhard von Clairvaux (1091 - 1153)

Das Kloster Thron wurde weiter in den Gewalten seiner Zeit dadurch verankert, dass Papst Alexander es durch die Beurkundung vom 7. März 1257 in seine Obhut nahm und dass die deutschen Könige, und zwar in der Urkunde vom 5. Jan. 1288 zuerst Rudolf von Habsburg, die Gebietsherren mit dem Schutze des Klosters beauftragten, dem sie auch sonst durch Verleihung von Vorrechten und Schenkungen ihre Huld erzeigten.  (1)

Aufschwung

Das Kloster blühte seit 1243 in den ersten 70 Jahren seines Bestehens auf und erhielt bedeutende Stiftungen vorwiegend aus der Wetterau bis Frankfurt. Es gründete Stadthöfe als wirtschaftliche Zentren in Frankfurt, Wetzlar und Friedberg. Es erhielt hauptsächlich von dort Zuzug aus dem ortsansässigen Adel, dem Stadtpatriziat und reichen Bürgern, so daß es zeitweise bis zu 60 Nonnen beherbergte. Dazu gehörte noch eine Anzahl Konversen, die seine ausgedehnte Wirtschaft mit Knechten und Mägden besorgte. Es gehörte also nicht zu den kleinen Klöstern.

Das Kloster war hauptsächlich ein durch adlige Nonnen bewohntes Frauenkloster. In seiner Blütezeit im Jahr 1320 lebten dort die bereits oben erwähnten 60 Nonnen. 1527 wurden noch 17 Nonnen und 2 Novizinnen gezählt, im Jahr 1563 gab es nur noch eine Nonne (die letzte Äbtissin Margarete von Hattstein) und 3 Novizinnen. (1) 

Die eingesetzte Klosterführung versuchte allerdings nie, ein zusammenhängendes Territorium um ihr Kloster oder anderswo aufzubauen und dazu Herrschaftsrechte zu erwerben. (30)

Besitzungen

Das Kloster verfügte über das Gebiet zwischen der heutigen Lochmühle und dem Erlenbach und reichte über die heutige Bundesstrasse (B 456) hinaus. Aufgrund der schlechten Böden war die landwirtschaftliche Nutzung eher schwierig. Hinzu kamen 600 Morgen Wald. Im Laufe der Zeit erwarb das Kloster eine Vielzahl von Grundstücken und Zehntrechten hinzu. Insgesamt 145 (!) derartige Rechte besaß das Kloster in seiner wirtschaftlichen Blütezeit. Hierzu zählten u.a. Höfe in Obernhain, Petterweil und Vilbel, verschiedene Mühlen und auch drei Stadthöfe in Frankfurt am Main, Friedberg und Wetzlar.

Wie jedoch das Kloster bereits seine Entstehung einer Schenkung verdankte, so waren andere Schenkungen, die folgten, dazu angetan, es ebenfalls zu entlasten. Sie hoben nachweislich im ersten Jahrzehnt der Klostergeschichte an und mehrten sich dann schnell. Im einzelnen erreichten sie schon früh teilweise einen ansehnlichen Umfang und Wert, so wenn 1254 der Frankfurter Bürger Heinrich Knoblauch und seine Ehefrau Guda dem Kloster alle ihre Güter in Bockenheim, ihr Neurodland in Rödelheim und einen jährlichen Zins schenkten, oder wenn 1255 König Wilhelm ihm einen Teil des Reichsforstes Lindau bei Frankfurt zuwandte. (1)

1288 tauscht das Kloster Thron mit dem Ritter Erwin Leo seine Güter in Rüddingshausen und Dodenhausen gegen ein Waldstück in der Nähe des Klosters. Aber auch teststamentarisch wurden Schenkungen an das Kloster vollzogen. So verfügte Angelus von Sassin am 1. Juli 1324 testamentarisch: "Ebenso hinterlasse ich dem Konvent in Thron neun Schilling Denare mit der Hälfte der Gänse und 4 Hühner von den Gütern zu Wehrheim und Pissinbach.(3)

Auf einer heutigen Landkarte sucht man diesen Ort allerdings vergeblich. Im Bizzenbachtal lag im Spätmittelalter der Ort Bizzenbach (unweit Wehrheim). Er bestand aus ca. 6 Höfen, die dem Kloster Thron zinspflichtig waren. In einer Zinsliste des Klosters wird der Ort Pissinbach 1310 erstmalig erwähnt. An seiner Stelle wurden Reste eines Backofens und eines gemauerten Brunnens gefunden. Der Ort wurde erneut am 29. Mai 1336 urkundlich erwähnt. Die letzte urkundliche Erwähnung erfolgte 1536. Wann der Ort genau zur Wüstung wurde ist nicht bekannt. (4)

Im Gegensatz zu Seulberg ist es auffallend, daß aus dem ganz nahe gelegenen Ort Köppern doch recht wenig über Throner Rechte bekannt ist. Im Zinsregister von 2. Juni 1310  beträgt der Gesamtbesitz in Köppern 8 1/2 Morgen und 1 Malter Korn (= 2 Achtel) und zwar unter dem Ortsnamen Cupperne bzw. Koppirne. Verglichen mit Holzhausen und seinen 6 Hüben, die 180 Morgen entsprechen, außerdem noch der späteren Schwabmühle, ist er unverhältnismäßig gering. Aus dem Rodheim-Köpperner Markweistum von 1454 ist bekannt, daß das Kloster auf dem Erlenbachufer eine Weideberechtigung besaß und dafür alljährlich einen Faselochsen nach Rodheim, seit 1737 nach Köppern, stellen mußte. Das währte bis 1804, als die inzwischen landesherrliche Klosterverwaltung auf die Weiderechte verzichtete. (2)

Ein Hebregister von 1691 berechnet den gesamten Ertrag des Klostervermögens im Jahr 1691 auf 891 Malter 3 Mest Korn, 45 Malter Weizen, Gerste, Spelz usw., 137 Malter 6 Mest Hafer, zusammen 1074 Malter 1 Mest, auf 154 Gulden in bar, 58 Gänse, 33 Hühner, 1 Kapaunen, 57 Hähne und Wieswachs (Mit „Wieswachs“ ist wahrscheinlich „Gras“ oder „Heu“ gemeint, da dieser Begriff in diesen Zusammenhang auch in anderen zeitgenössischen Dokumenten genannt wird) zu 300 Gulden Wert. Dieser Besitzstand mag schon am Anfang des 14. Jahrhunderts etwa zur Hälfte erreicht gewesen sein. Zur Bergung der Waren, die außerhalb des Stammguts eingingen, hatte man hier und da in den Orten Speicher. Zu ihrem Absatz aber unterhielt man in den Städten Höfe, so den „Throner Hof" in Frankfurt am Main (Münzgasse 18) und den „Throner Hof" in Friedberg (Kaiserstraße 115).

Nach einer Messung im Jahre 1705 umfasste das Throner Feld 431 Morgen 3 Viertel 40 Ruten, nach einer Messung von 1786 der Throner Wald 902 Morgen 138 Ruten Friedberger Maß (E). Es ist zu bedenken, dass in diese Zahlen auch das darin eingeschlossen Land gedacht werden muß, was möglicherweise erst nach der Gründung des Klosters zu dem gestifteten Gut aus seiner unmittelbaren Umgebung dazugekommen ist und dann allerdings mit ihm eine zusammenhängende Fläche gebildet hat, die über 1.300 Morgen (!) groß war. 

Wenn man sich fragt, aus welchen Gründen ein solcher Reichtum dem Kloster zuströmte, so stößt man vornehmlich auf die Tatsache, dass Menschen aus der Sorge um das Heil ihrer Seele den "Nonnen zum Thron" Gutes erweisen wollten. Sie pflegten diesem Beweggrund ihres Handelns in der Schenkungsurkunde Ausdruck zu verleihen und verbanden mit ihrer Stiftung den ausgesprochenen oder unausgesprochenen Zweck, dass die Nonnen sie ständig im Gebete hätten, wie auch die Stifter zuweilen noch besonders bestimmten, dass man ihr Jahrgedächtnis mit einer Messe feierlich begehen sollte. (1)

Auch im Weinanbau war das Kloster aktiv. Natürlich nicht im Wehrheimer Tal, aber dafür in Neuenhain (heute ein Ortsteil von Bad Soden). Im Kelterhaus in Neuenhain hat bis ungefähr 1580 auch das Kloster Thron - vertreten durch einen "Weingärtner" namens Münch - seine Trauben aus seinen Neuenhainer Besitztümern verarbeiten sowie den Wein ausbauen lassen. (9)

Ein Magister Rudolfus zu Wetzlar schenkte dem Kloster Thron 1265 just diese Weingärten zu Neuenhain. Woraus sich ableiten lässt, dass diese Wingerte nahezu 300  Jahre im Throner Besitz waren. (10)

Simon hat eine umfangreiche Auflistung erstellt, die alleine schon 154 (!)  Ortsnennungen enthält. (30) Die Auflistung aller Orte und der damit verbundenen Güter würde den Umfang dieser Seite sprengen.

Der Throner Hof in Frankfurt

Throner Höfe gab es in verschiedenen Orten. Der Frankfurter Stadthof der Zisterze war der älteste Stadthofbesitz. Die Höfe in Friedberg und Wetzlar (bzw. die Anwartschaft darauf) erwarb das Kloster erst 1284 und 1286. Ebenso sind auch Beziehungen zu Frankfurt schon im ersten Jahr des Bestehends des Klosters nachweisbar, woraus die Wichtigkeit der Stadt für Thron ersichtlich wird. Für den Erwerb des Frankfurter Stadthofs fehlt der direkte urkundliche Nachweis, seine Provenienz ist aber aus späteren Quellen zu erschließen. (30)

Blick in die Münzgasse
Throner Hof (33)


Blick in die Münzgasse, von welcher rechts das Raugräfischgäßchen abzweigt; auf der linken Seite der Throner Hof mit Renaissancegiebel zur Münzgasse und zum Raugräfischgäßchen
(30) (33)

 

Der Thronerhof in der Münzgasse war die Stadtniederlassung des Klosters Thron in der Freien Reichsstadt. Dadurch war gewährleistet, dass Erträge aus den Frankfurter Besitzungen dort gelagert und auch wieder in den Handel gebracht werden konnten. 

Die Lage des Throner Hofes in Frankfurt läßt sich aus mehreren urkundlichen Zeugnissen erschliessen. Er befand sich an der Nordseite der Münzgasse, trug später die Nummer 18 und lag gegenüber der Hellergasse (später Ankergasse) im westlichen Teil der Stadt innerhalb der staufischen Mauer in der Nähe des Kornmarktes.(30) 

Der Hof lag in Nachbarschaft eines Klosters des Karmeliterordens, welches von 1246 bis zu seiner Säkularisierung 1803 in Betrieb war. Heute ist in den ehemaligen Klostergebäuden das Archäologischen Museums beheimatet.

Frankfurt um 1628    Frankfurt um 1628
Merian: Frankfurt um 1628 (34)
(links Gesamtkarte; rechts Auuschnitt mit dem Throner Hof)

Die prächtige Ansicht, die uns der Merian-Plan von 1628 vom Thronerhof vermittelt ist wesentlich auf den Umbau von Nassau zurückzuführen. Das vordere Haus stand noch 1917 und wurde von Rudolf  Koch gezeichnet. 

Münzgasse 18
Throner Hof 1917 (34)


Blick aus dem Raugräfischgäßchen in Richtung Münzgasse auf den Throner Hof, Münzgasse 18, Vorderhaus mit Renaissancegiebel und Hinterhaus. (34)

Es hat sich gegenüber der Zeit Merians kaum verändert. Das in Nassauer Zeit mitrenovierte Hinterhaus stand ebenfalls noch. Hinter ihm dürfen wir wohl den Schuppen Münzgasse 18 sehen, der 1901 abgerissen wurde. (30)  

Über den Hof und die dortigen Aktivitäten gibt es in den Archiven vieles zu lesen – um dies hier darzustellen würde den Umfang dieser Seite nicht reichen. Nur ein Beispiel vom 15.12.1607: „[...] der Graf v. Nassau will den Throner Hof verkaufen. Vermittler ist der Jude Aaron [...].“ (14)

Bau im Jahre 1923
Throner Hof 1923 (13)


Die Abbildung zeigt den stattlichen Bau des frühen 17. Jahrhunderts im Jahre 1923. (13) Er wirkt optisch schon etwas „angeschlagen". Das Gebäude wurde bei einem Bombenangriff auf Frankfurts Innenstadt 1944 (D) zerstört. 

 

Weitergehende Informationen über den Throner Hof in Frankfurt und die handelnden Personen (auch nach der Konventauflösung) bietet das 1861 erschienene Buch „Örtliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main(14)  von Johann Georg Batton bzw. das 1906 erschienene Werk „Die Entwickelung der direkten Besteuerung in der Reichsstadt Frankfurt bis zur Revolution 1612-1614(15)  von Friedrich Bothe.

Beide Druckstücke sind für jedermann unter http://www.archive.org/ (22) frei einsehbar.

Die Gebäude

Die Gebäude waren in den bedeutendsten und einflußreichsten Zisterzienserabteien unserer Gegend, Eberbach und Arnsburg, so angeordnet, dass sie zusammen ein Viereck mit freiem Platz in der Mitte bildeten, ohne dass jedoch die Seite nach dem Bau, der die Unterkunftsräume der Laienbrüder enthielt, fest geschlossen war. Ein schmales, längliches Gäßchen, die sogenannte Klostergasse, wahrte hier den Abstand von den drei anderen Gebäudezügen, der eigentlichen Klausur.

So brauchte aber, selbst wenn man annimmt, dass das Kloster Arnsburg einen maßgebenden Einfluß auf die Baugeschichte des Klosters Thron gehabt hat, die Anlage in unserm Falle nicht beschaffen gewesen zu sein, da es sich ja nicht um ein Männer-, sondern um ein Frauenkloster gehandelt hat. Die Wohnung der Pförtnerin, die Propstei, in der der Propst und Beichtiger des Klosters und vielleicht noch andere Personen geistlichen Standes wohnten, Gast- und Krankenräume, Wirtschaftsgebäude wie Scheuern, Ställe, Backhaus, Mühle, ferner Garten und Kirchhof pflegten die alte Klosteranlage zu vervollständigen. (1)

Wenn man heute versucht, die Klosteranlage von Thron nachzubilden, so ist im voraus zu beachten, daß von ihr weder Reste erhalten noch Abbildungen oder Grundrisse vorhanden sind. Solche finden sich vielmehr erst von etwa 1700 an, als die Klosterzeit schon annähernd 200 Jahre zu Ende war und die Klosteranlage inzwischen starke Veränderungen erfahren hatte.

Grundriß von etwa 1777
Grundriß von etwa 1777 (1)


Ein Versuch der Rekonstruktion des Zustandes von 1777

A = Kirchenchor (1807 verfallen)
B = Langenbau (auch Nonnenbau genannt), im Oberstock Fruchtraum / später Stallungen
C = Kirchenschiff
E = Propstei
F = Gesindehaus
G = Wirtschaftsgebäude
H = Wirtschaftsgebäude
I  = Stall, nach 1758 erbaut
K = Bursenhaus für Laienbrüder, später Gesindehaus (Kuhhirten, Schäfer, Förster, bis 1939 Pächterwohnung)
L = Vorgängerbau von 1691, Neubau 1777
M = ?
N = ?
O = ?
P = ?
V = Klostergarten
X = alte Kirchenräume, schon 1691 als "wüst" bekannt
W = Brunnen bzw. Schöpfstelle

Bauliche Veränderung am dritten Hofflügel waren mit einem Umbau des mittleren und unteren Gebäudes verbunden, der die Bauenden unter dem Einfluß der Erinnerung an die kirchliche Vergangenheit Throns dazu verleitet hat, diesen beiden Gebäuden durch romanisierende Tür- und Fensteröffnungen und Gewölbeausbildung der Decken im Innern ein altertümlich-kirchliches Gepräge zu geben. 

Kloster Thron   Kloster Thron

Sie können dadurch zunächst den Eindruck von Gebäuden aus der Klosterzeit machen, die sie aber nicht sind. Doch fehlt es nicht ganz an Spuren aus der Baugeschichte dieser Zeit. Ihr ist der in die Vorderseite des unteren Gebäudes eingemauerte Konsolstein zuzuweisen, der eine hockende Figur mit übereinander geschlagenen Beinen darstellt. Er ist von einer dickeren Platte neueren Ursprungs überdacht, die ringsum zu fünf senkrechten Flächen gehauen ist. In das vorderste Feld ist die Zahl 1853 eingemeißelt, die das Jahr des Gebäudeumbaues bezeichnen soll, aber den Konsolstein in eine irrefüherende Beziehung zur Zeit bringt. (1)

eingemauerter Konsolstein mit der Jahreszahl 1853
eingemauerter Konsolstein mit der Jahreszahl 1853
im Kloster Thron
Konsolstein aus Obernhein
Konsolstein an dem Haus
aus Obernhain

Ein ähnlicher Konsolstein (aber nicht den gleichen wie bei Jäger beschrieben), nur nicht so gut wie das Throner Stück erhalten, finden man in Obernhain, Hauptstraße 66, an der der Straße zugekehrten Scheunenwand. Da das Anwesen seinerzeit aus der Hand des Christian Eichhorn, eines Enkels des Schultheißen Eichhorn von Obernhain, der 1807 die Throner Kirche auf Abbruch gekauft hatte, erworben wurde, so ist anzunehmen, daß auch das Obernhainer Stück von Thron stammt und auf die eben angedeutete Weise nach Obernhain gekommen ist und daß beide Stücke einst die Throner Kirche geziert haben. (1)

Auch sonst scheint Steinwerk von Thron an dem Obernhainer Anwesen verwandt worden zu sein. Am dritten Hofflügel von Thron selbst treffen wir weiter in der etwas vorspringenden Ostkante des mittleren Gebäudes Quadern mit sauberem Randbeschlag, deren Schraffierung auf die romanische Zeit hinweist, und in der Mauer unmittelbar über dem Erdboden Steinschichten an, die noch aus dieser Zeit herrühren könnten. Endlich dürften noch Kämpfersteine der Wandpfeiler im Innern der Gebäude dieses Hofflügels durch ihre Profilierung die älteste Bauzeit erkennen lassen. (1)

Gutshof Kloster Thron - Federzeichnung von 1786
Gutshof Kloster Thron - Federzeichnung von 1786  (1)

Es ist naheliegend, dass von der Erde verdeckt, noch verschiedene Mauerreste bei erneuten Grabungen zu finden sind. Aufgrund der fehlenden Aufzeichnungen dürfte es allerdings schwer sein sie "auf die Schnelle" zu lokalisieren. Andere Mauerreste werden wohl nicht mehr auftauchen, da es auch das Los solcher alten Stätten gewesen ist, als Steinbruch benutzt zu werden. Und davon ist auch Thron leider nicht verschont geblieben, wie die beiden o.a. Konsolsteine beweisen. 

Sandbruchsteine sind auf dem ganzen Gelände verteilt   Sandbruchsteine sind auf dem ganzen Gelände verteilt
Viele Sandbruchsteine sind auf dem ganzen Gelände verteilt - 
mit großer Wahrscheinlichkeit stammen diese aus dem Steinbruch in Rockenberg

Die gesamte Klosteranlage, von deren Aufbau die Ausführungen einen allgemeinen Eindruck geben sollen, war von einer Mauer umzogen, die alle Gebäude, den hinter dem Langenbau sich dehnenden Kirchhof, die Klostermühle und mehrere Fischteiche einbezog. Die Wasserversorgung des Klosters war so geregelt, daß zu ihm hin eine Leitung von dem sogenannten Nonnenbrunnen aus dem Wald des Klosters, der sich südwestlich des Klosters ausbreitete, führte. 

Die Frage des Kreuzganges ...

Wir haben in den letzten Monaten etliche Zisterzienser-Klöster angeschaut und wundern uns, dass Thron von der Gebäudeanordnung vom üblichen Aufbau so stark abweichen soll. So stellt sich natürlich auch die Frage eines Kreuzganges:

Jäger glaubte zu wissen, Thron hätte keinen Kreuzgang besessen. Aber ein Kloster ohne einen solchen Ort wäre nahezu undenkbar. Dietwulf Baatz (1966 bis 1993 Direktor des Saalburgsmuseums) ist der festen Überzeugung, dass jedes Kloster einen Kreuzgang gehabt hätte und dieser für Thron "nur" noch nachgewiesen werden müsste. Bisherige Grabungen (u.a. durch Dr. Simon) haben aber ein solches Bauwerk bisher archäologisch noch nicht nachweisen können. 

Eines der vielen ungelösten Rätsel Throns ...

Die Äbtisinnen von Kloster Thron (30)

Ein Großteil der Throner Äbtissinen (24 Frauen) ist bekannt. Die Liste weist allerdings Lücken auf, weil keine Akten über die Abtissinnenwahlen vorhanden sind. Eventuell wird es gelingen die eine oder andere Lücke durch weitere Forschungen zu schliessen. Einige der Abtissinnen hatten.  Bevor sie die Leitung des Klosters übernahmen, andere Ämter inne. Diese sind (da wo sie nachgewiesen werden können) meist in den Ämtern der Priorin oder Bursierien zu finden.


von

bis

Name
1249 1277 Irmgard (erste Äbtissin) 
1284 Gertrud
1287 Cäcilia
1290 Petrissa
1294 1295 Mechthild
1296 1317 Agnes
1320 1329 Mechthild (Matbildis ?)
1347 Adelheid
1347 1363 Kunigunde von Hoch-Weisel
1375 1379 Agnes von Bodenhausen
1381 Else Frisch
1386 1395 Demud von Praunheim
1400 Katharina von Bellesheim
1401 Gertrud von Sulzbach
1407 1410 Dilge von Schwalbach
1416 1447 Else Waltmann (auch 1456)
1454 1464 Lysa von Rheinberg
1468 Metze von Schwalbach
1472 1494 Anna von Diez
1499 1514 Eva von Walderdorff
1516 1532 Lucia Mönch von Busek
1534 1545 Gertrud von Muschenheim
1558 1560 Elisabeth von Walderdorff
1561 1574 Margaretha von Hattstein (als Verwalterin)
1574 1576 Margaretha von Hattstein (als Äbtissin)

Auch ein Teil der Priorinnen ist bekannt (2)

1296 Lucia (Luckel) Riedesel
1393 Lise Heseler (Heselor)
1410 Metze Reye (Ryen)
1424 Gele von Sulzbach
1438 Irmgard von Hattstein
1294 Metze von Schwalbach

Ebenso die Namen einer stattlichen Anzahl von Nonnen (bzw. Geschlechternamen), die in Thron gelebt und gewirkt haben. Simon hat eine umfangreiche Liste anhand der Archivarien erstellen können. (30)  

Unruhige Zeiten - Übergriffe auf das Kloster

Die Hattsteiner Ritter agierten im 14. Jahrhundert oft als Raubritter. Ein Begriff, der allerdings erstmals im 18. Jahrhundert auftaucht. 

Der Raubritter Friedrich von Hattstein, später Stadthauptmann in Limburg, eroberte im Jahr 1353 die Eichelbacher Burg. Er überrumpelte Siegfried von Reinberg bei dessen Hochzeitsfeier und hielt die Burg danach vier Jahre besetzt. Der Hattsteiner bedrohte und plünderte Reisende und Kaufleute auf dem einst viel befahrenen Abschnitt der Rennstraße zwischen Camberg, Hasselbach und Rod an der Weil. In einer Chronik heißt es dazu, „die Straße“ sei bald „still und verlassen“ gewesen, „so dass das Gras wuchs wie auf einer guten Wiesen“. Ebenso wurden die Bauern in den umliegenden Dörfern nicht verschont. (20) 

Im Rahmen einer Landfriedensexekution wurde die Burg 1379 durch Truppen der Freien Reichsstadt Frankfurt und ihrer Verbündeten erobert. Die Hattsteiner verpflichteten sich, auf weitere Raubzüge zu verzichten und erhielten im Gegenzug die Verfügungsgewalt über die Burg zurück. Trotz dieses Eides kam es aber weiter zu Überfällen, darunter 1387 auf das Kloster Thron. Das Kloster muss ein lohnendes Ziel abgegeben haben, wenn die Hattsteiner rund 14km per Pferd quer durch den Wald dafür bewältigen. 

Bei einem Überfall führte Konrad von Hattstein wohl 21 Hammeln von Thron. Daher erbat das Kloster mehrfach in diesen Jahren bei der Obrigkeit (die beiden Reichsstädte Frankfurt und Friedberg) um Schutz wegen nahezu täglicher Überfalle der Reifenberger und Hattsteiner (30). Später besaßen die Reifenberger dann besondere Klosterrechte, da Töchter der Familie Mitglieder des Ordens waren. (1)

Aber nicht nur das Kloster war das Ziel von Übergriffen. 1346 wurde zwischen Limburg und den Wetterauer Hauptstädten ein Wehr- und Geleitbündnis abgeschlossen, um Messen und große Jahrmärkte sicher zu besuchen. Einen ähnlichen Vertrag handelte die Stadt 1357 auch mit den Grafen von Diez und den Grafen von Nassau, gegen Zoll- oder Wegegebühren aus, doch konnte dies nicht den Überfall durch die Hattsteiner auf einen Limburger Tuchtransport 1366 beim Kloster Thron verhindern, bei dem die Limburger Wollweber fast eine halbe Jahresproduktion verloren haben. (8)

Finanznöte

Schon während des jahrelangen Baues fehlten immer wieder entsprechende Mittel. Neun Ablassurkunden zur Finanzierung des Klosters Thron sind bisher bekannt. 

In einer Urkunde des Kardinallegaten Hugo von 1252 verlautet zwar nichts von besonderen Beweggründen für die darin bewilligten Ablässe. Doch kann man auch ohnedies der Ansicht sein, daß die Bedrängnis des Klosters das Handeln der Beteiligten bestimmt hat. Dagegen bringt wieder die Ablaßurkunde des Generlabtes des Zisterzienserordens aus dem Jahre 1260 das Unvermögen des Klosters, aus eigener Kraft seine Kirche zu bauen, deutlich zum Ausdruck. So ist dort zu lesen:

„Allen die Einsicht in dieses Schreiben nehmen, wünscht Bruder genannt Johannes, Abt von Clairvaux, ewiges Heil im Herrn. Da wir alle einmal, wie der Apostel sagt, vor dem Richtstuhl Christi stehen werden, um zu empfangen, wie wir gehandelt haben bei Leibesleben, es sei gut oder böse, so ist es nötig, daß wir dem Tage des jüngsten Gerichts mit Werken der Barmherzigkeit zuvorkommen und im Blick auf die Ewigkeit das fürwahr vergelten, was wir an vielfältiger Frucht im Himmel wieder einsammeln werden. Da zum neuen Bau der Kirche, genannt zum Throne der heiligen Jungfrau Maria, die eigenen Mittel nicht ausreichen, so ermahnen, bitten und flehen wir euch daher insgesamt in dem Herrn an, daß ihr im Gedanken an die göttliche Vergeltung fromme Almosen und dankbare Gaben der Liebe zum Werk der genannten Kirche überschickt oder überbringt, damit ihr dadurch und durch anderes Gute, das ihr auf des Herrn Eingeben tut, des ewigen Lebens Seligkeit glücklich erlangen könnt. Wir aber vergönnen im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit allen, die der oft genannten Kirche ihre Almosen geben oder schicken, den vollen Anteil an allem Guten, das jetzt und, wenn der Herr gütig ist, inskünftig dargereicht wird daheim in Clairvaux und in allen anderen Abteien, die aus Clairvaux hervorgegangen sind. Gegeben im Jahre des Herrn 1260 bei Gottesthal am heiligen Pfingstfest." (1)

Diese Ablaßverleihung des Generalabts aller Zisterzienserklöster bedeutete für das Kloster Thron eine Hilfeleistung ersten Ranges, die geeignet war, seine Notlage endgültig zu beseitigen, und es, wie wir annehmen dürfen, auch getan hat; denn zwei Jahre darauf, 1262, war das Werk, das 1260 noch der durchgreifenden Unterstützung bedurfte, zur Vollendung herangereift. Insgesamt lassen also die Urkunden erkennen, daß sich die Ausführung der Klosteranlage jahrelang hinzog, weil begreiflicherweise das Kloster der Baulast, die auf ihm allein ruhte, nicht gewachsen war. 

Siegel der Abtissin
Siegel der Abtissin (1)
Umschrift: "SIGILLUM ABBATISSE DE THRONO"

Sie sind jedoch zugleich ein Zeugnis dafür, daß sich Kirche und Orden mit der ganzen Macht ihrer Stellung für die junge Gründung einsetzten und ihr den Weg ins Leben bahnen halfen. Sie taten es vorzüglich durch das Mittel des Ablasses. Der Ablaß bewirkt einen Nachlaß der dem Gläubigen wegen seiner Sünden auferlegten Kirchenstrafen für den Fall, daß der so Bestrafte seine Sünden bereut und seine Reue durch eine besondere Leistung bekundet. So wurde durch die dem Kloster Thron zugestandenen Ablass ein derartiger Nachlaß allen denjenigen gewährt, die den neuen Klosterbau in irgendeiner Form förderten. 

Das Leben im Kloster

Im Vordergrund des Nonnenlebens stand der Gottesdienst, das sogenannte Chorgebet, das an sieben über Tag und Nacht verteilten Zeiten verrichtet wurde. Schon um 2 Uhr nachts erhoben sich die Frauen von ihrem kärglichen Lager und schritten zur Kirche, um in der Frühe das Lob Gottes erschallen zu lassen. Immer wieder rief dann die Glocke in Zwischenständen, die der Arbeit gewidmet waren, zur gottesdienstlichen Pflicht, deren Erfüllung am Abend ausklang in den seit alters im Orden gesungenen Gruß an Unsere liebe Frau:Salve Regina, inater inisericordiae“.

Zu diesen gottesdienstlichen Feiern, zwischen denen noch Lesungen und Betrachtungen eingeschaltet waren, trat der Besuch der Messe, die, wenn die Verhältnisse es gestatteten, täglich gelesen wurde.

Die Ordensvorschriften sahen auch vor, dass die Nonnen wöchentlich beichteten und wenigstens siebenmal im Jahr die heilige Kommunion empfingen. In die Gebetszeiten fügte sich täglich das Kapitel, eine Versammlung im Kapitelsaal, in der ein Kapitel aus der Regel Benedikts verlesen, der verstorbenen Mitglieder und Wohltäter des Klosters gedacht, die Verteilung der Dienste für den Tag oder die Woche vorgenommen, um Beistand für die Arbeit des Tages gebetet und öffentlich Bekenntnis über Verstöße gegen die Ordensregel abgelegt wurde. Außer Gebet füllte Arbeit das Leben der Nonnen an.

Das Kloster verwaltete sich selbst- also musste für klare Regeln für das Wohlergehen einer kleinen Gemeinde auf engem Räume gesorgt werden. Man hatte die Ämter, deren Trägerinnen die ihnen überantworteten Gebiete verstehen und versehen mussten. So begegnen uns in der Klostergeschichte von Thron die Äbtissin, die Oberin des Klosters, und die Priorin, ihre Stellvertreterin, die Bursiererin (= die Schlüsselverwalterin), die Gesangsmeisterin, die Küchenmeisterin usw. . (1)

Zur Lebenserwartung im Kloster Thron sei angemerkt, dass sich für die im Zeitraum von 333 Jahren (1243-1576) nachgewiesenen 24 Äbtissinnen oder Klosterleiterinnen eine durchschnittliche "Regierungszeit" von etwa 13,9 Jahren ergibt. Es ist zwar nicht bekannt bei welchem Jahr das Eintrittsalter ins Klosterleben in Thron lag, doch lehnte der Zisterzienserorden das Oblatentum (H) ab. Das Alter schwankte jedoch, in welchem die Mädchen die Profeß abzulegen pflegten, zwischen 13 und 18 Jahren. Wenn man hier einen Mittelwert von 16 Jahren annimmt, so ergibt sich für Thron ein Lebensalter von etwa 30 Jahren, wenn man die durchschnittliche Regierungszeit der Äbtissinnen dazu addiert.  (30)

Der Tätigkeitsbereich des Klosters umfasste ferner, wie gelegentliche Aussagen in seiner Geschichte beweisen, die Unterrichtung und Erziehung von Kindern und die Pflege alter, kranker, einsamer Personen oder Ehepaare, die sich einkauften, Personen von Ansehen, die so im Kloster gelebt oder dort auch nur ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, pflegten in der Kirche oder an anderer geeigneter Stelle der Klausur beigesetzt zu werden. 

Dieser Gewohnheit verdanken wir wohl die Erhaltung der sandsteinernen Grabplatte der Adelheid von Reifenberg, die 1417 verstorben ist und wohl im Kloster bestattet wurde. Die "Chronik von Katzenelnbogen, Nassau, Diez, Sponheim, Hessen, Wittelsbach, Westerburg, Isenburg, Leiningen, Eppstein, Solms, Bolanden, Falkenstein, Sayn, Veldenz, Wied" schreibt, dass Adelheid bis zu ihrem Tode Äbtissin gewesen sei (28)

Grabplatte der Adelheid von Reifenberg
Grabplatte der 
Adelheid von Reifenberg

Die Grabplatte zeigt im oberen Teile rechts das reifenberger und links das stockheimer Wappen. Rund um die Platte verläuft eine Umschrift mit nachfolgenden Text: 

Anno domini millesimo quadringentesimo septimo decimo in die Afre martyris obii Alheil dp, Riffenberg filia Johannix militis de Stogheim, cuius aniima requiescat in pace amen“. (1)

oben:
Anno domini millesimo quadringentesimo septimo decimo
Anno domini millesimo quadringentesimo septimo decimo
rechts:
in die Afre martyris obii Alheil dp, Riffenberg filia
in die Afre martyris obii Alheil dp, Riffenberg filia 
unten:
Johannix militis de Stog
Johannix militis de Stog
links:
heim, cuius aniima requiescat in pace amen
heim, cuius aniima requiescat in pace amen

Die Übersetzung lautet: 

"Im Jahre des Herrn dem tausendsten vierhundertsten siebten und zehnten (1417) am Tage der Märtyrerin Afra (B) schied dahin"Alheil" (= Adelheid) eine fromme Person (C) Riffenberg die Tochter des Ritters Johannes zu Stogheim, deren Seele in Frieden ruhen möge. Amen."

Mit großer Wahrscheinlich ist mit Stockheim eine Wüstung in der Nähe von Usingen gemeint. 1195 wurde Stockheim als Stogheim urkundlich erstmals erwähnt. Das dort ansässige Adelsgeschlecht Stockheim leitet seinen Namen von diesem Ort ab, der daher wohl Stammsitz des Geschlechtes war. Später teilte sich die Familie ein eine stockheimische und eine rheingauische Linie. Letztere starb erst 1702 aus. (29) 

Detail der Grabplatte
Detail der Grabplatte. Links das Wappen von Stockheim, rechts das
Wappen von Reifenberg, das die Gemeinde heute noch führt

1400 soll die Stockheimer Burg während einer Fehde zerstört worden sein. Bis 1456 erfolgen allerdings noch urkundliche Erwähnungen von Burg, Dorf und Amt. Ab 1456 wurde Stockheim nur noch als Wüstung bezeichnet. (16)  Heute befindet sich an der Stelle der Stockheimer Wasserburg ein landwirtschaftlicher Betrieb, der Stockheimer Hof. Sichtbare Baureste der Burganlage blieben nicht erhalten, die früheren Gräben sind größtenteils verfüllt.  (29)

Das Wappen derer von Stockheim wird im übrigen immer noch im Mannesstamm geführt. Auch wenn sich die Rechen im Laufe der Jahrhunderte leicht verändert haben, so ist es immer noch das Wappen der gleichen Familie. (G)

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Das Stockheimer Wappen (31)(32)

Doch zurück zur Grabplatte: Sie scheint in der Vergangenheit verschiedene Standorte gehabt zu haben: Jäger schreibt 1932 "auf der Außenfläche der vorderen Mauer der Scheuer auf der linken Hofseite eingelassen" (1), auf einer Gruppenaufnahme vom 18.03.1943 anlässlich "700 Jahre Kloster Thron" befindet sich die Platte an einer Stallwand (6) (welche Wand wäre noch zu klären) und im Sommer 2011 ist sie am ehemaligen Hühnerstall (links neben dem Wohnhaus) zu finden.

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Links: Aufnahme von 1943 (6), rechts von 2011
das linke Gebäude scheint nicht mehr vorhanden zu sein

Der Niedergang

Im 15. Jahrhundert begann der Niedergang des Klosters. Finanzielle Engpässe und vor allem die allgemein sinkende Bereitschaft, Klöster zu unterstützen, führten zu einem langsamen Abstieg. Mit der Reformation geriet das Kloster Thron in den Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten. Im Jahr 1528 führte Landgraf Philipp von Hessen, dem ein Viertel des Amtes Wehrheim gehörte, den lutherischen Glauben ein. Graf Wilhelm von Nassau ließ ihm freie Hand. Damit war es für das Kloster Thron ab 1548 nicht mehr möglich, einen katholischen Pfarrer zu finden. (1)

Im Visitationsprotokoll vom 1570 heißt es von Nassauischer Seite, die "Domina in Thron" (gemeint ist Margareta von Hattstein) habe zu Himmelfahrt (19. Mai) erstmals das Abendmahl "nach der Einsetzung Christie empfangen" und zwar durch den Wehrheimer Pfarrer Konrad Eifried. Damit hatte sich die evangelische Abendmahlpaxis mit dem Laienkelch in Thron erstmals durchgesetzt. (30)

Die Aufhebung des Klosters oder die Erzwingung einer Konversion war Graf Johann VI. von Nassau-Oranien nicht möglich, da auch Kurtrier seit 1564 Anteile am Amt Wehrheim besaß. Er verhinderte jedoch sehr erfolgreich die Aufnahme neuer Nonnen. 

Die letzten Nonnen

Elisabeth von Walderdorff nennt sich noch 1558 Äbtissin und trägt die Ordenstracht. Erst von der letzten Klosterfrau, Margareta von Hattstein, wird berichtet, dass sie die Ordenskleidung abgelegt und die Bezeichnung Bursiererin oder Verwalterin angenommen habe. Sie nimmt bis in ihre letzten Lebensjahre hinein Rechtsgeschäfte formgerecht in ihrem und des Konvents Namen vor, obwohl von einem Konvent aus Mangel an Personen damals nicht mehr die Rede sein konnte.

Sie spricht 1563 sogar von drei jungen Mädchen, die noch nicht Profess getan hätten. Das Ende des Klosters war so nicht ein jähes Ende sondern ein langsames Aussterben, das sich erst 48 Jahre nach jenen entscheidenden Vorgängen von 1528 mit dem Tode Margaretas im Frühjahr 1576 vollendet hatte. Mit dem Tod von Margareta von Hattstein endet somit die Geschichte des Klosters. 

Ein darauf von der Ritterschaft unternommener Versuch, das Kloster wiedererstehen zu lassen, blieb erfolglos. Erfolglos endigte auch die Rekatholisierung Throns von Frühjahr 1629 bis Ende 1631 in der Zeit des 30jährigen Krieges.

Das Kloster Thron war so nach 285jährigem Bestehen wieder weltlicher Besitz geworden, der es vor seiner Gründung gewesen war. (1)

Grabungen 1932

Unter der Leitung des Direktors des Saalburgmuseums, Baurat Dr. Heinrich Jacobi in Homburg (Sohn des Louis Jakobi, dem "Ausgräber" der Saalburg"), begannen am 18. Okt. 1932 die etwa drei Wochen dauernden Grabungen. Sie galten hauptsächlich der Kirche. Die Grabung am Langenbau konnte sich auf eine Angrabung der Grundmauern beschränken, weil von ihm eine kurz vor dem Abbruch dieses Gebäudes 1873 verfertigte Grundrißzeichnung des Erdgeschosses aus der Hand des Bauinspektors Thomae von Usingen vorlag. 

Langenbau oder Nonnenbau
Langenbau oder Nonnenbau (1)
(Zeichnung und Grundriß des Bauinspektors Thomae, kurz vor 1873)

Der Langenbau, dessen Länge in den Grundmauern nach dem Thomaeischen Grundriß sich auf 47,60m belief und darin also fast genau der Kirche glich, maß in der Tiefe von Außenseite zu Außenseite der beiderseitigen Mauern 9 m, von denen je 1,30 m auf die Mauern entfielen. Es blieb somit, ähnlich wie bei der Kirche, nur eine lichte Weite von 7,40 m. Die Bezeichnung Langenbau für das Gebäude wird aus diesen Feststellungen am Gegenstand selber tatsächlich erklärt.

Der Platz des dritten Klausurgebäudes jedoch war im Wandel der Zeiten so starken Veränderungen ausgesetzt, daß eine Grabung mit viel Umständen und Erschwernissen verknüpft und gerade hier im Enderfolg ganz unsicher gewesen wäre. Der archivarische Befund und der örtliche Augenschein wiesen den Weg, den die Grabungen zur Offenlegung der Grundmauern der Kirche zu nehmen hatten. Es ergab sich, daß der Spaten auf einem an den Throner Gutshof grenzenden Baumgrundstück angesetzt werden mußte, das zu der heute längst von dem Hofgut getrennten Throner Mühle gehört. Es geschah dann da, wo die Grundmauern des Chors zu vermuten waren. An dieser so bestimmten Stelle traten sie dann auch, nachdem die Arbeiten begonnen waren, alsbald in großer Mächtigkeit zu Tage. (1)

Grundmauern des Chores   Eingang zur Kirche für die Laien
Freigelegte Grundmauern (1932) (1)
links: Grundmauern des Chores, rechts: Eingang zur Kirche für die Laien (nordöstl. Seite)

Sie wurden fast komplett freigelegt und zeigten sich in gut erhaltenem Zustand. Die äußere Umführungslinie der Grundmauern der Kirche umschloß eine Fläche von 47,60 m Länge und 10 m Breite; die Grundmauern selbst verjüngten sich innen von der Chorseite bis zu der ihr entgegengesetzten Seite von 1,60 m auf 1,10 m. 

Plan des Kirchenbaus nach Jäger
Plan des Kirchenbaus nach Jäger (1)

Durch das Verhältnis von großer Länge und kleiner Breite des einschiffig gebauten Hauses entstand jene langgestreckte Form der Kirche, in der sie mit andern Zisterzienserkirchen des Mittelalters übereinstimmt. Im übrigen sind an dem Grundriß die Merkmale gotischer Bauweise der Kirche (eckiger Chor, kein Querschiff, Strebepfeiler) nicht zu verkennen.

Das nassauische Hofhaus
Das nassauische Hofhaus (1) 
(errichtet 1772, abgebrochen 1940)
Das Gutshaus heute
Das Gutshaus heute (2012)

Vom ursprünglichen Kloster sind somit nur noch einige Fundamente erhalten, die in der Regel unterhalb der derzeitigen Erd-/ Grasnabe durch Grabungen zu finden sind. Auch die Grabplatte der Adelheid von Reifenberg, geborene von Stockheim, aus dem Jahre 1417 ist erhalten geblieben (s.o.). Ebenso ein Stückchen Säule und ein behauener Sandstein, der ein Kapitell sein könnte.

Fundstück aus des Klosters Zeit   Fundstück aus des Klosters Zeit

An bemerkenswerten Gegenständen, die bei der Grabung zu Tage gefördert wurden, sind zu nennen: ein als Piscine bezeichnetes Steingefäß das zur Waschung der Hände und zur Reinigung der sakralen Gefäße diente und in der Nähe des Altars angebracht war, gemusterte Ziegelplatten verschiedener Größe, glasierte Ofenkacheln mit dem Mainzer Rad, Bruchstücke von schon früher bekannt gewordenen Ziegelplatten mit dem gekreuzten Doppelstempel gotischer Art: "swig vnd lyt" (= "schweig und leid"); einige Ziegelplatten mit dem Stempel der VIII. römischen Legion und der IV. Kohorte der Vindelicier. (1)

Piscine
Piscine
(1)
gefunden beiden Grabungen 1932
Ziegelplatte
Ziegelplatte mit der Inschrift
(1)
"swig und lyt" - gefunden beim
Abbruch des Nonnenhauses 1873

Nach Beendigung der Ausgrabungsarbeiten wurden die Gräben wieder zugeworfen und die Mauerläufe dem Schutz der Erde weiter überlassen.

Ein Teil der Funde befinden sich heute in den Magazinen des Saalburgmuseums. Wir hatten im November 2011 die Gelegenheit uns diese anzuschauen und ein paar Fotos zu machen:

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Leider ist über den Verbleib der Piscine im Saalburgmuseum nichts bekannt. Fest steht allerdings, dass sie - trotz der Ähnlichkeit - nicht mit oben abgebildeten Kapitell identisch ist.

Ein "Klostermärchen" hält sich

Bis heute hält sich in Köppern hartnäckig nachfolgendes "Throner Märchen": die Rodheim Köpperner Waldmark wäre 1737 nach der Zahl der verbliebenen Nonnen geteilt worden. Zwei Nonnen hätten Rodheim übernommen, Köppern nur eine. Daher hätte heute Rodheim den größeren Anteil an der ehemaligen Mark. Die Mär ist heute immer noch bei einigen alten Köppernern fest verankert. (23) 

Dies kann aus verschiedenen Gründen nicht stimmen: zum einem besaß Thron nie die Rodheim-Köpperner Waldmark (30) und zum anderen lebten 1737 keinen Nonnen mehr auf Thron. Auch die nachfolgenden Besitzer hatten nichts mit der Mark-Teilung zu tun. 

Offene Fragen

Natürlich bleiben trotz einer intensiven Suche Fragen offen, die noch einer Erklärung harren:

Das ehemalige Kloster im Sommer 2011

Das Hofgut Thron gehörte zur Hälfte dem Doctionsfonds zu Montabaur und zur anderen Hälfte dem Fonds der Academie zu Herborn. Mit der Gründung des Nassauischen Zentralstudienfonds (NSF) 1817 ging das Eigentum in dessen Hände über. Der NSF ist heute immer noch Eigentümer. 

Jetzt ist Kloster Thron das, was es vor der Gründung schon war: ein landwirtschaftlicher Betrieb. Werner Etzel (37), Biolandwirt aus Wehrheim, hat im Mai 2011 die komplette Hofanlage für 18 Jahre zur Pacht übernommen. Wir besuchten den Hof anlässlich eines "Tages der offenen Tür" im Sommer 2011 und hatten bei einem Rundgang eine tolle Gelegenheit Fotos zu machen. 

Lageplan Kloster Thron 2011
Die Gebäude 2011


A = Wohnhaus
B = Fahrzeughalle / Werkstatt
C = Stallungen (Standort des Konsolsteines)
D = Stallungen
E = Toreinfahrt
F = Wohnhaus
G = Stallungen
H = ehemaliger Rinderstall
 I = stillgelegte Silos
J = Lagerhalle
K = ehemaliges Hühnerhaus (jetziger Standort der Grabplatte)

Vielen Dank an Herrn Etzel für die freundliche Einladung und Hilfe beim "Grabplatte suchen". 
Wir wünschen ihm und der ganzen Familie viel Erfolg bei der Bewirtschaftung des geschichtsträchtigen Grundes !

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[ Link zu "Bauer Etzel" ]

"Nebel über Kloster Thron" - Ein historischer (Heimat-)Roman von Uschi Flacke

Die Autorin beschreibt sehr bildlich das Leben in und rund um das Kloster und hat auch die teilweise unrühmliche Rolle der Hattsteiner geschickt in ihre Erzählung eingebunden.

Klappentext: "Ein Karfreitag im frühen 16. Jahrhundert. Raubritter und andere finstere Gestalten bevölkern die Wälder und machen jedermann in der Gegend das Leben schwer. Eine Reihe grausamer Morde versetzen die Bewohner der Dörfer in helle Aufruhr. Franziska, die junge und unerschrockene Tochter des Ritters von Reifenberg, sucht auf eigene Faust nach den Übeltätern. Hat die blinde Nonne von Kloster Thron den teuflischen Plan ausgeheckt ? 

Der tapfere Junker Daniel, ein roter Rubinring und ein kleines ledernes Buch mit geheimnisvollen Miniaturen helfen Franziska auf ihrer lebensgefährlichen Spurensuche ..."

Nebel über Kloster Thron

Danksagung 

Wir bedanken uns bei allen, die uns bei der Recherche zu dieser Seite unterstützt haben:

Weiterführende Literatur über das Kloster Thron

Es war anfangs schwieriger als gedacht an passenden Informationen über das Kloster zu kommen. Wir wurden aber mit etwas Geduld sowie einigen Telefonaten fündig - und manchmal an den ungewöhnlichen Stellen. Besonders lesenwert ist die Dissertation von Herrn Dr. Ulrich Simon, der auf über 300 (!) Seiten (inkl. einer Karte und 7 Tafeln) die Geschichte des Archivarien grundlegend erforscht hat. Dieses Werk ist. u.a. im Stadtarchiv Friedrichsdorf einzusehen und kann (mit etwas Glück) auch über Antiquariate bezogen werden.

Archivarien

Die Throner Archivarien befinden sich heute zum überwiegenden Teil im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. Von den anderen Archiven ist das Staatsarchiv in Darmstadt mit etwa 30 Urkunden das Wichtigste. Die Thronerhof-Akten des Frankfurter Stadtarchives wurden leider im zweiten Weltkrieg vernichtet, lassen sich aber zum Teil aus Literatur und Akten rekonstruieren. Daneben finden sich aber noch in anderen Urkunden- und Aktenabteilungen das Stadtarchives wichtige Hinweise.

Vereinzelte Dokumente befinden sich im Staatsarchiv Marburg, im Stadtarchiv Friedberg, im Fürstlich Solmsischen Archiv zu Lich, dem Zentralarchiv des Deutschen Ordens in Wien, dem Hauptstaatsarchiv in München und dem Saalburgmuseum. (30)

Die von uns benutzen Quellen:


Ergänzungen:

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